Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1897)
- Date
- 1897-12-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1966 Die ganze Wett verkörperte sich für Jzka in der Obristin, und ihretwegen vergaß er ganz, daß außer ihr im Gasthaus noch andere Herrschaften da waren, die auch der Dienste bedurften. Aber für die waren Srul und Boruch gut genug. Nur die Obristin allein war des besten Meschores werth — und das war Jzka, wie er sich ohne Selbstüberhebung selbst sagen konnte. Nachdem die Obristin sich nebst Tochter und Neffen an den Theetisch gesetzt hatte, pflanzte Jzka sich bescheiden im Korridor vor der Thür auf und erwartete geduldig weiterer Befehle. Srul war währenddeffen bei den anderen Einwohnern beschäftigt und mühte stch ab, zu gleicher Zeit wenigstens zehn verschiedene- Forderungen und Aufträge zu erfüllen, was ihm Dank feiner Behendigkeit und Geschicklichkeit denn auch glänzend gelang. Boruch aber saß unbeweglich auf dem Kasten und stierte mit finsterer Miene die gegenüberliegende Wand an. Er bekam keine Aufträge und verstand es auch nicht, sich darum zu bemühen. Er gab sich den Anschein, als ob er nichts bemerkte von dem was um ihn vorging, in der Wirklichkeit aber sah und hörte er alles. Boruch tadelte innerlich den Jzka. Wozu dies Laufen und Haften? Warum übernahm Jzka solche Dienste, für die doch Kellner und Laufburschen da sind? Ein Meschores hat sich nur mit Kommissionen zu beschäftigen, mit solchen Geschäften, die ein einfacher Diener nicht ausführen kann. Wenn er Waffer schleppt und nach Theemaschinen läuft, erniedrigt er sich. Boruch raisonnirte so aus lauterem Neid, obgleich er sich dessen selbst nicht bewußt war. Hätte die Obristin ihn zum Faetotum gewählt, so würde er ihr gerne die Schuhe geputzt haben, nöthigenfalls auch sie frifiren und was da noch zu thun war, und wäre natürlich auch keinen Schritt von ihrer Thür gewichen. Freilich konnte Boruch heute nicht gerecht sein, denn er hatte keinen Verdienst und zu Hause saß eine große hungrige Familie. Jzka konnte ihn von seinem Posten aus ganz gut sehen und dachte darüber nach, was der arme Boruch doch für ein Mißgeschick habe. Der schlauköpfige Srul hat gewiß schon einen Rubel in der Tasche, während Boruch noch immer auf dem Trockenen sitzt. Srul sucht sich selbst Praxis auf, er wartet nicht, daß man zu ihm kommt und ihm etwas anbietet. Er paßt auf alle Thüren, die in den Gang hinausgehen und horcht auf die kleinste Bewegung in den Zimmern. Er hat ein so feines Gehör, wie ein Hase, und wenn das Bett irgendwo knarrt, so weiß er gleich, ob der Einwohner sich nur auf die andere Seite gedreht hat, um weiterzuschlafen, oder ob er sich vorbereitet aufzustehen. Im ersten Falle bleibt Srul ruhig sitzen, im zweiten tritt er leise an die Thüre und prüft vorsichtig, ob sie verschlossen ist oder nicht. Ist sie verschloffen,. so wartet er, bis der Kellner gerufen wird und folgt demselben dann in das Zimmer; ist sie nicht verschloffen, so zieht er sie ganz leise em kleinwenig, auf und sieht, ob der Herr auch wirklich beim Aufstehen ist. Hat er sich geirrt, so macht er die Thüre wieder behutsam zu und wartet weiterer Anzeichen des Erwachens seitens des Einwohners. Dasselbe Manöver wiederholt er bei den anderen Thüren, (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, XLoutagm und Donnerstag, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Kuhhandel verkehrt durch E. F. Ktrtnacker, Lripstg, Nvßptutz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petilzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung per an die «edaktian eingesandte» Mannseripten findet nicht statt, man bittet de-halb, fich von alle« Einsendungen eine Copie zurllckzubehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Die Orgelfrage. Beantwortet von I. Nobel in Halberstadt. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M Strelno. Oefterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Temesvar. Neutra. Tarkayi. Krakau. — Literarisches. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Meschores. Von I. Potapenko. Anstalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Ahlem. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Quakenbrück. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Zur Geschichte der Familie Drensuß. Von Dr. Stern—Kiel. — Zeitungsnachrichten und Cocrespondenzen: Oesterr .-Ungar Monarchie: Triest. Palästina: Jaffa. — Vermischtes. Extra-Beilagen; Feuilleton: Säen und Ernten. Von Dr. M. Lehmann. — Abonnements-Einladung. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraßc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellfchaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen