Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 99 (16.12.1897)
- Date
- 1897-12-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1882 wurde heute an sämmtliche Wahlberechtigten der Synagogengemeinde versandt: Geehrter Herr! Wie Ihnen jedenfalls bekannt sein wird, ist seit einiger Zeit unter den Mitgliedern der hiesigen Synagogengemeinde eine Liste in Umlauf, welche durch Heranziehung von Unterschriften die Wähler für die bevorstehenden Wahlen nach einer bestimmten Richtung hin zu verpflichten beabsichtigt. Man hat es für richtig befunden, mit einem bloßen Schlagworte zu operiren, ohne über die weitgehendsten Folgen Aufklärung zu geben. Wir möchten hierdurch jedes Gemeindemitglied im wohlverstandenen Interesse der Gemeinschaft und des Friedens davor warnen, sich nach irgend einer Richtung hin zu entscheiden, ehe die widerstreitenden Ansichten geklärt sind. Zu diesem Zwecke wird demnächst eine große Wählerversammlung einberufen werden, in der jeder gehört werden soll. Warten wir also ab, führen wir zunächst gemeinsam eine Klärung aller Meinungen herbei und entscheiden uns dann nach unserem besten Wissen und Gewissen. Köln, 1. Dez. 1697. Dr. S. Apfel, Jos. Baum, Max Bendix, Leonhard Emanuel, Carl Eltzbacher, B. Feitchenfeld, Alexander Ganz, K. van Holland, Ludwig Horn, Isidor Jsaac, Gustav Kahn, B. Liebmann, Dr. S. Mannheim, Daniel Marcks, Leonhard Metz, Herm. Moses, Satomon Simon, Siegfr. Simon, Wiih. Stern, Jacob Strauß, Max Wildberg. Wiesenbronn, im Kislew. Wiederum hat der Tod eine weite Lücke gerissen, nicht nur in eine Familie und in unsere Gemeinde, sondern für das ganze Judenthum wird der Verlust unersetzlich sein. Unser Lehrer und Führer, der hier nahezu 34 Jahre seines Amtes mit großer Treue waltete, Herr Jacob Rosenbaum weilt nicht mehr unter uns. Nachdem er noch am Sonntag unterrichtete, machte am Dienstag Nacht eine Herzlähmung seinem edlen Leben, welches nur der Thora, Aboda und Gemilus Chasodim gewidmet war, ein Ende. Mehr als 60 Jahre stand er als Lehrer, Chasan und Schochet in den jüdischen Gemeinden Germersheim, Klein-Oftheim, Gleusdorf, Rödelmeyer und zuletzt hier in einer Weise vor, die ihm überall die Achtung, Liebe und Anhänglichkeit seiner Cultusmitglieder erwarb. Davon legte seine am Eref Schabbos stattgehabte Beerdigung den sprechendsten Beweis ab. Von Nah und Fern waren Freunde, Schüler und Collegen herbeigeeilt, um dem theueren Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Trauerhause gaben die Herren Lehrer Strauß—Kleinlangheim, Lehmann—Schonungen, Eisenheimer—Großenbuseck, Rosenbaum—Berolzheim (Sohn des Verstorbenen) und der protestantische Lehrer Zemer—Wiesenbronn, den Gefühlen des Schmerzes in ergreifenden Reden Ausdruck. Die ganze Bevölkerung Wiesenbronns, ohne Unterschied der Confession, gab dem von Allen verehrten Dahingeschiedenen das Geleite. Aus dem Begräbnißplatze, in dem eine Stunde entfernten Rödelsee, hatten sich zahlreiche Freunde und Verehrer des Verlebten eingefunden und hier gaben Lehrer Frank—Rödelsee und Kissinger—Frankenwinheim ein treffliches Lebensbild, des als Jehudi, als Lehrer und als Mensch gleich groß dastehenden Mannes, der uns ebenso unersetzlich als unvergeßlich sein wird. .mauri £&U(fyau a. Feversee, 10. Dez. Bei der letzter Tage dahier staltgehabten Stadtrathsmahl wurden die beiden ausscheidenden israel. Gemeinderäthe, die KaufleuteM. E. Weil undJakob Dannhäuser wiedergewählt. Trotzdem zwei weitere israel. Candidaluren aufgetauchl sind, ließ sich die christliche Bevölkerung in dem Herkommen, zwei Israeliten in den Stadtrath zu berufen, nicht irremachen und von abgegebenen 211 Stimmen erhielt Herr M. E. Weil 226 Stimmen und Gr. Rath Dannhauser 171 Stimmen. Damit hat die christliche Bevölkerung hierorts aufs neue gezeigt, wie tolerant und friedliebend sie allezeit ist, und ein angenehmes Zusammenleben ist damit für die Zukunst gesichert. ** Stratzbrrrg i- G., 12. Dez. In hohem Alter ist dieser Tage nach mehr als vierzigjähriger verdienstvoller Wirksamkeit Herr Rabbiner Lazarus in W e st h 0 f e n verschieden. Weit über feinen Amtsbezirk hinaus hat der Verblichene durch sein umfassendes Wissen, seine aufrichtige Frömmigkeit und durch die Lauterkeit seines Charakters ungetheilte Liebe und Verehrung sich erworben, welche bei dem ftattgehabten Leichenbegängniß, zu dem von Nah und Fern Angehörige aller Konfessionen herbeigeströmt waren, zu ehrendem Ausdruck gelangten. Tiefempfundene Trauerreden wurden gehalten im Sterbehause von dem ältesten der anwesenden Collegen, Herrn Nabb. Roller—Barr, in der Synagoge von Herrn Oberrabb. Weil—Straßburg, auf dem Friedhofe von Herrn Rabbiner Blum—Pfalzburg, ehemaligem Amtsnachfolger des Heimgegangenen in Schirrhofen, von Herrn Pfarrer Kiefer—Ballbronn, von dem Mitglied des Consistoriums Herrn Moch und von Herrn Lehrer Kauffmann im Namen der Gemeinde. Von den Reden verdient besonders die des protestantischen Pfarrers Kiefer, als Muster der Duldung und Nächstenliebe, Erwähnung. Der ehrwürdige Geistliche, welcher bereits vor einigen Jahren bei Gelegenheit der Synagogen - Einweihung herrliche Worte der Anerkennung für Juden und Judenthum gesprochen hat, gab seinen Gefühlen etwa folgenden Ausdruck: „Noch ein Wort lasset mich, bevor diese