Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 101 (23.12.1897)
- Date
- 1897-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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'•‘äpr -*v ‘-'T 1921 würde die Kirche mit dieser Uebernahme nicht ein Jahrtausend lang gewartet haben. Wahr ist, daß das Orgelspiel, von Anfang an dem christlichen Kultus eng angepaßt, zu einer diesem Kultus eigenthümlichen Institution geworden ist, und es ist natürlich, daß wir beim Ertönen des Orgelspiels nicht an Mikdasch und Leviten, sondern an Wallfahrts- und Marienlieder erinnert werden. Gegen solche Institutionen und Eindrücke im jüdischen Kultus wendet sich aber das biblische Gebot : i3*»n vb arwpiroi „Ihr sollt in ihren Satzungen nicht wandeln!" (III. V. M., 18, 3.) Und wenn es auch wahr wäre, daß ein der Orgel ähnliches, unter .twe' zu begreifendes Instrument tNL'iM im Tempel zu Jerusalem gespielt wurde*), so würde dieser Umstand die Einführung der Orgel im jüdischen Gottesdienst keineswegs der Kategorie rrniprci entziehen, nachdem ohne Zweifel dieses Instrument einen spezifisch gottesdienstlichen Charakter nichtjüdischen Bekenntnisses erhalten hat.**) Ja, selbst Dinge, die an sich in viel geringerem Maße als die Orgel den spezifischen Charakter eines dem Judenthum fremden Kultus tragen, find kraft dieses Gebotes w’mpnm. bem Juden streng untersagt. So statuirt Maimonides die folgende Halacha: „Wer neben dem Altar, oder irgendwo in der Asara einen Baum pstanzt. und wenn er dies auch zum Schmucke und zur Verherrlichung des Tempels thäte, der verfällt der Geißelftrafe, denn es heißt: Du sollst nicht pflanzen eine Aschera, irgend einen Baum neben dem Altar des Ewigen, deines Gottes. Das war nämlich bei den Sternanbetern Gebrauch. Diese pflanzten Bäume an der Seite ihres Altars, damit das Volk sich dort versammele."^') Also, wenn den Söhnen des fremden Bekenntnisses der Baum neben dem Altäre gar nicht Gegenstand der Anbetung, auch nicht im geringsten Zubehör einer gottesdienstlichen Handlung war, sondern nur zur Bezeichnung des Sammelpunktes oder zur Beschattung der Versammelten diente, auch dann verbietet dir die Thora neben dem Altar deines Gottes einen Baum zu pflanzen; und wenn du dabei nur die Absicht hättest, das Haus deines Gottes zu schmücken, du darfst es nicht, es ist fremder Brauch — w.i jpn Gott, dein Gott verbietet es dtr. Und die Orgel, diese Haupträgerin der in Ton und Wort sich äußernden Anbetung eines nicht jüdischen Bekenntnisses, dieses Instrument, aus welches die Söhne und Töchter dieses nicht jüdischen Bekenntnisses „das Werk der menschlichen Herzen, Zungen *j Vgl. 3": pnruD ,n"’ r‘y und 'am daselbst. **) Vgl. 6 iroy 'na i"s D"3pn; d’ddi^ 's nso und Hirsck's Pentateuch, 3. B. M, 18, 8. 5) a"n d"dv 'na rs d"3di. und Lippen übertragen" *) — dieses sollte im jüdischen Gotteshause eine Stätte finden dürfen? Das Orgelspiel mit seiner Wirkung auf das Gemüth ist sicherlich ein viel wesentlicherer Bestandtheil des kirchlichen Kultus, als das Glockengeläute aus dem Kirchthurm, das ja auch nur, wie jener „Baum neben dem Altäre," den sich versammelnden Gläubigen zum Zeichen dient. Ja, nach der Auffassung eines sehr bedeutenden christl. Theologen der Gegenwart, die das Dekanatsprogramm der Universität Leipzig sich zu eigen gemacht, „liegt die Frage wohl nahe, ob nicht vielleicht zuerst an die Stelle der Glocken als Begleiter des Gesanges die wechselnden Töne der in der Kirche aufgestellten Orgel in gleicher Weise getreten sind?"**) Und doch wird es wohl auch dem kühnsten jüdischen Reformer in Deutschland nicht etnfallen, aus dem Synagogenthurm Glocken anbringen zu wollen. Da lobe ich mir dar Votum eines ehrenwerthcu Mitgliedes einer großen jüdischen Gemeinde in Deutschland, in der vor kurzem über die Einführung der Orgel in der neuerbauten Synagoge berathen wurde. Der Mann sagte: ich stimme für die Orgel, doch unter der Bedingung, daß gleichzeitig die %lürme des Tempels mit Glocken versehen werden; emweder Synagoge oder Kirche, nur kein Concertsaal! — Hierin, das muß man sagen, liegt wenigstens Konsequenz. (Fortsetzung folgt.) HcttitngSnachrtch terr urrv Eorrespott-ettze«. Deutschland. Mainz, 19. Dez. (Familie Dreyfuß.*) Der mit seinen Glaubensgenossen aus Frankreich verbannte Oberrabbiner hat den Rainen TreveS nach Italien verpflanzt, wo sich die Familie bis auf den heutigen Tag in Achtung und Ehren erhielt. Aus den zahlreichen Familienverzweigungen feien hier nur einige der wissenschaftlich gebildeten Namensträger hervorgehoben: In Pa? na bekleidete 14V8 das Rabbinat Joseph Treves, der mit dem Rabbiner Joseph Kolon in gelehrtem Briefwechsel stand. Ein Schwiegersohn Kolons mar Gerion Treves, der das Responsenwerk seines Schwiegervaters ordnete und für die Nachwelt erhielt. Die Derossiana-Abtheitung in der Kgl. Biblio- *) Vgl. Szurgeon, alttest. Bilder II. S. 204, angeführt von Rietschel, Aufgabe der Orgel, S. 2. **) Vgl. Georg Rietschel, die Aufgabe der Orgel u. s. w. . uls Dekanatsprogramm der Umv^sität Leipzig (1892) S. 7. Und dessen diesbezüglichen Rachckeis" aus der Wernigeroder Urkunde'. :.bic oom „Lauten der Orgel" redet (Wertst« Urkundenbuch sä. Jakobs 1891 Nr. 85). ' '*) Fortsetzung aus Nr. 98.-' n'r--\ " -