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Der Israelit · 1897-12-13 · Heft 98 (13.12.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 98 (13.12.1897)
Date
1897-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1864 wollte niemals „eigene Interessen" wahren, er verzichtete gern auf Lebensbehaglichkeit, ihn kümmerte nicht Gunst oder Ungunst, die ihm zu Theil werden würde, nicht ob sein Vorgehen anerkannt wurde, oder ob ihm materieller Schaden daraus erwachse. Und da er nur die gute Sache im Auge hatte, war es ihm gelungen, den Sieg für unsere mm davonzutragen. Seine Aufrichtigkeit und seine liebevolle Freundlichkeit war überall bekannt. Aber wo es galt, eine religiöse Angelegenheit zu vertheidigen, da gab es kein Ansehen der Person und keine Rücksicht. Und nur dadurch war es ihm gelungen, viel Unrecht zurückzuhalten und Schlimmes im Keime zu ersticken. Wohl wurde er vielfach verkannt. Aber seine erbittertsten Gegner erkannten die Größe seines Charakters an, und sie bewunderten ihn und seine imense Gelehrsamkeit. Waren irgendwo in der weiten Welt Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf religiöse Fragen entstanden, so wandte man sich an ihn, als den anerkannten Meister auf dem Gebiete der Halacha und der Casuistik und seiner Entscheidung fügte man sich dann stets auf das willigste. Jeder, der das Glück hatte, ihn zu kennen, zollte ihm Achtung und Verehrung. Von dieser legte die Beerdigung ein beredtes Zeugniß ab. Wem er seine Zeit nur irgend gestattete, und wer wegen des kurzen pw abkommen konnte, eilte nach Aschaffenburg, um dem Gelehrten noch die letzte Ehre erweisen zu können. Da bemerkten wir unter den Theilnehmern an der Beerdigung die Rabbiner Bamberger—Würzburg, Bamberger— Kisstngen, Dr. Bamberger—Burgpreppach, Dr. Breuer —Frankfurt c. M., Dr. Horwitz—Frankfurt a. M., Dr. Marx—Darmstadt, Dr.Stein—Schweinfurt, Herrn Hauptlehrer N. Eschwege—Höchberg, Herrn Hoflieferanten Josef Fromm—Frankfurt a. M., Herrn Maier Stern—Frankfurt a. M., ferner die Herren Hermann Lehmann—Frankfurt a. M., Dr. Roos— Frankfurt a. M., Dr. Jsaac Unna, Rabbiner in Mannheim, S. Unna, Lehrer und Cantor in Frankfurt a. M., und Herrn Wechsler—München, ein Schwager von Rabb. Bamberger bden Bürgermeister und Abgeordnete der Gemeindebevollmächtigten, Profefforen der Forstschule und Lateinschule, Vertreter sämmtlicher Distriktsgemeinden, Vertreter seines früheren Wirkungskreises, viele Freunde und Verehrer u. v. a. Selbst die entfernte Gemeinde Fischach ließ es sich nehmen, sich durch ihren Lehrer und Vorstandsmitglied vertreten zu laffen. Stimmtliche Läden in den Straßen, durch welche der Leichencondukt sich bewegte, hatten in verehrungsvoller Pietät gegen den Verstorbenen geschloffen, theilweise schwarz verhängt. In den Straßen selbst bildete die Volksmenge Spalier. Die Reihe der Trauerreden eröffnete der Bruder des Verstorbenen, Herr Distriktsrabbiner Bamberger- Bad Kisstngen. In Folge des ungeheuren Gedränges konnte der Schreiber dieser Zeilen die Worte des verehrten Herrn Redners nicht verstehen. Am Hause, bevor die Leiche aus dem Hause getragen wurde, in welchem aus dem Munde des Verstorbenen Tag und Nacht die Worte der Thora gehört wurden, sprach der zweitälteste Sohn, Herr Rabbiner Dr. Bamberger—Schrimm mit thränenerstickter Stimme einige Worte des Abschieds. Nachher setzte sich der imposante Condukt in Bewegung, den die Religionsschüler eröffneten. Die Leiche wurde nach dem 1 lj» Stunden entfernten Friedhofe verbracht und trotz des weiten Weges blieb Niemand zurück. Viele, die keinen Wagen haben konnten, wanderten zu Fuß hinaus. Am offenen Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Breuer—Frankfurt, Dr. Marx—Darmstadt, Rabbiner Bam berge r—Würzburg und Dr. Bamberge r—Schildberg, sowie der Abgeordnete der Gemeinde Fischach Herr Lehrer Hirschmann. Zum Schluffe noch ergriff das Mitglied des Vorstandes derCultttsgemeindeAschaffenburg, Herr Goldschmidt das Wort, um dem Dahingeschiedenen den tiefgefühltesten Dank und die aufrichtige Anerkennung namens der Gemeinde auszusprechen. MitRücksicht auf die Nähe des p"B> wurden keine weiteren Reden gehalten. Seine litterarische Thätigkeit weihte er besonders werthvollen Schriften unserer Geistesgrößen, die trotz ihrer hohen Wichtigkeit für das Talmudstudium noch handschriftlich in den Bibliotheken schlummerten, so gab er unter dem Namen crS-r mips einen Commentar des Rabbi Aron Hatevy des congenialen Zeitgenoffen des Rabbi Salomo ben Adereth zum Tractat Berachoth heraus. Ein besonderes großes Verdienst um die gelehrte Welt erwarb er sich durch die Herausgabe der bis dahin schmerzlich vermißten Erklärung des Rabbenu Chananel zum Tractat Chutiu, er nannte diese Edition im Bewußtsein durch diese große Mizwah, seinen Beruf als Lewi zu bewähren c^n ferner sind noch zu erwähnen Trat? nye* des Ab an Gijat, zu welchem sein unvergeßlicher Vater Erklärungen und Stellennachweise geliefert hat. Um den Religionsunterricht machte er sich verdient durch sein Schristchen: -pn, eine Zusammenstellung der für p^n ,mrx und nna mit deutscher Uebersetzung für die Jugend. So ist nun wieder eine große Lücke gerissen in den Reihen der Kämpfer für Wahrheit, Recht und Judenthum, eine Lücke, die schwerlich wieder ausgefüllt werden kann. Er aber ruhe jetzt ans von seinem großen Kampfe, den er für seine Brüder gekämpft, und uns und unseren Nachkommen möge die Frucht zeitigen, die er für uns gepflanzt hat.

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