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Der Israelit · 1897-12-13 · Heft 98 (13.12.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 98 (13.12.1897)
Date
1897-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1865 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Dez (Zur Geschichte der Fa milieDreyfus (Treves) wird uns noch ferner geschrieben: Der Name Dreyfus, der durch das in Paris und auf den Teufelsinseln sich abspielende Drama die Aufmerksamkeit der ganzen civilisirten Welt auf sich lenkt, hat schon in der Vergangenheit eine bedeutende Nolle gespielt. Aus Deutschland stammend, haben die Träger dieses Namens über Frankreich, Italien und Rußland sich ausgebreitet und durch literarische Leistungen und vielfache Verdienste den Namen ihres Geschlechts zu hohen Ehren gebracht. Kaum dürfte in einem jüdischen Familien stamme eine solche Continuität geistigen und gemeinnützigen Wirkens sich Nachweisen (affen, als in dem der Treves, wie Nehemias Brüll in seiner gelehrten Studie über die Geschichte dieser Familie treffend bemerkt. Denn Treves ist die richtige^Namensform, hebr. enn» ,irrTo Erst Unverstand hat daraus den Namen Dreyfus gemacht. Und zwar ist Treves die französische Bezeichnung für die deutsche Stadt Trier (Treves). Brüll, dem wir im Uebrigen bei unseren Ausführungen folgen, behauptet zwar ohne Beweisführung, daß die Fanlilie ihren Namen Treves von der französischen Stadt Troyes in der Champagne ableite, und Graetz versichert, daß Brüll den Zusammenhang zwischen Treves und Troyes „überzeugend nachgewiesen" habe. Dennoch sind beide im Unrecht. Einen Zusamulenhang mit Raschi und seinen Nachkommen kann selbst Brüll nicht finden. Stammte die Familie aus Troyes, so würde sie eben Troyes uud nicht Treves heißen. ' Die hebräische Schreibung aber weist unwiderleglich auf Treves, d. i. Trier, hin. Troyes wird geschrieben, hat vor allen Dingen stets einen entscheidenden dritten Buchstaben, ein Waw, während der von unserer Familie geführte Name an dieser Stelle stets ein Jod zeigt. Dazu kommt, daß der Stammvater des Geschlechts Jochanan in der That aus Deutschland stammt, wie dies sein Beiname „Aschkenasi" bezeugt. Der Name dieses Jochanan in Trier, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte, wird in den zeitgenössischen Quellen nicht genannt. Daß er aber ein hervorragender Rabbiner und vielleicht auch schon seine Vorfahren angesehene Gesetzeslehrer gewesen, geht aus den Worten seines gleichnamigen Urenkels hervor: „Und so waren alle meine Vorfahren von Geschlecht zu Geschlecht groß und angesehen bei ihren Zeitgenoffen." „Von meinen Vorfahren hast du einige gesehen, einige ihrem Rufe nach gekannt, die Führer und Vornehmen des Landes, Säulen ihres Zeitalters waren, so vom Vater zum Sohne in ununterbrochener Folge." Wie Alfred Dreyfus aus Mühlhausen im Elsaß nach Paris auswanderte, so zog auch fein Ahn Joseph, der Sohn jenes Jochanan, von Trier nach Marseille, wo er 1343 RabbinerZ'war. Jsak ben Scheschnet nennt ihn „einen großen Mann, die Zierde der Weisen, die Krone der Alten." Von j seinem Ruhme zeugt der Beiname „der Große", den man ihm gab. Auch seine Frau stand ihm an Gelehrsamkeit nicht nach. Haben doch die Frauen Israels nicht erst auf die modernen Bestrebungen zur geistigen Emanzipation des weiblichen Geschlechts zu warten brauchen! Die Frau Josephs^mochte manchen theologischen und orientalisch-philologischen Professor der Gegenwart übertreffen; denn sie war im Stande, den Talmud richtig zu interpretieren,"^sodaß man'sich noch späterhin auf eine ihrer Erklärungen berief. Nach seinem Heimathsorte Trier wurde der Rabbiner Joseph von den Franzosen „Treves" genannt. Seitdem bleibt dieser Herkunftsname an seinen Nachkommen hasten. Das deutsche Ursprnngsschild in französischer Form ist der^Familie nach allen Ländern gefolgt und wurde von ihren Gliedern^inZFreud und Leid mit Ehren getragen. Gleich der Sohn und der Enkel Josephs haben es zu hohen gesellschaftlichen Würden-gebracht. Der jetzige Großrabbiner Zadok Kahn in ParisZsieht in ihnen seine Vorgänger. Josephs Sohn Matthatia und Enkel Jochanan waren die ersten offiziellen Oberrabbiner von Frankreich. Nicht nur ein, sondern sogar zwei Dreyfus, von der Regierung anerkannte Oberrabbiner der ganzen französischen Judenheit, und noch dazu aus dem urdeutschen Trier stammend, — das ist gewiß eine Kunde, die bei dem gegenwärtigen Streite der öffentlichen Meinung des allgemeinen Interesses nicht entbehrt. Mathatia Treves gebührt das Verdienst, das Talmudstudium in Frankreich, das dort in Folge der wiederholten Verfolgungen und Vertreibungen geschwunden war, neu begründet zu haben. Als er aus Spanien, wo er in Barcelona zu den Füßen eines Riffen b. Rüben (Ran) gesessen hatte, 1361 mit den übrigen wieder aufgenommenen Juden nach Rordfrankreich zurückkehrte und sich in Paris niederließ, zählte man im ganzen Lande nicht mehr als fünf bis sechs Talmudkundige! Seine erste Aufgabe war daher die Gründung eines neuen Lehrhauses in Paris. Bei der Ausführung dieses Planes war es ihm besonders darum zu thun, Rabbiner heranzubilden und sie als geistige Führer an die Spitze der verwaisten Gemeinden zu stellen. Während seines 23jährigen Wirkens hat er zahlreiche Jünger in den rabbinischen Wissenschaften unterwiesen, darunter acht Rabbiner ordiniert, die selbst wiederum in ihren Gemeinden

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