Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1897)
- Date
- 1897-12-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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18W Gruft sich schließt, dem lieben Verstorbenen Nachrufen, ein warmes Wort der Dankbarkeit, wie es der Heimgegangene verdient. Rabbiner Lazarus war vor mehr denn 35 Jahren mein erster Lehrer im Hebräischen; er stand damals in Schirrhofen, und zu seinem Rabbrnat gehörte Bischweiler, wo mein Vater protestantischer Pfarrer war. Mein Vater schätzte die große Herzensgüte, die tiefen theologischen Kenntnisse des Verewigten sehr hoch. In einer langen Reihe von Jahren war ich mit ihm durch innige Freundschaft verbunden. Ein Mann, so schlicht in seiner äußeren Erscheinung, so einfach, so bescheiden, aber so voll von Biedersinn, von Begeisterung für alles, was wahr, was gerecht, was edel ist, ein treuer Anhänger seiner Religion, aber doch mit einem Herzen voll Duldung, voll Verständniß auch für fremde Ansichten. Die Religion galt ihm als die Führerin zur Gottesliebe und Nächstenliebe, d. h. zur allgemeinen Menschenliebe. Nicht trennen sollen die Religionen, daß die Menschen sich hassen und zerfleischen, sondern einigen und verbrüdern. Sein Bestreben war darauf gerichtet, durch Leben, Beispiel, Aufmunterung und Lehre die Erkenntniß der ewigen Wahrheiten, welche für das Reich Gottes geschickt machen, zu wecken und zu fördern. So hat er unter Euch gewirkt, das war ein Segen, womit ihn Gott geschmückt hatte. Von dem Arbeitsfeld hat ihn jetzt der Herr abberufen. Vor der Welt unscheinbar, vor dem gnadenreichen Vergelter aber nach dem Werth belohnt. Er ruhe in Frieden!" Oesterr.-Ungar. Monarchie. § Wien, 12. Dezenrber. (Jüdische Faullenzer.) Wir entnehmen dem Novemberheft der Pernerftaferschen „Deutschen Warte" einige Notizen über galizische Erdölarbeiter. Der Verfasser veranstaltete eine Enquete über die Petroleum- und Erdölindustrie in Galizien und kam dabei auch auf die Arbeiter. Da heißt es denn an einer Stelle: „Eine andere Gruppe besteht aus ebenso zerlumpten polnischen Juden, nur kenntlich an dem verwahrlosten Bart und den Locken. Sie sind besser entlohnte Arbeiter, müssen aber die schwerste Arbeit, das Steinetragen, besorgen." An einer anderen Stelle: „Im Hinblick auf gewisse Zeitrichtungen ist es erwähnenswerth, daß von der genannten Ziffer (7000—8000) wohl die Hälfte auf Juden entfällt, die hier ebenso verzweifelt und hilflos ihr Loos tragen, wie die christlichen, ruthenischen Arbeiter." Und für welche Löhne arbeiten diese Aermften hier: Oberhäuer 60—80 Kr., Häuer 50—60 Kr., Steineträger (schwerste Arbeit) 80—100 Kr., Wäscher 70—100 Kr., Kurbter 45—50 Kr., Kurblerinnen 35—40 Kr., Klaubnerinnen 40 Kr., Kinder 10—15 Kr. pro Tag. Alle diese Löhne gelten für 16stündige Arbeitszeit, und bei diesen Hungerlöhnen erwerben die vielgeschmähten „faulen, galizischen Juden" das Brot für ihre Familien! ** Aus Ungar«. (Metzgerstreiche.) Eine hochwichtige Entscheidung ist in voriger Woche seitens des Ministeriums für Cultus und Unterricht an den Magistrat der Haupt- und Residenzstadt Budapest ergangen. Ein großer Theil der Fleischhauer war mit den strengen Verfügungen der Pesther israelitischen Cultusgemeinde nicht zufrieden und anachte vor Jahren den Versuch, eine Status guo-Gemeinde, unabhängig von der großen Gemeinde, zu bilden. Der Versuch scheiterte, aber die Hoffnungen der Herren Metzger begannen wieder zu blühen, als der Entwurf über die freie Ausübung der Religion zum Gesetz wurde. Flugs peiitionirten die Herren um die Erlaubniß, eine neue Confesston gründen und diese neue Confessions-Gemeinde unter dem Namen „Szabad Israel“ („Das freie Israel") konstituiren zu dürfen. In der zuversichtlichen Erwartung, baß ihr Begehren erfüllt werde, haben sie gleich die erste Gemeinde des „8zadaä l8rael“ mit 109 Mitgliedern konstituirt und zugleich einen Rabbiner in der Person des Dr. Kondor angeftellt, welcher vormals unter dem Namen Dr. C o h n 6, Rabbiner in FogoraS (Siebenbürgen) war. auch als Deputirter am Kongreß im Jahre 1667 theilnahm, aus unbekannten Gründen feine Gemeinde verließ, Direktor am israelitischen Waisenhause in Arad wurde, aber' auch diese Stelle aus Gründen, die „Eggenlöseg" mittheilte, aufgab. In ihrem Gesuch an das Ministerium bezeichnete die „neue Confesston" als Hauptbeweggrund ihres Ausscheidens aus der Mutiergemeinde die Weigerung der Rabbiner die Mischehen einzusegnen. Das Ministerium befragte vor der Entscheidung das Rabbinat der Pesther Gemeinde, sowie die israelitische Landeskanzlei und erlheilte nunmehr zugleich auch im Flamen des Justizministers und des Minfteriums des Innern den Bescheid, daß die Gründung der Confesston nicht erlaubt wird. Aus der Motivirung finö folgende Punkte heroorzuheben: „1. Aus der großen Zahl (16iy der Petenten haben nur 49 sich verpflichtet, mit regelmäßigen jährlichen Abgaben zur Erhaltung der Confesston beizufteuern. 2. Keiner der Petenten hat seiner Pflicht, bei dem betreffenden Seelsorger den Austritt anzumelden, im Sinne des § 33 Gefetzart. LIII 1868 Genüge gethan, hingegen haben 13 Petenten dem Rabbinate erklärt, daß sie nie an einer Sitzung des 8zadaä Israel theilgenommen und sich der neuen Confesston weder in der Vergangenheit angeschloffen haben, noch in der Zukunft sich anschließen werden. 3. Von den Petenten sind 63 Fleischhauer und dieselben, die schon im Jahre 1889 sich als Status yuo-Gemeinde konstitiuren wollten, damit sie sich der Controle der Gemeinde in