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Der Israelit · 1897-12-23 · Heft 101 (23.12.1897) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 101 (23.12.1897)
Date
1897-12-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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"TT 1938 geschoben, die Büchse an die Wange gerissen und im Augenblicke knallte ein Schuß, dem ein furchtbares Geheul folgte. Jetzt erst blickte das Weib hinter sich und bemerkte die fliehenden Schatten zweier Wölfe. Vor Schreck sank sie in die Kniee und konnte sich kaum mehr erheben. Nun sing auch das Kind an zu weinen und erhöhte die Gefahr noch mehr. „Vorwärts, vorwärts!" drängte Iwan, „wenn Ihnen Ihr und das Leben Ihres Kindes lieb ist. Die Bestien sind nur verscheucht; sie werden wiederkommen, wenn sie Hunger verspüren." Das arme Weib raffte alle ihre Kraft zusammen und strebte weiter. Sie ging jetzt neben Iwan, welcher sich alle Augenblick umdrehte, um zu sehen, ob die Wölfe nicht wieder in der Nähe wären. Die Angst gab dem armen Weib übernatürliche Kräfte, so daß sie gleichen Schritt mit Iwan halten konnte. Der Weg war sehr steil, so daß sie nicht rasch weiter kamen. Da erklang aus der Ferne das Geheul der Wölfe. Mehr als jede andere Aufmunterung wirkten diese Laute auf die Kraft der armen Frau und trieb sie an, zu eilen, die schützende Wohnung zu erreichen. Iwan sah, wie die Frau alle ihre Kräfte anspornte, um nicht zurück zu bleiben und indem er sie aufmerksam betrachtete, kam sie ihm bekannt vor. Aber er hatte nicht Zeit, nachzudenken, denn schon vernahm sein feines Ohr die Nähe der Bestien, bemerkte sein scharfes Auge die Lichter (Augen) der nahenden Wölfe. „Vorwärts, vorwärts!" rief er wieder und seine Begleiterin keuchte immer mehr. „Haben wir noch weit?" fragte sie nun, einen Augenblick stehenbleibend. „Nur weiter!" drängte er, „wären wir nur erst zu Hause!" Jetzt waren die Wölfe wieder ganz nahe. Iwan drehte sich um und wieder krachte ein Schuß, besten Echo von den Bergen tausendfach widerhallte. Diesesmal hatte Iwan gut getroffen, denn er sah, wie der Wolf im Feuer blieb. „Noch einmal so und wir sind von unseren Verfolgern befreit!" rief er aus und eilte rastlos weiter. Nun hatten sie auch den Kamm des Gebirges erklommen, der Weg wurde besser und in einer halben Stunde hoffte Iwan die Hütte, in welcher er wohnte, zu erreichen. Da fing es fürchterlich an zu schneien und zu stürmen. Das kleine Kind wimmerte nur noch und Iwan befürchtete, daß es erfrieren würde. Er machte die Mutter darauf aufmerksam, doch diese sagte: „Das ist gut eingewickelt und wenn wir bald Obdach erreichen, wird es ihm nichts schaden." Der Schnee und der Sturm hinderten sie sehr im Weilerschreiten. Der Weg schien gar kein Ende nehmen zu wollen. Der Schnee verwehte jede Spur, und jeder andere als Iwan hätte den Weg nicht wiedergefunden. Iwan hatte aber vorgesorgt. Alle drei bis vier Schritte fand er eines von seinen Merkzeichen und so konnte er rüstig darauf losschreiten. Endlich hatten sie die Hütte erreicht! Rasch hatte Iwan sie aufgeschloffen und sich und die arme Frau in Sicherheit gebracht. Beide sanken erschöpft nieder. Iwan erholte sich zuerst wieder. Er erhob sich, steckte Licht an und alsbald prasselte ein munteres Feuer in dem kleinen eisernen Ofen. Ec schmolz Schnee und erhielt davon genügend Wasser, um Thee für sich und seine Gäste zu brauen. Nun wollte er auch Brod und Käse zurecht stellen; da fiel ihm ein, daß ja heute der erste Ehanukkatag sei und sofort änderte er sein Menu. Für solche Abende hatte er sich für etwas Besseres gesorgt! Er öffnete die große Bücherkiste und entnahm dieser drei Eier und ein großes Stück Wurst. „Essen Sie gerne scharf oder weniger scharf gepfeffert?" fragte er Me Frau, indem er ihr die Wurst zeigte. „Ich danke Ihnen," sagte diese, „ich esse weder Eier noch Wurst. Ein Stückchen Brod genügt für mich." Sie hatte sich und ihr Kind der schützenden Umhüllungen erledigt, und da letzteres wieder anfing zu schreien, drehte sie Iwan den Rücken zu und gab ihrem Kinde zu trinken. „Ein schönes Abendbrod für eine stillende Frau!" spottete Iwan. „Sie werden Ihres Kindes halber es sich noch anders überlegen." Und er legte noch zwei Eier zu den dreien von vorhin. „Nein," entgegnete sie fest, „ich genieße nichts, als ein Stückchen trockenes Brod." „Wie Sie wollen," entgegnete er, indem er sich nicht weiter um sie kümmerte. Aber ehe er sich das Abendbrod bereitete, hatte er noch eine religiöse Pflicht zu erfüllen. Er betete leise das Abendgebet und als er fein Gebet beendet hatte, machte er sich fein Chanukka- Eisen zurecht, versah es mit einem Dochte, sowie mit Oel und fing an, die Benediktionen zu singen, welche dem Entzünden der Lichter vorangehen. Schon beim ersten Tone war das Weib er-

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