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Der Israelit · 1897-12-23 · Heft 101 (23.12.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 101 (23.12.1897)
Date
1897-12-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1922 thek zu Parma bewahrt erneu Pentateuch auf, den Abraham Treves, ein Enkel des Oberrabbiners Jochanan, 1482 kopirte; ebenso befindet sich dort ein Werk, Bemerkungen zum Mordechai enthaltend, das Iechiel b. Joseph Treves 1509 abschrieb. Bedeutender als die Genannten ist Jochanan b. Joseph Treves, dem wir den Commentar zum italienischen Machsor (Bologna 1540) verdanken. Er war Eorrektor in Venedig und hat sich durch die Edition der Werke Schcßltot, Mechilta, Sifra und Sifre verdient gemacht. Sein Sohn Raphael Treves setzte das gelehrte Handwerk des Vaters als Corr<ktor in der Fcafchen Druckerei in Sabionetta fort und wirkte später als angesehener Rabbiner in Ferrara. Raphael, wie sein Vater rühmten sich ihres Familienadels, „der weisen, französischen Treves, die nach der Ueberlieferung von Raschi abstammten." Möglich, daß man bereits damals über den Namen Treves im Unklaren war und ihn daher mit Troyes in Zusammenhang brachte, möglich aber auch, daß Geschichte und Familientradition sich decken und in Wirklichkeit Nachkommen RaschiS während des 13. Jahrhunderts in Trier ansässig waren. Ein Zeitgenosse von Raphael Treves war der Rabbiner Joseph b. Matthalia Treves in Saviglianv . Noch ein dritter Treves stellte sich in den Dienst der schwarzen Kunst : Jsak b. Gerson Treves, der Eorrektor der vierten Rabbinischen Bibel (Venedig 1568). Er war auch selbstständig schriftstellerisch thätig. Die Lagunenstadt blieb überhaupt der hauptsächlichste Wohnsitz der italienischen Treves. Dort veranlaßte Jakob Treves den Nrzt David de Pomis zur Herausgabe seines hebräischen Lexikons (1587.) In der venezianischen Rabbinerkommission, welche den sabbatianischen Wanderpropheten Nathan von Gaza in Verhör nahm (IMS), saß Mose 6. Jakob Treves. Von Venedig aus verzweigte sich die Familie in die norditaliemschen Städte. Zu den auserlesenen Jüngern des Kabbalisten und Dichters Mose Ehajim Luzzatto in Padua (gest. 1747) gehörte Israel Treves, nachher Vorbeter in der italienischen Synagoge daselbst und Beisitzer des dortigen Rabbiners Jakob Chasak. Noch im 10. Jahrhundert haben die Treves in dem Triester Rabbiner Sabbatai Graziadio (gest. 1856) einen würdigen Vertreter gestellt. In Venedig aber haben sie ihrem alten Geschlechtsadel durch drn Barvntitel ein neues glänzendes Gepräge verliehen. In die Türkei hat die Familie von Italien nur einen Sproß von Bedeutung entsandt: Abraham. b. Salomo Treves, den Verfasser des Ritualwerkes V7N2N nrc (Venedig 1552.) Er war in mehreren Städten der Türkei Rabbiner portugiesischer Gemeinden, infolge dessen er in seinem Werke besonders aus den sephardischen Ritus Rücksicht nahm. Joseph Karo, der Verfasser des Schulchan Aruch, mit dem Abraham Treves in wissenschaftlicher Correspondenz stand, spricht von ihm mit großer Achtung und nimmt seine Widerlegungen gerne an, weil Alter und Weisheit bei ihm vereint seien. Auch bei den Rabbinen Deutschlands stand unser TceveS, „Ha-Zarfati" der Franzose genannt, in hohem Ansehen. Von dort aus wandte man sich an ihn mit der Frage, wie bei Scheidebriesen betreffs des Namens Akiba zu verfahren fei, da dieser Name bald mit He, bald mit Aleph geschrieben werde. Er entschied, daß in diesem Falle zwei Scheidebriefe auszustellen seien. Besonders kostbar war seine Bibliothek. Ein Erbstück seiner Familie war eine Handschrift des Alfasi, die Glossen von ihm und seinen Vorfahren enthielt. Auch als Arzt scheint er thätig gewesen zu sein. In einem Schreiben an Joseph Karo entschuldigte er die Kürze des Briefes damit, daß bald der Sabbat beginne und er noch vorher „mit der Heilung eines Kranken sich beschäftigen" müsse. In die alte Heimath Deutschland sind die Treves schon bald nach der französischen Judenvertreibung von Italien aus zurückgekehrt. Am Bodensee und im Elsaß machten sie sich zuerst heimisch, also in Gegenden, in denen auch heute noch die Familie Dreyfuö am zahlreichsten vertreten ist. In Konstanz starb nicht viel später, als sein Vater (1420): Joseph Treves, der Sohn des nach Italien ausqewandertsn Oberrabbiners Jochanan. Ein Sohn wiederum dieses Joseph, also ein Enkel des Oberrabbiners, ist Samuel Treves, der Rabbiner einer elsässischen Gemeinde war und dort zu den angesehensten Männern des Landes gehörte. Mit dem Konstanzer Josiph Treves verwandt, möglicher Weise gleichfalls seine Söhne, sind Gabriel „Trrvieß" und Mänli „Trevicß". Die beiden letzteren zeigen auch in ihrem Schicksal eine Verwandtschaft mit ihrem heutigen Nachkommen Alfred. Mit sieben andern Konstanzer Juden und deren Familien wurden sie 1443 unter der Anklage des Ritualmordes ins Gefängniß geworfen und erst nach fünfjähriger Haft am 2. April 1448 freigelasien. Rach dem Eindruck, den man aus den von Löwenstein milgelheilten Akten gewinnt, müssen sie für unschuldig befunden worden sein. Wenn sie dennoch so lange im Kerker schmachteten, so liegt dies daran, weil sich die Stadt und der König Friedrich III. wegen des mit Beschlag belegten jüdischen Vermögens nicht einigen konnten! Gleich nach Beginn der Gefangenschaft hatte sich Friedrich feiner „Kammerknechte" angenommen, ihre Freilassung verlangt und befohlen, daß ihr Vermögen für den König in Verwahrung genommen werde. Charakteristisch ist, wie

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