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Der Israelit · 1897-12-13 · Heft 98 (13.12.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 98 (13.12.1897)
Date
1897-12-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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talmudische Lehrhäuser gründeten. Auch eine Bibliothek hat er in Ergänzung dieses französischen Rabbinerseminars angelegt; denn naturgemäß waren zum Studium Bibel- und Talmudhandschriften nothwendig und diese ließ Mathatia Treves anfertigen oder kaufte sie an. Aus seiner Bibliothek stammen eine Thorarolle, von der Joseph Kolon Kenntniß hatte, und die werthvvlle Thvrahandschrift, die sich nunmehr in der Königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München befindet und deren Varianten Rabbinowitsch in seinen Dikduke Soferim (neuerdings fortgesetzt von Ehrentreu) veröffentlichte. So hat Mathatia Treves nicht nur den französischen Gemeinden kurz vor deren völligen Untergang neues Leben eingehaucht, sondern auch bis in die Gegenwart hinein segensreich gewirkt. Mathatias Eifer für die Wiederbelebung des Judenthums hatten seine Wahl zum Oberrabbiner seitens der jüdischen Gemeinden zur Folge. Gleichzeitig wurde er von ihnen zum Oberrichter gewählt, kraft welcher Stellung er nicht nur in bürgerlichen, sondern auch in peinlichen Prozeßen zu entscheiden hatte. Auch die Anerkennung des Königs fehlte ihm nicht. Carl V. ernannte ihn officiell zum Oberrabbiner der Juden Frankreichs. Eine fördernde Stütze in allen seinen Unternehmungen fand Mathatia an dem reichen Manessier de Vesou, der 1361 bie Rückkehr der Juden bewirkt hatte und seitdem das einflußreiche Amt des Judensteuereinnehmers bekleidete. Den Gipfel der Ehrenleiter erklomm die Familie Treves, als Manessier de Vesou, der bei Hose angesehenste Jude Frankreichs, seine Tochter dem Sohne des Oberrabbiners, dem jungen Jochanan zur Frau gab und durch Erlaß des Königs die Familien de Vesou und Treves von der Verpflichtung befreit wurden, das schändende Judenzeichen am Gewände zu tragen. Als Mathatia Treves um 1384 starb, wählten die Gemeinden seinen Sohn Jochanan, der bereits zu Lebzeiten des Vaters in einer französischen Gemeinde das Rabbinat verwaltet und ein eigenes Lehrhaus geleitet hatte, zum Nachfolger. König Karl VI. bestätigte ihn in seiner Würde. Fünf Jahre wirkte Jochanan Treves friedlich in seinem Amte und setzte in der Verbreitung des Talmudstudiums das Werk seines Vaters fort. Da erschien in Frankreich ein ehemaliger Jünger seines Vaters, Jesaja b. Abba Mari, zuletzt in Bresse in Savoyen ansässig (Breffe, vgl. Stern, Urk. Beiträge über die Stellung der Päpste zu den Juden I, 21 Nr. 9., hebr. «ra; Brüll transkripirt falsch: Brescia; Graetz, der den Ort nicht enträthseln kann, läßt ihn fort), der die geistliche Führung der Juden Frankreichs für sich allein in Anspruch nahm und die Gemeinden und Rabbiner dem Jochanan Treves abspenstig zu machen suchte. Zur Schlichtung des Streites zwischen Jochanan und Jesaja wurde das Gutachten der damals bedeutendsten Rabbiner Spaniens, das Chasdai Kreskas und Jsak b. Scheschet, angerufen. Beide traten auf die Seite Jochanans. Doch sollte dieser sich nicht lange des gefundenen Schutzes erfreuen. Ein ganz anderes Ungewitter, als die persönlichen Streitigkeiten der Rabbiner, zog sich zusammen, um sich vernichtend ans die Juden Frankreichs zu entladen. Mit den bekannten Anschuldigungen des Wuchers, Christenmordes u. dgl. hatten Laien und Geistliche das Herz des schwachsinnigen Königs Carl VI. so lange gegen die Juden eingenommen, bis dieser die Einwilligung zu ihrer Verbannung gab. Am Versöhnungstage des Jahres 1398 (17. Sept.) erschien das Dekret, welches die Juden entgültig aus Frankreich verwies. Die mit ihnen geschloffenen Contrakte wurden durch einen Federstrich aufgehoben und Recht in Gewaltthat verwandelt. Durch unwiderrufliches Gesetz wurde angeordnet, daß keine Juden künftighin in irgendeinem Theile Frankreichs, weder in Languedoil noch in Languedoc, wohnen und weilen dürfen. Wieder nahm Israel den Wanderstab in die Hand. Von den Verbannten wandten sich die einen nach der Dauphins, der Provence und dem Kirchenstaate Venaissin, die anderen nach Deutschland und Italien. Unter den letzteren befand sich auch die Familie Treves. Der Oberrabbiner Jochanan setzte in Italien seine Lehrthätigkeit fort. Als einer der „Großen des Zeitalters" starb er am 9. Ab 1429. Jochanans Brüder, Joseph und Abraham, waren des Namens ihres Vaters Mathatia würdig. Srsierer ist besonders als synagogaler Dichter bekannt. Die Pflege und Förderung der Wissenschaft blieb in der Familie erblich. Noch heute werden in den Bibliotheken Handschriften aufbewahrt, die auf Kosten Jochanans und Josephs angefertigt wurden. Dr. Stern—Kiel. L. Frankfurt <t. M., im Kislew. Es bereitet mir besondere Freude, von einer Sache zu berichten, die so recht geeignet ist zu beweisen, daß die diesige Kehilla nicht nur in der Bedeutung als Gemeinde immer zunehme, sondern auch durch das rastlose Streben unseres hochverehrten Herrn Rabbiner Dr. Breuer n nach und nach, wie früher auch hier die Thora wieder ihre Heimstätte finde. Herr Rabbiner Dr. Breuer halt schon seit einigen Jahren jeden Sonntag Abend in dem Gemeindelokale sogenannte yns snbv>-Vorträge. Nun ist aber mit der Zeit der Zuorang ein so gewaltiger geworden, daß ein längeres Bleiben in jenem Lokale als famtätswidrig erachtet wurde. Da erklärte sich nun der Vorstand bereit, den Hörsaal (ca. 300 Sitze fassend) zur Benutzung für diese Vorträge herzugeben. — Vergangenen Sonntag Abend hielt nur Herr Rabbiner

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