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Der Israelit · 1897-12-13 · Heft 98 (13.12.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 98 (13.12.1897)
Date
1897-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1868 es, daß für die in Pancsowa gebaute Synagoge auch zwei Christen ZufLüffe gaben. Beide Serben, der eine, Obradovics, 500 fl., der andere, Manna, 50 fl. Rußland.? Petersburg. Der Gouverneur von Orlow hat aus zahlreichen Dörfern seines Distrikts Petitionen erhalten, in denen er gebeten wird, seinen Einfluß dafür zu verwenden, daß die Juden, die nach dem Ansiedlungsrayon ausgewiesen sind, zurückkehren dürfen, da ihre Thätigkeit bei der Entwickelung von Landwirthschaft und Industrie unentbehrlich ist. R n m ä n i e n. ** Bukarest, 10. Dez. (Die Ex zesse in Bukarest.) Nicht zufrieden damit, das am vergangenen Sonntag von dem Vereine israelitifcher Militärreferrnften der rumänischen Armee ausgeschriebene Protestmeeting gegen die Ausschließung der einheimischen Juden vorn persönlichen Militärdienst in tumultuarischer Weise gesprengt zu haben, hatte das sogenannte Nationalcomit« der hiesigen Studentenschaft für heute ein großes Antisemitenmeeting angekündigt. Zweck deflelben sollte die Gründung einer Antisemitenliga sein und zur Förderung dieses Planes war bereits gestern ein Flugblatt mit dem aufreizenden Titel „Nieder mit den Juden" in allen Straßen der Stadt zum Verkaufe ausgeboten worden. Die Polizei ließ den öffentlichen Verkauf dieses Pamphlets zu, obgleich aus demselben weder der Name eines Verlegers, noch eins verantwortlichen Geranten ersichtlich gemacht war. Sie ergriff auch keine Vorsichtsmaßregeln, als heute schon lange vor dem aus 2 Uhr Nachmittags anberaumten Beginn des Antisemitenmeetings der Platz vor dem Versammlungslokal von einer nach vielen Tausenden zählenden Menge besetzt war, die nur aus ein Losungswort zu warten schien, um den drinnen im Saal von unreifen Studenten gepredigten Kampf zur Vernichtung des Iudentyums fofofort zur That werden zu lasten. Dieses Losungswort siel aber, als urplötzlich unter ' dem Mob das unwahre Gericht verbreitet wurde, die Judenschast der meist von armen Israeliten bewohnten Calea Vacarescr und ihre Umgebung habe sich bewaffnet und einen Rumänen ermordet. Nun strömte ein Theil des Pöbels in die Calea Vacarescr, während die übrige Menge, von der aus dem Meeting zurückkehrenden tausendköpsigen Maste Verstärkt, johlend und unter Pereatrufen auf die Juden durch die Strada Carol, Strada Lipscauie, Strada Schelari, Celea Victoriei und andere benachbarten Straßen zog, um hier im Mittelpunkte des Bukarefter Geschäftsverkehrs ein aller Beschreibung spottendes Vernichtungswerk zu beginnen. Da aus Grund des Gesetzes über die Sonntagsruhe die dicht an einander gereihten Verkaufslokale dieser Straßen geschloffen waren, so brach die von wilder ZerstörungSwuth erfaßte Menge die Verschlüße der Schaufenster auf, zertrümmert die kostbaren Spiegelscheiben und riß, wo es immer nur anging, den Inhalt der Auslagekäften in den Straßenkoth. Kein israelitischer Geschäftsinhaber wurde geschont, zugleich aber auch die Niederlagen sonstiger fremder Kaufleute und Fabrikanten in gleicher Weise verwüstet und womöglich ausgeplündert. Die verspätet auf dem Schauplatze der Zerstörung erscheinende Polrzei, die erst nachträglich Militärunterstützung erhielt, war zu schwach, um dem schamlosen Treiben des teilweise betrunkenen Mob Einhalt zu thun, und erschien auch Ordre erhalten zu haben, mit den Tumultuanten glimpflich zu verfahren. Wenigstens wurden keine Verhaftungen vorgenommen. In der vorerwähnten Calea Bacaresci wurde der Pöbel, nachdem er die Fenster aller Judenhäuser eingeschlagen und einzelne ihm in die Hände fallende Israeliten in brutalster Weise mißhandelt hatte, nur durch das Erscheinen einer starken Mrlttärabtheilung an der beabsichtigten Erstürmung der großen Synagoge verhindere. Als endlich gegen 6 Uhr Abends der Pöbel, der bei seinem Vernichtungswerke von einigen elegant gekleideten Organisatoren geleitet wurde, von den zahlreichen aufgebotenen Kavalleriepatrouillen das Felo geräumt hatte, boten die Hauptstraßen des Bukarefter Geschäftsverkehrs einen überaus traurigen Anblick dar. Allenthalben waren die Trottoirs von starken Schichten Gtasfplittern und Waarentrümmern bedeckt, und es wird bei der heutigen Geschäftsstockung und dem danrit verbundenen Kreditmangel so mancher Kaufmann durch die traurigen Folgen dieses so muthwilligen heraufbeschworenen und in so unverantwortlich leichtsinniger Weise geduldeten Pöbelerzestes an den Bettelstab gebracht werden. Der materielle Geiammtschaden ist ein kolossaler; noch größer wird aber die Einbuße an Kredit und moralischem Ansehen für das ganze Land fein. P a l ä ft i n a. 'i Jerusalem Der ab berufene Gouverneur Ibrahim Pascha hat unsere Stadt am 3. November verlassen. Er wird durch Tewsik Pascha ersetzt werden, einen Mann von 55 Jahren, der hier noch ziemlich unbekannt ist, der aber Justus Pascha mitbringt, den früheren Bürgermeister von Jerusalem. Dieser ist als ein sehr liberaler, auch sehr judensreundlicher Mann bekannt und von ihm erwartet man Gutes für die armen Juden. — Die Baronin Hirsch hat 15 000 Frs. zur Errichtung zehn neuer Häuser für Armen in Siloah und 20 000 Frs. für die sephardische Gemeinde bewilligt.

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