Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 101 (23.12.1897)
- Date
- 1897-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448800--45120-2494249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1923 bei dieser Gelegenheit der deutsche König sein Einschreiten zu Gunsten der Juden entschuldigt. Es geschehe nicht, um die Juden wiederrechtlich zu schützen, sondern nur darum, damit die königliche Kammer in ihren Freiheiten und Einkünften nicht geschwächt werde. Am bekanntesten in der jüdischen Geschichte und Literatur ist derjenige deutsche Famrlrenzweig geworden, der in Frank-urt a. M. Wurzeln schlug. In den ersten Dezennien des 16. Jahrhunderts, wirkte in Frankfurt als Vorbeter Naphatali Hirz b. Elieser Treves, der Verfasser des bekannten kabbalistischen Gebetbuchkommentars. Mit Recht stellte ihn die Kabbala in die Reihe ihrer angesehensten Vertreter, da er das ganze Gebiet der kabbalistischen Literatur beherrschte und für ihre Lehren ein treuer, genauer und erfolgreicher Ueberlieferer wurde- Das Gebetbuch mit den Erklärungen des R- Hirz Treves erfreute sich eines großen Ansehens und wurde kurzweg der Kabbala Siddur genannt- Auch einige kleinere Schriften, exotischen und halachischen Inhalts, verdanken wir dem Frankfurter Vorbeter. Sein Superkommentar zu Naschi befindet sich, noch ungedruckt, handschriftlich, in der Oppenheimerschen Sammlung zu Oxford. Der Gebetbuchkommentar wurde von R. Hirz' Söhnen, Joseph und Elieser, in Thiengen 1560 zum Drucke befördert. Die kleineren Schriften des Vaters hat Joseph gleichfalls drucken lassen und mit einem Vorworte und Glossen versehen. Bedeutender als Joseph war sein Bruder Elieser, der früher in Krakau lebte, wo er mit R. Moses Jsserles Umgang hatte, später aber zwischen 1542 und 1550 zum Rabbiner in Frankfurt gewählt wurde und diesen Rabbinersitz 22 Jahre in hohem Ansehen zierte. Als 1560 der Rabbiner in Venedig aufgesordert wurde, über einen in Prag ausgefertigten Scheidebrief seine Meinung zu äußern, sprach er sich dafür aus, daß man die Angelegenheit in die Hand dreier Rabbiner in Deutschland legen sollte, als deren ersten er den gelehrten Rabbiner in Frankfurt a. M., R. Elieser Treves, nannte. Infolge der Streitigkeiten, welche bei den Wahlen der Prager Vorsteher sich zu wiederholen pflegten, bildete Kaiser Ferdinand 1558 eine Kommission, die eine Wahlordnung ausarbeitete. Mitglieder der Kommission waren R. Meier Katzenellenbogcn in Padua, R. Jakob in Worms und R. Elieser Treves in Frankfurt. Noch mehr zeugt für die große Gelehrsamkeit Eliesers, die ihm von R. Moses Jsserles zu Theil gewordene Würdigung, in dem er den Frankfurter Rabbiner nennt „Den Gaon, der würdig wäre, daß die ganze Lehre durch ihn entschieden würde", und von dem Rabbinate sagt: „Die Rabbinen Frankfurts sind in meinen Augen so angesehen, wie die Weisen Jabnes." Zu eigener literarischer Thätigkeit mochte Elieser Treves kerne Zeit finden. Sein Hauptverdienst liegt in der Leitung der Frankfurter Gemeinde, deren alten Ruhm er vermehrte, und in der Pflege und Verbreitung des Talmudstudiums. Zu seinen Schülern gehörte der bekannte Chronist David Gans. (F. f.) Dr. Stern—Kiel. ** München, 23. Dez. Im Sezirsaale des hiesigen pathologischen Institutes spielte sich kürzlich zwischen zwei z. Z. im Staatsexamen siebenden Studierenden eine Scene ab, die ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Nach vorausgegangenem Fixiren soll nämlich der Eine seinem Collegen israelitischer Confesston den Rauch seiner Cigarette mehrmals ostentativ in's Gesicht geblasen haben. Nach dem Colleg kam es zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der provozirende Theil dem anderen erklärte: „Wenn Sie Jude sind, muß ich Ihnen erklären, daß Sie in meinen Augen satisfaktionsunfähig sind, unter den obwaltenden Umständen aber bin ich genöthigt, Ihnen meine Adresse zu geben." Der Angegriffene schickte nun dem Collegen keine Forderung, sondern ging gegen ihn auf dem Privatklagewege vor. Der Beklagte wollte nach seiner Erklärung nicht beleidigen (!), sondern nur seiner politischen Gesinnung Ausdruck geben. Dem AuSgang der Civilklage darf man wohl mit Spannung entgegensetzen. ** Aus Unter trauten, 23. Dez. Am Kgl. Gymnasium zu Münnerstadt, woselbst keine Israeliten wohnen, das aber von sieben israelitischen Schülern aus der Umgegend besucht wird, hat das Kgl. Staatsminifterium auf Antrag des Herrn Districts-Rabbiners Nürnberger zu Kissingen israelitischen Religionsunterricht eingeführt und die Er theilung desselben, da der Herr Rabbiner dieselbe nicht übernehmen konnte, dem Religionslehrer Bergenthal in Neustadt a. S., das mit Münnerstadt Bahnverbindung hat, übertragen. Für diese Fürsorge, daß auch den wenigen israelitischen Schülern der Religionsunterricht nicht mangle, der nunmehr auf Staatskosten ertheilt wird, sei der höchsten Stelle der wärmste Dank ausgesprochen. Stratzburg i. E In der soeben erschienenen Nr. 100 des „Israelit" warnt Herr Oberrabbincr Schreiber aus Erlau vor dem Genüsse von Chocolade, da diese in Oesterreich Beimischungen von animalischen Fetten enthalte. Die verehrliche Redaclion bemerkt hierzu: „Bei uns in Deutschland sind die besseren Fabrikate angesehener Firmen vollständig frei von zum Genüsse verbotener Substanzen." Ich fühle mich auf Grund von genauer Sachkenntniß verpflichtet, dieser Annahme entschieden entgegen zu treten. In denjenigen Fabriken, in welchen zur Herstellung der geringwerthigen Chocoladen und