Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 98 (13.12.1897)
- Date
- 1897-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448797--45063-2494189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1889 vermischtes. Mannheim- Herr Dr. I. Unna in Frankfurt a. M. ist als Nachfolger des Herrn Dr. Nos ent hal, welcher bekanntlich als Rabbiner nach Köln Jöcriffm wurde, dahier zum Stiftsrabbiner an der Lämle'scken Klaus Lüftung gewählt worden. Herr Dr. Unna hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten und dann seine Studien bei Herrn Rabbiner Dr. Horovitz—Frankfurt a. M. vervollkommnet. Bornheim (Rhein). 15. Nov. Ein felteucs Fest wurde am 10. d. M. hier begangen. Der Glasermeister H. 9lathan, der schon über 50 Jahre in seinem Berufe an unserem Orte ansässig ist, feierte mit seiner Ehefrau, beide in Rüstigkeit des Körpers und Geistes, bas Fest der goldenen Hochzeit. Schon am frühen Morgen kündigten Böllerschüsse die Feier an. Es fand ju Ehren des Jubelpaares ein Festmahl statt, an welchem der Bürgermeister nebst Gemahlin thcil nahm, welcher auch mit der Jubelbraut den Reigen beim darauffolgenden Balle erössnete. Auch waren von Juden und Christen Ehrenpforten errichtet, welche von dem schönen Einvernehmen, das hier zwischen den Eonfessionen wallet, Zengniß ablcgcn. Temesvar. Bor einigen Tagen hat hier die Neuwahl unseres Eultnsvorstandes ftattgefuudeu. Mit 108 von 172 abgegebenen Stimmen wurde zum Präses Dr. Ludwig Schwarz, zum ersten Vicepräscs Dr. B e r n h a rd W e i ß und zum zweiten Herr Wilhelm Rotier gewählt. Hierauf wurden die dreißig Beirnthe gewählt. Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Bon Paul Gotthelf. 21) sAllc Rechte Vorbehalten.) So war der Rüsttag des Versöhnungstages herangekommen. Dr. Jordan, der die Behandlung der Kranken übernommen, hatte sie soeben gründlich untersucht und bat den Freund, einen Augenblick mit ihm in's nächste Zimmer zu kommen. Bleich wie der Tod folgte ihm Dr. Reiß, und als Jordan ihm den Befund miltheilte, schwankte der starke Mann und wäre hingestürzt, hätte rhu der Freund nicht aufgefangen. „Sei ein Mann," sagte Dr. Jordan, während ihm selbst die Augen voller Thränen standen, „es sind schon schwerere Fälle glücklich abgelaufen. Ich telegraphiere sofort nach W. an Professor H. Bis morgen früh kann er hier sein. Er hat eine geschickte und glückliche Hand, und Gott wird im helfen, Gott wird Dein liebes Weib schützen. Nur den Muth nicht verlieren, Deiner Frau halber." Jordan entfernte sich und ließ Reiß allein. An der Thüre tratSelma auf ihn zu und fragte: „Nun, wie steht es, mein Schatz?" „Schlimm, sehr schlimm," versetzte Jordan; „bete für unsere Freundin, ich will an Professor H. telegraphieren." Die Nacht war vorüber; es war eine schreckliche Nacht. Schon um sieben Uhr des Morgens traf Professor H. ein und bestätigte nach eingehender Untersuchung die Diagnose Jordans. Nach menschlicher Voraussicht konnte nur ein Leben gerettet werden, das der Mutter. Es war die schwerste Operation zu machen, die der Gynäkologe sich denken kann. An einem Faden hingen zwei Leben. Reiß war sich der Gefahr wohl bewußi, die sowohl durch die Operation, wie durch Unterlassung derselben seinem Weibe drohte. Er blickte hülfesuchend gen Himmel und bat nach kurzem Zögern den berühmten Operateur, seine ganze Kunst auszubieten, um seine Frau zu retten. Und während in Israels Gotteshäusern die Gemeinden vor dem Allvater knieten, Verzeihung für ihre Sünden erflehend, wurde beim Allvater droben bestimmt, wer leben und wer sterben solle. Und während die Gemeinde Israels zerknirscht vor dem Herrn lag, rangen in jenem Gemache zwei Männer der Wissenschaft mit dem Engel des Todes. Gott führte die Hand des berühmten Arztes; was er nie erwartet hatte, traf ein — ein kräftiger Knabe erblickte das Licht der Welt- — Aber auch die Mutter mußte gerettet werden. Die Operation nahm den günstigsten Verlauf uiib wenn der Blutverlust nicht so groß gewesen wäre, hätte der Professor jetzt schon dem Collegen gratuliert. Aber so war es sehr gefährlich. Der Puls war kaum fühlbar; in zwei Stunden mußte es sich entscheiden, ob diese Schwäche nicht doch zum ewigen Schlummer hinüderführe. Alice lag bleich wie eine Leiche da. Als Dr. Reiß nach geschehener Operation eintrat, fuhr er zurück; er meinte, in ein Todtenantlitz zu sehen. Rasch eilte er auf Alice zu, doch die Aerzte zogen ihn aus dem ßimrnev, unb tväfytenb die Wärterin bei Alice blieb, theilte der Professor dem Arzte mit, was er hoffe, was er befürchte. „Und giebt es kein Mittel, dem Schlimmsten vorzubeugen," fragte Reiß mit stockender Stimme. Eine Weile herrschte tiefe Stille. Aller Augen waren aus den Professor gerichtet. Endlich sagte dieser: „Nur von einem Mittel könnte man wesentliche Hilfe erwarten. Doch glaube ich nicht, daß wir es anwenden können." „Nennen Sie es, Herr Professor, ich werde die Anwendung möglich machen," sprach Reiß. „Es ist die Transfusion," sprach der Professor gelassen; „in diesem Falle die Transfusion des