Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 100 (20.12.1897)
- Date
- 1897-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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div'Lduum jüdischen Ursprungs ist es verboten, einer öffentlichen Verwaltung anzugehören. Artikel 2. Jeder von fremden Eltern geborene Franzose kann erst in der zweiten Generation zu einem unter der Kontrolle des Staates stehenden Amte zugelaffen werden. Obwohl dieser Gesetzentwurf keinerlei Aussicht hat, im Parlamente durchzudringen, wollen wir als Kuriosum des Motivenberichts erwähnen, mit dem Herr Beauregard seinen Antrag ein leitet, dem er den Charakter „eines nationalen Jntereffes und sozialer Sicherheit" beimißt. „Seit 27 Jahren haben die Juden in Frankreich dermaßen gehaust, daß dieses vor dem Ende des 20. Jahrhunderts von der Karte verschwinden wird, wenn man nicht ehestens Vorsorge trifft, wie man aus den Versuchen, die Revision des Dreyfus-Prozesses herbeizusühren, ersehen kann. Ganz Frankreich ist heute in den Händen der Juden, die sich nunmehr auch der Armee bemächtigen wollen." Auch für den Panamaschwindel, der doch von de Leffeps und den Spitzen der bonopartistischen Partei geleitet wurde, macht de Beauregard die Juden verantwortlich, die davon träumen, aus Frankreich ein zweites Polen zu machen. Selbst die „Libre Parole" gesteht melancholisch, daß der Gesetzentwurf von der Kammermehrheit nicht angenommen werden dürste. Aber so ein bischen Fremden« und Judenhetze ist von Zeit zu Zeit nicht übel. Italien. ** Rom, 14. Dez. Das hochosfiziose Organ des Vatikans, der „Offervatore Romano", worin nichts veröffentlicht wird, was nicht der Zustimmung der höchsten kirchlichen Kreise sicher ist, hält den Augenblick für günstig, den Haß gegen das Judenthum zu schüren. Der Artikel ist überschrieben „die Judenrasse" und sucht nachzuweisen, daß das gegenwärtige Wiederaufflammen der Leidenschaften gegen die Juden in Frankreich, Böhmen, Rumänien und anderswo wie vor Zeiten die Verfolgungen der Juden, Hugenotten, Albigenser (aber bei Leibe nicht die Aufhebung der weltlichen Papstherrschast, die Ausweisung der Jesuiten oder die Reformation) dem Willen der Vorsehung entspreche. Der Artikelschreiber weiß ganz genau, daß die Juden jetzt die gerechte Strafe dafür leiden, daß sie sich an dem Kriege gegen bett Katholizismus, an der Aufhebung der Klöster, der Beraubung der Kirche betheiligt und Kirchengüter an sich ge« bracht haben. Wit beneidenswerther Skrupellosigkeit gegenüber der geschichtlichen Wahrheit behauptet das vatikanische Blatt: „Die Beraubung der Kirche, der Geistlichkeit und der Katholiken, ihres heiligen und unverletzlichen Ergenthums ist vornehmlich vom Judenthum ausgegangen und begünstigt worden" (vielleicht waren die Reformatoren und die Fürsten der Reformationszeit Juden, oder Viktor Emanuel, Cavour und Garibaldi waren heimlich Synagogengenoffen!) „und der größte Theil des Raubes befindet sich heute in Judenhänden", so daß es nur gestohlenes Kirchengut sei, das die Pöbelmaffen heute „jenem gottesmörderischen Volke abnehmen, das die erlöste Menschheit der himmlischen Güter nicht berauben kann und aus Rache dafür ihr die irdischen zu rauben strebt". Die Kirche und die Geistlichkeit ist an der Aufregung der Pöbelleidenschaften gegen die Juden nicht schuld (Beweis: ein würdevoller Zeitungsartikel wie der vorliegende!). „Es ist nur die Gerechtigkeit Gottes, die sich offenbart und an den Räubern der Christenheit und Plünderern der Menschheit vollzogen wird. Man hat den Juden zu viel bürgerliche und gesellschaftliche Freiheit gegeben, die sie nicht verdienen, weil sie sie nicht zu brauchen wissen. Sie haben sie nur verwendet, um das Reich Gottes auf Erden zu zerstören, und der Kirche das Leben zu rauben, das sie in ihrem Stifter zu ertödten wähnten. Eine Raffe, auf der Gottes Fluch liegt, kann von den Menschen nicht gesegnet werde». Sie ist verdammt, rast- und friedlos über die Erde zu schweifen; aber sie trachtet, die ganze Erde zu besitzen und zu beherrschen! Ihr wahnwitziger Traum scheint erfüllt, denn alles ist in den Händen von Juden. Aber dies ist das sicherste Anzeichen für die Nähe des Strafgerichts. Die Geschichte verzeichnet schreckliche Fälle exemplarischer Bestrafungen, die Gottes Gerechtigkeit — ohne daß bis heute die unmittelbaren Ursachen enthüllt wären — an den Tempelherren, den Albigensern und den Hugenotten auf dem kirchlich-gesellschaftlichen Gebiete, an den Janitscharen und Mamelucken auf staatlichem und militärischem Gebiete vollzogen hat . . . Die Hugenotten wollten Frankreich von seinern Väterglauben losreißen; das Volk, unbewußter Vollstrecker des göttlichen Urtheils, riß sie von Frankreich und der Weit los. Mögen also die Juden Acht geben und sich vorsehen! Die Angriffe, deren Ziel sie sind, sind nur Vorläufer, die auf das Geschick Hinweisen, das sie erwartet, wenn sie nicht von dem Vorhaben ablaffen, an dem mystischen Leibe der Kirche den Gottesmord zu begehen, den sie am Leibe des Begründers unserer Religion begangen haben." Vielleicht finden sich unter der Prager Geistlichkeit die ergebenen Diener des Wortes, welche die Ansichten und Aufforderungen des vornehmen vatikanischen Blattes in verständliche tschechische und Pöbelmundart übersetzen. Herr Kanonikus Professor Dr. Rohling, der bekannte Blutlügner, braucht das nicht zweimal zu lesen!