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Der Israelit · 1897-12-16 · Heft 99 (16.12.1897) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 99 (16.12.1897)
Date
1897-12-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1897 Einjähriges bestehen wird, — wenn wir mitansehen, wie sich eine unbeschreibliche Gleichgiltigkeit und Lauheit in Fragen der religiösen Krndererziehung in unserer Religionsgemeinschaft breit machen, so kann man nicht umhin, ohne der vielen Faktoren zu vergessen, die diese Mißstände herbeigeführt und begünstigt haben und denen ja entschieden die Hauptschuld an diesem traurigen Zustande zur Last fällt, — doch auch zu einem kleinen Theile die Religions schule selbst, den Religionsunterricht, den Religionslehrer hierfür verantwortlich zu machen. Bekanntlich ist es ja erste Pflicht des Erziehers, mangelhaften Erfolg seines Erziehungswerkes vor allem zunächst sich selbst zuzuschreiben. Wer die Geschichte der Methodik der verschiedensten Wissenszweige stetig so verfolgt, wie es das Amt des Volksschullehrers mit sich bringt, wer da weiß, wie die Methodik aller Disziplinen in fortwährendem Ausbau begriffen ist, welch herrliche Resultate auf dem Gebiete der Methodik der Realien insbesondere in dem letztverflossenen Jahrzent erzielt worden sind, wie der Rechenunterricht heutzutage bemüht ist, jeden Mechanismus aus der Schulstube zu verbannen, wie sogar der Schreiblehrer bemüht ist, den todten Buchsteben zu zergliedern, um auch in oiesem Fache durch die Kunst der Methodik Interesse für den zu behandelnden Gegenstand zu erwecken, wer alle diese Vorgänge im Arbeitsfelde der Schule betrachtet und beachtet, wird mir Recht geben müssen, wenn ich behaupte.- „Die Methode ist eine Macht, aber auch eine Kunst; die Kunst bleibt Kunst; wer sie nicht durchgedacht, der darf sich keinen Künstler nennen. Die Unterrichtskunft ist eine durch und durch praktische Kunst, praktisch sowohl in Bezug aus ihre Ziele, als auch in Bezug auf ihre Weise. Kehr sagt in seiner Praxis der Volksschule: Zu einem lebenerweckenden Unterrichte gehört freilich viel mehr, als die meisten Menschen oermuthen; dazu gehört ein Lehrgeschick, welches imstande ist, die göttlichen Wahrheiten dem Kinde so lebendig vor die Seele zu malen, daß die Kinder gleichsam mit dem Auge schauen, was sie mit dem äußeren Ohre hören. Der vornehmste Theil alles Unterrichts ist aber der Religionsunterricht: n akt rraan nwi; die oberste Disziplin, den Mittelpunkt olles Wtsiens bildet — sollte wenigstens der Religionsunterricht bilden. Dieser Unterricht verlangt aber ganz besonders eine pädagogisch - methodische Behanvlung. Man kann deßhalb auch die Ansicht derer durchaus nicht billigen, die auf die pädagogische Durchbildung eines Religionslehrers wenig Werth legen, sondern glauben, aus einem "firo läßt sich Alles machen. Tief zu beklagen ist es, daß der jüd. Religionsunterricht an vielen Orten in durchaus ungeeigneten Händen liegt.^ Die äußeren Erfolge einzelner nicht seminaristisch oorgebildeter Religionslehrer sind noch lange keine Beweise dafür, daß man deßhalb wohl daran thut, diesen Unterricht in solche Hände zu legen. Es dürfte wohl nicht allzu schwer sein, manchen Kaufmann zu finden, der auch im Stande wäre, seinem Sohne die Elemente im Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Wo fände man aber dann eine Regierung, die gewillt wäre, nun darauf hin einen solchen Mann als Elementarlehrer anzustellen. Die Zeit ist denn nun doch vorbei, in welcher man ausgediente Unteroffiziere als Volksschullehrer anstellte. Nein! Nur die Tüchtigsten gehören in die Religionsschule. Das Saatfeld ist ein viel zu kostbares, als daß man dem ersten Besten die Aussaat übertragen könnte, denn die Gefahr ist zu groß, daß er den Samen statt auf das Ackerfeld, nebenhin werfe und nur Dornen und Disteln aufgingen. Ein rechter Ackersmann schaut aber auch auf die Gediegenheit seiner Ackergeräthe. Betrachten wir einmal unsere Unterrichtsliteratur! Was ist denn auf diesem Gebiete geschehen im Lause der letzten 20 Jahre? Der Quantität nach wohl genug, der Qualität nach herzlich wenig! Roch mangelt es an solchen Unterrichtswerken, welche dem jüd. Religionslehrer zeigen, wie er zweckmäßig bei seiner Arbeit vorzugehen habe. Wohl entstehen jährllich neue bibl. Geschichtsbücher, auch neue Religionsbücher, aber an methodischen Werken fehlt es: Das Erschienene ist nur ein schwacher Anfang. Hierin sind wir noch weit, sehr weit zurück! Straßburger weist in seiner Bibliographie der jüdischen Pädagogik eine stattliche Anzahl von jüd. pädagogischen Schriftstellern auf. Methodische Schriftsteller habe ich darin schmerzlich vermißt. Es muß als eine unerläßliche Forderung erachtet werden, daß der jüd. Religionslehrer auf dem Seminare die nöthigen Winke und Fingerzeige zur Ertheilung eines methodischen Unterrichts erhalte, und daß er nach der Seminarzeit stets bestrebt sei, durch das Studium Pädagog. Literatur sich stets in der Methode zu vervollkommnen. Stillstand ist Rückschritt. Viel Segen könnten in dieser Beziehung auch die jährlichen Lehrerkonserenzen den Theilnehmern bringen, wenn man stets ans denselben Musterlektionen abhielte zur Belehrung derjenigen, die da« ganze Jahr über nicht in der Lage sind, gute Vorbilder zu hören. Doch auch hier zeigt sich noch viel Mangel. Oftmals weigert man sich, eine Lektion zu halten aus falscher Furcht vor gerechter Kritik; oftmals kommen Lektionen, die auf der Tagesordnung standen, Nicht zu Stande, während der strebsame Lehrer sich schon daraus gefreut hatte, etwas Tüchtiges dabei lernen zu können. Es muß das Streben des israelitischen ReligionslehrerftandeS darauf gerichtet sein, die Errungenschaften der wissenschaftlichen Pädagogik auch^sür den isr. Religionsunterricht nutzbar zu machen. Wenn viele^Kinder,., sowohl im volksschulpflichtigen

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