Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1897)
- Date
- 1897-12-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448802--45162-2494293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1963 dem Sturm der Zeit Widerstand leisten und zu einer mächtigen Stütze des orthodoxen Judenthum» in unserer Gemeinde werde. Wir bitten daher den hochverehrten Herrn Oberrabbiner, in dieser Angelegenheit das Nöthige zu veranlassen, und hoffen Ihnen bald über den Erfolg Bericht erstatten zu können. § Temesvär, 23. Dez. Aus Ansuchen der Temesvürer israel. Religionsgemeinde hatte der Temeser Vizegespan auch in Csakova, welche Ortschaft zum Temesvürer Rabbinatssprengel gehört, die exekutive Einhedung der Kultusbeiträge angeordnet. Diese Verfügung bestätigte der Verwaltungs-Ausschuß und nun hat auch das dritte Forum, der Kultusminister, in demselben Sinne entschieden, indem er betonte, die Cskovaer israelitische Gemeinde sei im Jrrthum, wenn sie glaubt, daß durch die Einführung der Staatsmatrikel die Rabbinatskreise aufgehört haben und daß sie nach wie vor zu den Spesen des Sprengels beitragen muffe. — Endlich ist einem „dringenden Bedürfnisse" der status gua-Gemeinde in unserem Stadttheile Fabrik gründlich abgeholsen worden. Dieselbe hatte sich schon längst danach gesehnt, ihre Gebete, damit sie von dem vtrs. deutlicher gehört werden, unter Orgelbegleitung zu verrichten. Leider fehlte ihr das nöthige Kleingeld zur Anschaffung eines solchen unentbehrlichen Synagogen-Jnftruments. Sie entschloß sich daher zu diesem Behufe eine Sammlung unter ihren Mitgliedern ernzuleiten, die auch richtig das hübsche Sümmchen von 3000 fl. einbrachte. Sogleich wurde nun bei dem hiesigen Orgelbauer Leopold Wegensteiner eine Orgel bestellt unter der Bedingung, daß diese bis zum kommenden Monate Ellul (1. August) fertig gestellt werde. Wie verlautet, werden nun unsere ta*wne (Gebetbücher) auch dahin corrigirt werden, so daß überall, wo es bisher hieß: bnpi pn, es von nun an Stelle des fehlenden bnp heißen wird: byrm pn, so wie es in den Araber Gebetbüchern gedruckt steht. Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? ** Neutra, 27. Dez. (Eine turbulente Versammlung.) Dieser Tage hatten wir hier einen österreichischen Reichsrath en miniature. Der israel. Krankenpflege- und Leichenbestattungsverein hielt seine Jahresversammlung. Auf der Tagesordnung stand unter Anderem die Wahl eines BereinsarzteS. Bis zu diesem Punkte verlief die Versammlung in ruhiger Weise, als aber der Vorsitzende nach langer Auseinandersetzung erklärte, daß der Ausschuß von den eingetangten drei Gesuchen um bett fßoften eines bevorzugt habe und den betreffenden Arzt gewählt erklären wollte, erhob sich ein Sturm in der Versammlung, so daß kein Redner mehr zu Worte kommen konnte. Man schrie über Vergewaltigung und wollte sich da» Recht der Wahl nicht wegeskamotiren kaffen. Der Vorsitzende aber, der die Reichsrathsverhandlungen ftudirt zu haben schien, wollte in keiner Weife nachgeben und bcharrte auf dem Standpunkte, daß dem Ausschuffe das Vertrauen geschenkt werden muffe, den Arzt, welcher einen VerirauenSpoften einnimmt, selbst zn wählen. Nach stundenlangem ohrenbetäubenden Lärmen wußte sich der Vorsitzende nicht anders zu helfen, als daß er die Sitzung schloß und die Wahl des Arztes in suspenso belief}. Es sielen wiederholt die Rufe: „Abrahamowicz, Kramar, lex Falkenhapn", was den Präsidenten aber nicht im Geringsten genierte. Tarkayi, 13. Dez. Gestern, Sonntag, kamen in das Wirthshaus der Wittwe Friedmann hier, Mutter von drei unmündigen Kindern, mehrere Bauernburschen, um zu zechen. Es kam dann zu einem Streite zwischen denselben, der aber bald wieder geschlichtet wurde. Darauf verlangten die Burschen von Neuem Wein, den aber die Wirthin, wahrscheinlich saßen die Zecher schon zu tief in der Kreide bei ihr, nicht mehr einschänkm wollte. Dies erbitterte die Burschen so sehr, daß sie beschloffen, die Jüdin bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Einerder Burschen warf sogleich die brennende Petroleumlampe nach der Wirtbin, die im Nu lichterlob brannte und sich rasend vor Schmerzen auf dem Fußboden herumwälzte. Die Zecher umtanzten nun die brennende Jüdin, ergötzten sich an ihren Qualen und fangen dabei frohe Lieder. Nach einigen Minuten hatte das Opfer schon auSgelilten. Selbstverständlich wurden diese Bestien in Menschengestalt sogleich verhaftet, wer aber ersetzt den unmündigen drei Waisen die Mutter? Da sieht man nnn, wie der Judenhaß Menschen in Tiger umwandeln kann. $ Krakau, 37. Dez. In der galizischen Ortschaft Roszwadow hat sich folgender Fall ereignet: Dort lebte ein äußerst frommer Jude, Reb Moifche Leber, der sich der Achtung Aller erfreute. Da er schon hochbetagt war, so bat er den dortigen Cuttusvorsteher, Reb Aufchel Zangen, man möge ihn für den Fall seines Ablebens neben seinen Eltern begraben. Leider starb Reb Moische während Herr Zangen auf einer Geschäftsreise weilte, und er wurde daher nicht in der Nähe seiner Eltern bestattet. Nachdeni Herr Zangen zurückgekehrt war, begab er sich Nachts mit zwölf Männern heimlich auf den Friedhof, ließ die Leiche Reb Moische's ausgraben, und dieselbe neben deffen Eltern bestatten. Als die Behörde jedoch von dieser Exhumirung erfuhr, ließ sie Herr Zangen vorladen, da nach dem österreichischen Gesetze eine Exhumirung nur mit Genehmigung der Polizei vorgenommen werden darf. Man erwartet jedoch allgemein, daß Herr Zangen, der bona fide gehandelt, mit einer Geldstrafe davon kommen werde.