Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1897)
- Date
- 1897-12-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1964 Literarisches. Lehrgang des Schreibunterrichts in der hebräischen Kurrentschrift nach der genetischen Methode, zugleich fünf Schönschreibhefte mit lithographirten Vorschriften von I. Rosen thaler. — Frankfurt. a.'M., I. Kaufsmann. Preis jedes Heftes 16 Pfg. Dem Verfasser ist es ^gelungen, einen Zweig unseresßReligronsunterrichts, der bisher in methodischer Beziehung? sehr vernachlässigt war, und für den unsere Schule noch kein zweckmäßiges Lehrmittel besaß, sachgemäß und den hohen Ansprüchen unserer Zeit gerecht werdend, zu behandeln. Der Ductus, der für die hebräische Kurrentschrift hier ausgestellt wird, ist bei der schönen Formgebung der Schrift, einfach, regelmäßig und deutlich, die richtige Proportion der Buchstaben zu einander und zu ihren Theilen, der Stärken zu den Schwächen ist immer eingehalten und da- Liniensystem ist ebenso originell als zweckmäßig. Der Schüler lernt hier nicht nur schön schreiben, sondern auch schreibend lesen; und da sich ferner für die im Laufe der Zeit entstandene eigenartige Orthographie des Hebräisch-Deutschen alle nöthigen Beispiele hier finden, gehen diese Schönschreibhefte weit über das Ziel der sonst üblichen Kalligraphie- Hefte (für deutsche und englische Kurrent) hinaus. Ganz besonders werthvoll ist die Einübung der im fünften Hefte nach ihrem logischen Zusammenhänge geordneten, im brieflichen Verkehr hauptsächlich vorkommenden hebräischen Bezeichnungen und Wortkürzungen. Die sorgfältige, exakte und prächtige Ausstattung, der verhälnißmäßig billige Preis, und was mehr als alles dieses ist, das aus dem Ausbau des Ganzen hervorleuchtende pädagogische Taktgefühl und methodische Geschick sichern diesem Lehrmittel Eingang in alle Schulen, in denen die hebräische Kurrentschrift ein Unterrichtsgegenstand ist. Der „Lehrgang für den Unterricht in der hebräischen Kurrentschrift" wird bei den Schülern die Lust und Liebe zum Hebräisch-Schreiben wecken und dem Lehrer ein treuer Gehilfe sein. M. Zucker. Königshofen i. Gr. vermischtes. Worms. Herr Moses Baruch, Präsident der Handelskammer dahier, ist vom Großherzoge zum Handelsrichter (Ergänzung) für die Zeit vom 1. Januar 1898 bis 31 Dezember 190V ernannt worden. Es ist das erste Mal, daß ein Jude dahier zum Handelrichter ernannt^wurdc. — Vergangenen 5WV ’tfyiö veranstaltete der hiesige Syuagogen- Ehorverein eine Chanutkafeier. Nachdem ein Knabe die Lichter angezündet und von den anwesenden Knaben „Moaus zur Jeschuosi* gesungen war, setzte Herr Rabbiner Dr. Stein den anwesenden zahlreichen Kleinen die Bedeutung des Festes auseinander. Die schulpflichtigen Schüler und Schülerinnen bis 14 Jahre und noch nicht schulpflichtige wurden alsdann bewirlhet und mit Geschenken bedacht. — Professor Gernsbeim, Dirigent des Stern'schen Gesangvereins in Berlin, ein geborener Wormser, wurde vom Kaiser mit dem Rothen Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet. Viernheim» i. Dez. Den edlen Bemühungen des Herrn Lehrers Goldschmidt, im Verein mit dem ehemaligen Klausrabbincr Herrn Dr. Rosenthal aus Mannheim. ist es endlich gelungen, das seit langem in Verfall geratheue rituelle Fraucnbad in hiesiger Gemeinde seinem heiligen Zwecke wieder zu übergeben. Kleinlangheim. Die hiesige Kultusgemeinde hat einen ihrer besten Männer, einen wirklich frommen Jehudi dieser Tage zur letzten Rübe bestattet. Es ist dies der sel. Lob Hahn, der in jeder Beziehung ein edler Charakter, braver und wirklich gottesfürchtiger Mann war. Der Verstorbene erst 57 Jahre alt, hinterläßt eine große Familie, meist unversorgte Kinder und ist dies ein schwerer Schlag für die Familie und die isr. Gemeinde. Wo es Kranke und Arme gab, war der Verblichen« stets da. Hahn war auch der Gründer der vor 11 Jahren entstandenen Chefre Maarif-Bismano. Emmerich, 17. Dez. Am verflossenen Mittwoch beging der hiesige israelitische Frauenverein Gemiluth Chesed sein 18jähriges Stiftungsfest. Die zweite Vorsteherin, Frau I. E. Lenser, begrüßte in passender Rede die Anwesenden. Lehrer I. Carsch toastete am den Vorstand, Herr I. E. Leyser sprach in einem längeren, gut ausgeführten Vortrage über die Bedeutung der israelitischen Frauenvereine. Herr S. Spier toastete im Namen seiner Frau, der ersten Vorsteherin des Vereins, aus die erschienenen Gäste, welche zur Verherrlichung des Festes beigetragen haben. Bis zu später Stunde blieb die Gesellschaft in gehobener, freudiger Stimmung zusammen. Völkershausen. (Thüringen.) Am ‘„7. Chanukkatage verschied hier im hohen Greisenalter von nahezu 93 Jahren N Hirsch Rothschild. Die hiesige jüdische Gemeinde, die leider sehr im Abnehmen begriffen ist, verliert in dem Entschlaienen ein musterhaftes Beispiel aufrichtiger Religiosität. Srets traf man den frommen Greis beschäftigt mit dem Lesen heiliger Schriften. So lange es ihm seine Kräfte gestatteten, wohnte er dem svp D"’ Gottesdienste in der Nachbargemeinde Lengsfeld bei rT3JUn. rt. H. Jnowrazlaw, 19. Dez Heute Abend um halb neun Uhr sprach hier im Hotel Weiß im Aufträge des Achusath-Mreiim-Vereins,der es sich zur Aufgabe gemacht hat, während der Wintermonate hebräische literarische Vorträge von Autoritäten aus diesem Gebiete abhalten zu lassen, Herr Dr. Pinn aus Berlin über das Thema „Die Romantik des Martyriums im Mittelalter". Redner schilderte in seinem Vortrage vor überfüllten Saale die schrecklichen Leiden und Verfolgungen der Juden und lobte deren Charakterfestigkeit und Glaubenstreue, die ihnen mehr galt als ihr Leben. Redner erntete großen Beifall. Er ermahnte auch unseren hiesigen Verein, einmüthig zusammen zu halten und sich nicht zu schämen, Juden zu sein, sondern für die Interessen des Judenthums nach Kräften zu wirken. Von hier hat sich Dr. Pinn, der vor zwanzig Jahren am hiesigen kgl. Gymnasium als Gymnasiallehrer fungirte, nach Schncidemühl begeben, um auch einen ähnlichen Vortrag im dortigen jüdischen literarischen Verein zu halten. Diez, 23. Dez Durch Vermittelung des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Weingarten in Ems hat Frau Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris dem hiesigen Deutsch - Israelitischen Kinderheim 22 000 Mark überwiesen, die zur Abtragung der noch auf dem Anstaltsgcbäude ruhenden Hypothek dienen sollen.