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Der Israelit · 1897-12-23 · Heft 101 (23.12.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 101 (23.12.1897)
Date
1897-12-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1929 Literarisches. S. Pfeifer. K-rlturgefchichiliche Bilder aus dem jüdischen Gemeindeledeu zn Reckendorf. Nach Aufzeichnungen zusammengestelll. Reckendorf, Selbstverlag. Aus den alten, vergilbten Aufzeichnungen eines ehemaligen Reckendorfer Gemeindevorstehers hat der Lehrer dieser früher bedeutenden, jetzt sehr zus.nuinengeschmolzenen unterfränkischen Gemeinde, Herr Pfeifer, reiches Material gesammelt, das er zu einigen scharf umrissenen Bildern aus dem olrjüdifchen Leben vereinigt. In zehn Kapiteln berichtet der Verfasser über die ersten Ansiedelungen von Juden in R., über das Wachsthum und die Abnahme der Gemeinde, über deren finanzielle und kulturell? Verwaltung, über das Familien- und Erwerbsleben ihrer Mitglieder, über das Vereinswesen, das Verhältniß zur politischen Gemeinde und zur „Herrschaft" u. a. m. Dabei erhalten wir gelegentlich nicht unintereffante Mittheilungen über halachische Entscheidungen der geistigen Führer des Gemeinswesens, deren praktische Anwendung der Chronist nach bestem Wissen und Können registrirt. Einen allzugroßen Gelehrten dürfen wir uns unter dem „Parnes Hirsch" nicht vorstellen, dafür sind seine Aufzeichnungrn zu reich an Fehlern in der Orthographie der heiligen Sprache und zu arm an Beweisen gründlichen Verstänvniffes der ausgezeichneten halachischen Stoffe. Diesem Umstande müffen wir wohl eine Reihe von Fehlern zuschreiben, die in der „wortgetreuen" Veröffentlichung der Memoiren uns begegnen; statt „Jome dehaksa" ftSeite 8b) ist wörtlich „Jome de pagra" zu lesen; i. I. 1813 (so auf Seite 41 zu lesen statt: 1812) hat man nicht die „Lesoneh" erst Nachmittag mekaddesch gewesen, weile Vormittag keine Sonne gesehen hat", sondern es handelt stch um Kiddusch hachammah. In richtiger Würdigung des Umstandes, daß derartige Mittheilungen aus längftverfloffener Zeit am besten in ihrer ganzen Unmittelbarkeit auf uns wirken, hat es der Herausgeber vermieden, den Vorgefundenen Aufzeichnungen eigene Betrachtungen hinzuzufügen, will es vielmehr dem Leser überlasten, sich selbst das Unheil zu bilden. Einmal ist er diesem Prinzips nicht ganz treu geblieben und zwar, wie wir glauben, gerade an einem Unrechten Orte, bei der Darstellung des Verhältniffes zwischen Vorsteher und „Morreh horaah." Hier dürfte es für uns überhaupt kaum mehr möglich fein, ein abschließendes Urtheil zu fällen, da uns nur eine ’ einseitige Darstellung vorliegt; allein, wenn man bedenkt, daß man in der damaligen Reckendorfer Gemeinde sicherlich keinen Unwürdigen mit dem Amte eines Moreh bekleidet haben wird und wenn man ferner berücksichtigt, wie bis in die heutige Zeit die oft sprichwörtlich gewordene Anmaßung und Selbftschätzung der Landgemeinde- Vorsteher meist im umgekehrten Verhältnisie zu ihren Kenntniffen und zur Bedeutung der Gemeinde stano und steht, so wird man wohl nicht sehlgehen, wenn man oermuthet, daß an dem Mißverhällniß der „Parnes" soviel, wenn nicht mehr, Schuld trug wie sein gelehrter Gegner. Der Herausgeber hätte also hier besser gethan, sich der versprochenen Objektivität zu befleißigen und oas Urtheil dem denkenden Leser zu überlassen. Dieser wird auch sonst in dem Buche vieles Interessante sindcn, hat ja der Schreiber der Memoiren ein genaues Bild von dem peinlich gewissenhaften, geschäftlichen Thun und Treiben jener Zeit entworfen und liefert er uni z. B. neben dem Bericht über dastets loyrle Verhallen der Juden gegenüber der nickt immer wohlwollenden und gerechten Schutzherrschaft auch den Beweis für die rege Antheilnahme an den Vorgängen auf dem Welltheater, indem er mit staunenswerther Genauigkeit die kriegsgeschichtlichen Ereignisse der vergangenen Jahrhundertwende erzählt. — Manche Ungenauigkeit dürfte stch leicht beseitigen, manche Unverständliche sich leicht erklären lassen, wenn der Leser sich das in deutscher Uebertragung Vorliegende ins Jüdisch-Deutsche zurückübersetzt. So z. B. dürfen wir, wenn uns (Ste. 68) erzählt wird, daß i. I. 1803 einige Männer von Bamberg „auf Rad" gingen, nicht etwa an Velocipedisten denken, müssen „Rad" als entstanden aus -n (Abkürzung von rpKupm) erkennen und auf diese einfache Weise den scheinbaren Anachronismus verstehen. — Andere Kleinigkeiten wird stch der aufmerksame Leser selbst verbessern können, dem insbesondere, wenn er sich für jüdische Kulturgeschichte interesfirt, dar Buch nur empfohlen werden kann. B. Zeitungsnachrichten und Eorrefponvenzerr. Deutschland. ** Berlin (Der Deutsche Unterrichtsminister über Moses Mendelssohn.) Es ist ein interessanter Zufall, daß wenige Tage, nachdem der Deutsche Kaiser sich in so sympatischer Weise über „Nathan der Weise" geäußert, zu welchem Moses Mendelssohn das Vorbild gewesen, der Deutsche Unterricht-minister Dr. Bosse des jüdischen Philosophen selbst in ehrender Weise gedachte. In der geradezu sensationellen Tischrede, die Dr. Bosse bei dem Frenzel-Banket hielt, sprach er auch von der segensoollen Bedeutung „der freienvon der staatlichen Organisation unabhängigen Geistesarbeit" und oa nannte er neben Lessing und Nikolai den Namen Moses Mendelssohn'», der edlen jüdischen Philosophen, von

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