Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 100 (20.12.1897)
- Date
- 1897-12-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Israel ausgesandt, hat er es geheiligt und geweiht mit dem Blüthenkranz seiner erhabenen Gebote. Es sollte seine Lenden umgürten und aufstehen in seiner Macht und in seiner Hoheit, um durch seinen gottgeheiligten Wandel zu reden vor den Ohren der Völker, zu zeugen von Gott und für Gott! Und dieses Israel, man hat ihm den lebendigen Weckruf des göttlichen Gesetzes zerstört und entrissen, man hat es in tiefen Schlaf versenkt. Hört es etwa? Hört es die Gottesstimme, die sonst als lebendiger Nachhall des Sinaiklanges in ihm tönte und es hinsührte an die Altäre zu lauterstem Dienste? Sieht es etwa? Sieht es die deutlichen Feuerzeichen, die da künden den Grimm des Herrn, die flammenden Schreckensmale der Befehdung und Verfolgung, die Warnzeichen Gottes? Liegt nicht Nacht auf seinem Auge, die Nacht des Erdensinnes und der Geldgier, des Abfalls und der Untreue? Lagern nicht düstere Schatten um sein Gemüth, die Schatten des bösen Grübelns und Zweifels? Ja, führwahr, Israel schläft! ES vernimmt den Ruf seiner Feinde, die seine Ehre schmähen und schänden, ihm seines Lebens Sicherheit, seiner Lehre Bestand zu rauben suchen, Israel sieht, wie vor seinen Augen seine heiligsten Satzungen zertreten, wie Volk und König und Berather und Minister aufgestachelt werden — aber das ist ihm alles wie ein Traumbild, das ohne Wirkung und ohne Nachhall durch seine Seele zieht, nach wie vor umfängt die Nacht sein Auge, sein Gemüth — Israel schläft! Da nahet ihm Chanukka, der himmlische Bote; durch die Nacht, in der es umfangen liegt, fällt auf fein Auge ein schimmernder Lichtstrahl, acht kleine Flämmchen glühen auf und ihr goldiger Schein schwebt prangend umher vor dem unbeweglich Liegenden. Und Chanukka hebt an mit der Frage: nr« nv „Was stehest du?" Und Israel sieht die Lichtlein, sieht sie brennen und glühen — wie schimmerndes Traumbild! Staunen und stumme Verwunderung erfaßt da die Seele des Schlummernden und seine Lippen lallen die traumbefangene Frage: »j-ik rb na „War bedeuten diese, mein Herr? Diese Lichtlein, was wollen sie bei mir? Ich habe andere Sorgen, i ch muß mir Geld und Gut erwerben; so machen e» ja alle, die Meisten wenigstens und dann muß es doch gut fein und recht'. Aber diese Lichtlem, fördern sie unser Glück, bringen sie uns Ehren und Ansehen? Diese Lichtlein, was bedeuten ste?" Nun ist das Staunen auf der Seite des Gottesboten: ns wrp sbi nbn nan „Weißr Du nicht", fragte er voll höchster Verwunderung, „was diese Lichtlein bedeuten? Du weißt das nicht? Du, das Volk des Herrn, das Gott sich erwählt hat aus allen Völkern, Du, sein erstgeborener Sohn, dem Er daschönste Erbe zuertheilt, D u, sein Liebling, den Er zwar zurechtgewiesen mit strenger Hand, den Er aber führte und leitete, durch alle Angst und Noth und Gefahr, D u, Wurm Jakob, dem Gottes Liebe und Erbarmen galt, als Du zertreten am Erdboden Dich krümmen mußtest,Israel, an dem sich stark erwiesen des Herrn Arm und Wort, Du weißt nicht, was diese Lichtlein bedeuten?" iök», da kommt das entsetzlich beschämende Bekenntnife zitternd über Israels Lippen: vis sb „Nein, mein Herr!" Ja, Israel weiß es nicht, was das Chanukkalichtlein predigt und seine Führer — crntm ine» — wissen es noch viel weniger! Wie könnten sie sonst auf die Anzahl ihrer Gefolgschaft pochen, um die Wahrheit ihrer Anschauung zu beweisen, wie könnten sie sonst in der Mehrheit ihrer Anhänger eine Gewähr für die Kraft ihrer Meinung sehen — wo doch Chanukka mit seiner glanzvollen Geschichte in deutlichen Bildern die ewig unvergängliche Lehre predigt: N22 vb\ ‘»to xb „Nicht die große Anzahl und nicht die äußere Kraft ist dasjenige, was den Ausschlag gibt auf der Wage des Allgerechten, rrm bk '2, sondern die tiefe Macht echter Begeisterung ists, die in den Herzen der Streiter lodert!" Und diese echte Begeisterung — ich bestreite es — daß sie im Innern jener Gefolgschaft das treibende Moment ausmacht, daß jene Mehrheit, auf die man sich so stolz beruft, der Religion und ihren Anforderungen Opfer irgend welcher Art zu bringen bereit ist, wo doch Aufopferungsfreudigkeil zu allen Zeiten die erhabendsten Manifestation wahrer Begeisterung gewesen ist. Wer sind sie denn, die Vetreter jener Wahrheit? Es sind Geschäftsleute, die im günstigsten Falle der Aufforderung ihres freifinnigen Rabbiners Folge leisten, doch wenigstens am Sabbat zu seiner Predigt das Gotteshaus zu besuchen. Was schadets auch, da er ihnen ja stillschweigend oder wohl auch ausdrücklich bei der Schwierigkeit des Erwerbs den geschäftlichen Betrieb am Sabbat zu führen erlaubt? Es sind Männer, die vielleicht im eigenen Elternhause einen opferfreudigen, gottessürchtigen Lebenswandel vor Augen sahen, aber später dem „Zuge der Zeit" folgend ein Stück ihres religiösen Erbes nach dem anderen von sich warfen, weil es ihnen lästig war, weil es sie hinderte in der freien, ungehemmten Entfaltung ihrer persönlichen Neigungen und Bestrebungen. ES sind Gelehrte, die den schwankenden „Ergebnissen" der Wissenschaft den Vorrang einräumen vor dem ewigen Wort Gottes, das sich bewährt hat zu allen Zeiten und die Seele eines Jeden labt und erfrischt, der sich ihm aufrichtig zuwendet, es sind junge Männer, die im Strudel der Vergnügungen ihre Erholung suchen und sich freuen, wenn ihnen eine laxere Auffassung des strengen Gesetzes den Weg dazu erleichtert; es find Reiche, die nach dem Grundsatz ow to rm bnn ns b ntpy n» „Meine Kraft und meiner