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Der Israelit · 1897-12-30 · Heft 103 (30.12.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 103 (30.12.1897)
Date
1897-12-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1960 den Deutschland-, fei eS aus falsch verstandener Ehre deS IudenthumS, sei es aus einem auf die Feierlichkeit des jüdischen Gottesdienstes fälschlich angewandten ästhetischen Prinzip, die Orgel für die Synagoge fordern*) und diese Forderung mit dem Gewichte ihrer Stellung und ihres Verdienstes Nachdruck geben — diesen Männern möchte ich zurufen: Haltet ein! Euren gesetzestreuen Brüdern, deren Väter und Vorväter mit Euren Vätern und Vorvätern in schweren Zeiten vereint im selben Hause vor Gott gestanden und die noch bisher mit Euch in heiligen Stunden vereint sind, ihnen ist es nicht möglich, sich in einer Orgelsynagoge als betende Juden zu fühlen; das Religionsgefetz verbietet ihnen ein solches Beten und der altehrwürdige ms läßt es ihnen als das Gegentheil von dem erscheinen, was es sein soll. Euch mag das Orgelspiel wünschenswerth dünken, doch ist ja dasselbe Eurem Herzen kein Bedürfnis und Eurem Gewissen kein Gebot. Wolltet Ihr durch diesen im jüdischen Gotteshause fremden Gast Eure Brüder aus dem Hause ihres Vaters vertreiben, aus dem einheitlichen Verbände ihrer Gemeinde hinausdrängen lassen? Ist diese Musikmaschine es werth, daß Ihr durch sie die Gemeindeeintracht und eure eigene GewiffenSruhe stört? Es mögen eure Anschauungen von religiösem Gesetz und Brauch von der diesbezüglichen Anschauung eurer mehr rechts stehenden Brüder noch so sehr abweichen, darin seid Ihr doch gewiß mit ihnen einig, daß Ihr ein geachtetes Judenthum im großen deutschen Reiche wünschet. Ist e« nun die Orgel, die dem Judenthum diese Achtung verschaffen kann, ist'S die Orgelsynagoge, von der doch nur die Spaltung des eignen Lagers ausgeht? Mehr als je ist Einheit dem Judenthum nöthig und ruhige Arbeit an den großen Ausgaben innern Wirkens durch Erziehung und Bildung. Die Jugend muß an die Quellen ihres Väterglaubens und ihrer Bätergeschichte geführt werden, damit sich ihr Wissen vertiefe und ihr Selbstbewußtsein hebe. Die Orgelpfeifen vermögen es nicht mit ihren Tönen die Jugend an diese Quellen zu locken. Männer sind nöthig, die mit dem Ernst der innern Ueberzeugung und der Liebe zur heiligen Sache, selbst durchdrungen vom Geiste der Thora und Emuna und selbstaufopfernd, der Jugend voranschreiten. Dann werden unsere Jünglinge und Jungfrauen sich mit dem Geiste und der Sprache unserer Gebete vertraut machen und in ihrer nbon Bescheid wissen, dann kann ein Geschlecht erwachsen, dar den Jsraelgedanken zu seinem *) „Wer zweifelt aber, daß ein Gottesdienst nicht durch Instrumentalmusik feierlicher werde? Freilich Einer, der viele aufwiegt, der gewaltige Beherrscher der Instrumente, Meyerbeer selbst." (L. A. Frankl a. a. O.) Vgl. daselbst daS UrtheU deS größten Tondichters seiner Zeit, MeyerdeerS, daS die Orgel für die Synagoge verwirft. Lebensgehalte macht und von Israel mit Stolz zu seinen Geschlechtern gezählt wird. An Euch. Ihr Männer, die Ihr in Euren Gemeinden Einfluß besitzet, an Euer Rechtsgefühl und an Eure Liebe zum Frieden und zu Israel appellire ich, indem ich Euch zuruse: Bannet den laut werdenden Störenfried, die Orgelsrage, aus Eurer Mitte, aus Eurer Gemeinde „und die Wahrheit und den Frieden liebet! kjwti wik mtem. Aeitrrngsnachrichtkn und Eorrespondenzen. Deutschland. ** Berlin, 24. Dez. Durch die politischen Blätter geht folgende Notiz: Eine Auftheilung der jüdischen Gemeinde Berlin nach dem Parochialsystem befürwortete in seiner gestrigen Versammlung der Centralverein für die jüdischen Gemeinde-Jntereffen. Nach den Vorschlägen des Referenten, Rechtsanwalts Holz, soll die über 100 000 Seelen zählende jüdische Hauptgemeinde in etwa 20 Theilgemeinden zerlegt werden. Diese Theilgemeinden müßten, während die geschäftliche Verwaltung, sowie eine Reihe gemeinsamer Angelegenheiten der Hauptgemeinde verbleiben, selbst ihre Synagogen bauen bezw. erhalten, ihre Rabbiner besolden u. s. w., wofür sie dann das Recht hätten, den Kultus ihren Bedürfnissen entsprechend mehr orthodox oder liberal einzurichten. Durch eine solche Parochial-Eintheilung wäre erst die Möglichkeit einer wirklichen Seelsorge auch innerhalb des Judenthums gegeben und die Gelegenheit geboten, dem Aergerniß erregenden Wanderpredigen der Rabbiner ein Ende zu machen. Ueber die Gemeinde-Verfassung selbst gingen die Meinungen auseinander; während der Referent für unveränderte Beibehaltung der aus dem Jahre 1647 stammenden Gemeinde-Verfassung eintrat, sprachen sich die meisten Redner füreine wesentliche Erhöhung der Machtbefugnisse der Rabbiner namentlich für deren unbeschränktes Bestimmungsrecht in Kultusangelegenheiten aus. Frankfurt a. M. (Eine zionistische Makkabäerfeier.) Donnerstag Abend veranstaltete der hiesige Zionrsten-Verein eine Makkabäerfeier. Den Hauptpunkt des Programms bildete die Festrede des Herrn Prof. Schaviro, der aus Heidelberg hierher kam, um an der Feier Theil zu nehmen. Prof. Schapiro kam in seiner Rede, auf die von gegnerischer Seite erhobenen Anklagen, zu sprechen. Unter Anderem sagte er Folgendes: „Am gefährlichsten sind Anklagen, in denen ein Körnchen Wahrheit steckt. Es wird gegen den Zionismus geltend ge-

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