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Der Israelit · 1897-12-30 · Heft 103 (30.12.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 103 (30.12.1897)
Date
1897-12-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1962 Handeinkaufe zu beschaffen und damit die sogenannte Uebernahmscommissivn, bestehend aus den Gemeinderächen Siegmeth, Stehlik, Baumgarten und C. M. Mayer betraut. (Gemeinderath Tomanek: Es ist also doch wahr- und Gemeinderath Mayer war der Rädelsführer.) Er habe, nachdem er die Notiz gelesen, die genannten Herren seiner Partei zu sich gebeten und sie um Auskunft ersucht. Die Herren haben nun gesagt, es sei nicht möglich gewesen, bei anderen Geschäftsleuten Tuchrefte zu finden. ES ist also nicht wahr, daß Herr Gemeinderath Mayer Zeuge dieses Kaufes war, sondern er war Mitglied der Commission. Um den Herren noch eine weitere Freude zu machen, müsse er noch feststellen, daß der Herr, welcher diese Angelegenheit in der „Ostdeutschen Rundschau" miltheilt, ein Gesinnungsgenosse, also ein Mitglied der Schönerer-Partei war und dieser bat in dem jüdischen Geschäfte für den eigenen Bedarf Einkäufe gemacht. (Beifall und Heiterkeit links. Gemeinderath Tornanek ruft: Er ist ja nur deshalb hingegangen, um Zeuge dieser Einkäufe zu sein.) Gemeinderath Mayer bemerkt, der Herr Gemeinderath Tomanek habe in einem Zwischenrufe gegen ihn dar Wort Rädelsführer gerichtet. Der Zwischen - rufer wollte wohl damit sagen, daß er (Redner) die Commissionsmitglieder dazu verleiten wollte, in einem jüdischen Geschäfte einzukausen. Demgegenüber muffe er betonen, daß die Commission von dem Grundsätze ausgegangen sei, dort zu kaufen, wo dies zum Besten der Kinder und zum Vortheil der Gemeinde möglich sei. Ob dieser Einkauf bei einem Juden oder Christen gemacht werde, sei wohl Nebensache. (Beifall auch bei der Majorität.) Die Interpellation der Gemeinderäthe Dr. Fochler und Tomanek sei daher lächerlich und nur auf Sensationshascherei beruhend. (Beifall rechts.) ** Wien. Gegen die Juden in Bosnien wendete sich in der Plenarsitzung der österreichischen Delegation, als es sich um den Occupationscredit bezüglich Bosniens handelte, der Delegirte P. Scheicher mit dem Wunsche, daß die Einwanderung derselben nach Bosnien verhindert werden möge. Redner wünscht, daß Bosnien zu Oesterreich bald in ein stabiles Verhältniß gesetzt werde. Der gemeinsame Finanzminister Kallay antwortete hieraus folgendermaßen. Was den Appell des Del. Scheicher betrifft, daß nicht so viele Juden nach dem Lande kommen, so war ich, offen gestanden, auf diese Frage gefaßt. Ich glaubte, daß diese Frage kommen werde und habe mich darauf vorbereitet. Wir haben im ganzen Lande 8213 — ich weiß nicht, wie ich sie nennen soll — Israeliten oder Juden — ich nenne sie Israeliten. Die ganze Bevölkerung beträgt beiläufig 1,600,000, die jüdische Bevölkerung beträgt also beiläufig 0,52 Prozent. Von diesen 8213 Israeliten sind aber 5729 Spaniolen, die aus Castilien vor 4—500 Jahren nach ihrer Vertreibung eingewandsrt und mit dem Lande vollkommen verwachsen sind. Aus der Monarchie sind 2484 Israeliten eingewandert und in acht Bezirken gibt es gar keine. So sieht es mit dieser so oft ventilirten Judensrage in Bosnien. Ich glaube, daß wenn überhaupt von dieser Seite eine Gefahr drohen könnte, daß diese Ziffer gar keine Gefahr in sich birgt. Ob es aber richtig wäre, auf eine so tliätige Claffe der Bevölkerung zu verzichten, das überlaffe ich der Beurtheilung der Herren Mitglieder der hohen Delegation. Prag. Leider ist es trotz aller Bemühungen der «anp *nart und der Gemeinde-Repräsentanz, nicht gelungen wenigstens die öffentlichen Denkmäler der Judenstadt unversehrt zu erhalten. Es werden der Affanirung das allehrwürdige Rathhaus, das Mocdech ai Meisel erbaute, fünf große Synagogen und ein freilich geringer Theil des weltberühmten Friedhofes zum Opfer fallen. Dis fünf Synagogen sind folgende: Die Neuschul, die große Hochschul, die Zigeunerschul, die Pinkasschul und die Hochschul, lauter Schulen, die das ehrwürdige Atter von 350 bis 150 Jahren hinter sich haben. Von diesen Synagogen sind die Zigeunerschul und die Neuschul ganz reformirt, sie werden sich wahrscheinlich vereinigen und einen großen Tempel bauen, die drei andern Synagogen sind bis jetzt noch orthodox geblieben. Es hätte jetzt keinen Zweck aus ihnen zusammen eine orthodoxe „Schul" zu bilden, da die Altneusynagoge diesem Vedürfniffe gänzlich genügt. Um aber diese Synagoge orthodox zu erhalten, wäre es die heiligste Pflicht unseres Herrn Oberrabbiners, die Vorstände dieser drei Schulen dazu zu bewegen das Vermögen ihrer Schulen und den Erlös für die Bauplätze derselben der Altneuschul zu übergeben. Diese könnte ja auch die Verpflichtungen, sowie Jahrzeiten u. dgl. übernehmen und die Vereinigung mit den anderen Synagogen durch eine paffende Gedenktafel der Nachwelt überliefern. Sollte sich dann in Zukunft ein Bedürfniß nach einer neuen orthodoxen Synagoge kundgeben, so könnte ja mit diesem Gelde eine solche erbaut werden. Die Synagogenmitglieder wären um so leichter zu dieser Vereinigung zu haben, da sie meistens reformirt sind und in den reformirten Tempeln auch für sie noch Raum genug wäre. Aber auch nach einer andern Richtung muß Wandel geschaffen werden. Wir dürfen nicht länger zusehen, wie verödet die Altneuschul ist. Wir müssen uns vielmehr bemühen die Orthodoxen, die jetzt in mehreren Schulen, so haupsächlich in der Jerusalemschul und in der Moschelesschul zerstreut sind, zu veranlaffen wieder in die Altneusynagoge zu gehen. Würde dies alles geschehen, dann könnten wir hoffen, daß die Altneuschul innerlich und äußerlich gekräftigt.

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