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Der Israelit · 1897-12-09 · Heft 97 (9.12.1897) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 97 (9.12.1897)
Date
1897-12-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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,; yyuiwt-Jsw:- 1857 und zeigte durch Zahlen, daß das Einkommen, auf welches die Vermattung sich zu verlassen ein Recht hatte, in fortwährender Abnahme begriffen sei. Der Tempel in der Rue de Tournelles hatte ein jährliches Defizit zwischen 20,000 und 25,000 Francs, und jener in der Rue de Nazareth brachte es knapp zuwege, das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben zu erhalten. Der Tempel in der Rue de la Victoria ersetzt dies natürlich. Der Verkauf von Mizwoth, — es wird unsere Leser interessiren, daß vieser Gebrauch in Paris noch im Gang ist — und die Spenden zeigen eine große Abnahme, welche Herr Neymark einem Nachlaffen der religiösen Gefühle zuschreibt. Ein anderer Sprecher meinte, daß die Verwendung der Orgel in allen Synagogen, welche den Gefühlen einer Minorität von eifrigen Betern entgegengesetzt ist, ebenfalls für den unzulänglichen Stand der Angelegenheiten verantwortlich zu machen ist. Wenn man die Bemerkungen über ein Nachlaffen der religiösen Gefühle bedenkt, welche in der oben besprochenen Versammlung gemacht wurden, so scheint es beinahe eine Anomalie, wenn man erfährt, daß die Zahl der Succos von Jahr zu Jahr wächst, ungeachtet der Schwierigkeiten, welche dadurch entstehen, daß die Leute meistens in den Stockwerken wohnen. Bei dem letzten Laubhüttenfest waren die SuecoS zahlreicher als je, und aus einer Liste, welche von den „Archive» Jsraelites" veröffentlicht wurde, entnehmen wir, daß einige derselben in den modernsten Theilen der Stadt waren. England. ** London, 1. Dez. Aus Anlaß der begangenen Hundertjahr-Feier des Bestehens der Denmark- Court-Synagoge bespricht die „Times" in einem Leitartikel die Stellung der Juden in England. In den verstoffenen 100 Jahren, so wird in dem Artikel ausgeführt, hätten die Juden in England vollständiges Bürgerrecht erhalten, wofür ste das öffentliche und private Leben Englands bereichert hätten. Dann heißt es mit Bezug auf den Unterschied in der Stellung der Juden in England und anderen Ländern wörtlich weiter: Dieser Unterschied ist, soweit er existirt, zum Theil zurückzuführen auf die Thatsache, daß wir öfter und früher die Prinzipien der Duldung in ihrem weiteren Umfange zu erwägen gehabt haben, und daß die Besten jener Raffe sich längst in das englische nationale Leben gestürzt haben — das beste unb in der Xt)Qt das einzig wirksame Mittel gegen das Wiederaufleben von Vorurtheilen im Volke. Herr Jacobs (eine Autorität in der englisch-jüdischen Geschichtsschreibung Red.) hat in seinen Schriften darauf hingewiesen, daß die englischen Juden gegen Ende des 12. Jahrhunderts in der geistigen und literarischen Thätigkeit die Führung unter den Israeliten des nördlichen Europa unternommen haben. Dann kom» men die grausamen Maßregeln der Austreibung und Jahrhunderte lang war England keine Heimath für einen Juden, der seinen Glauben bekannte. Mitglieder der Raffe kehrten in erleuchteteren Zeiten zurück und langsam, aber sicher ging das Werk der Duldung weiter. Einige andere Länder sind nicht ganz zurückgeblieben und man mag hoffen, daß die bösen Leidenschaften, welche leicht gegen die Raffe erregt werden, ausfterben werden. Allein Engländer können wenigstens ehrlich den Anspruch erheben, daß England in Allem, was die Lage der Raffe in der ganzen Welt betrifft, der Hauptsitz für Sympathie und aktive Hilfe gewesen ist. Hier findet der unterdrückte Jude stets Verteidiger. Wenn es Leiden in Polen oder Rußland oder Oesterreich gibt, wenn Protest erhobm wird gegen grausame Erlaffe von Regierungen oder wilde Exzesse von Mobs — so kommt ein solcher Protest mindestens von englischen Rednertribünen. Etwas, wenn auch nicht zu viel, wird jedes Jahr zethan, um altes Unrecht gut zu machen. Dieser Tage hat übrigens auch in Birmingham eine besondere Feier der englischen Juden stattgesunden, nämlich der Jewish Historial Society. Rußland. ** Petersburg. Wir haben in der letzten Zeit oft von einer gewiffen Rührigkeit bei der Sekte der Karäer zu berichten gehabt. Die Seele aller Agitation ist der Chacham Pampulow in Gupatoria, der von dem Ehrgeiz beseelt ist, eine Regeneration dieser dem Untergang Verfallenen Sekte zu bewirken. Er ist nun dabei auf folgende ingeniöse Idee »erfüllen, zu deren Propaganda er sogar ein hebräische» Blatt begründen will. Bekanntlich gibt es in Rußland selbst etwa 43 karäische Gemeinden, die sich aber natürlicherweise ständig vermindern, da die Zahl der Mädchen weit die der jungen Männer übersteigt, und diese zudem oft nicht einmal heirathen. Diese Gemeinden und einzelne reiche Wohlthäter haben nun einen Fond» zusammengebracht, au» dem jedes Mädchen ein Mitgift von 600 Rubeln erhalten soll. Außerdem petilioniren sie an die Regierung, daß dieselbe jedem Talmudjnden, der ein karäische» Mädchen heirathet, die Rechte der Karäer verleihen möge. Man weiß, was das zu bedeuten hat: die Karäer sind emancipirt in Rußland und die Talmudjuden so bedrückt wie möglich. Es fragt fich nur, ob die Regierung auf diese Transaktion eingehen, und selbst für diesen Fall, ob die russischen Rabbiner solche Ehen billigen werden. Da» Letztere erscheint uns so gut wie ausgeschloffen.? Odessa, 2. Nov. Wie die Tagesblätter schon gemeldet haben, arbeitet die von der Regierung niedergesetzte Justizreform-Commission jetzt auch an dem

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