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Der Israelit · 1897-12-09 · Heft 97 (9.12.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 97 (9.12.1897)
Date
1897-12-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1849 zeuge, die sehr scharfen und spitzigen Krallen, die durch ihre Einrichtung und speeielle Einsetzung vornehmlich zum Beutefang geeignet sind. Man wird mir zugeben, daß sogar derjenige, der in feinem Leben noch nie Gelegenheit gehabt hätte, die Katze beim Beutefang selbst zu beobachten, doch beim Betrachten dieser scharfen, spitzigen und beweglichen Mordinftrumente auf den Gedanken kommen muß, daß der Besitzer von solchen Waffen auch gelegentlich davon Gebrauch machen wird. Der Ochs hingegen, er frißt keine Mäuse, er frißt Gras; er braucht hierzu durchaus keine Krallen, um dasselbe halten zu können, es läuft ja nicht vor ihm weg. Deshalb hat er auch keine Krallen, da sie ihm unnütz wären. Deshalb wird sich der stärkste Ochs nicht zum Mäusefang benutzen laffen. Während die Katze mit voller Kraftanwendung ihre Pfoten nebst Krallen in Bewegung setzt, um die vor ihr fortlaufende Beute halten zu können, wird es bei dem Ochsen niemals Vorkommen, daß er feinen Fuß um das Geringste deshalb bewegte. (Fortsetzung folgt.) Zertitrrgsnachrichten und Correspondenzeir. Deutschland. ** Berlin, 7. Dez. Der deutsche Gesandte in Bukarest hat sich den gemeinsamen Schritten angeschloffen, die die diplomatischen Vertretungen unter Führung des russischen Gesandten getyan haben, um ihrem Bedauern über die antisemitischen Exzeffe Ausdruck zu geben, bei denen auch gegen Angehörige fremder Staaten Gewaltthätigkeiten verübt worden sind. Oester r.-U ngar. Monarchie. Prag, 5. Dez. Von unserm Prager Correspondeuten erhallen wir die nachstehende zusammenhängende Schilderung der Vorgänge daselbst: Die Nachricht von der Demission des Grafen Badern hatte bei den Deutschen große Befriedigung hervorgerufen. Die deutschen Studenten veranstalteten am 29. November eine Demonstration, welche bei der czechischen Bevölkerung eine Gegendemonstration hervorrief, welche sich sofort in einer unerhört rohen empörenden Weise kundgab. Schon am 30. November wurden deutsche Studenten verhöhnt, verfolgt, mißhandelt und im Laufe dieses und des nächsten Tages nahmen die Ausschreitungen geradezu entsetzliche Dimensionen an. Es wurden in deutschen Häusern alle Fensterscheiben eingeschlagen. In dem Baron Aronthal'fchen Palais wurde das Erdgeschoß demolirt, das Palais Victor von Riedl, die Fabriken Klage u. Co., alle deutschen Schulen und Gymnasien, alle deutschen Vereine und Studentenkneipen, das deutsche Theater, der Verein Regatta wurden in irgend einer Weise beschädigt, die kostbaren anatomischen Präparate der deutschen Universität wurden in vandalischer Weise zerstört. EL wurde bei Deutschen und Juden eingebrochen, Waaren zum Theil geraubt, zum Theil muthwillig vernichtet. Am furchtbarsten wüthete der Pöbel gegen jüdische Ladenbesitzer. Auf dem Altstädter Ring hatte ein erst vor Kurzem angelangter Amerikaner ein höchst elegantes Caf^ errichtet. Der Mann — Schulhof heißt er und naturalisirter Amerikaner ist er — hatte während der kurzen Zeit seines Hierseins gewiß Niemanden den geringsten Anlaß zur Klage gegeben. In dem Parterrelokale wurden zunächst die Scheiben zerschlagen, die Fensterrahmen und Thüren zerschmettert, der Pöbel drang bei lichtem Hellen Tage ein, warf die kostbaren Sammtfauteuilles, die Marmortische, die Spiegel mit Goldrahmen auf die Straße, zertrümmerte alles, begoß das Brennbare mit Petroleum und verbrannte Alles. Aehntiche Greuetthaten würben vielfach namentlich auf den Weinbergen (dem größten Vororte Prags) verübt. Hier wurde geplündert, geraubt und in Brand gesteckt. Einem jüdischen Händler wurde, nachdem alle seine Waaren geraubt waren, der Revolver auf die Brust gesetzt und ihm unter Todesandrohung auch all sein Baargeld abgezwackt. Viele wurden nach der Plünderung noch gemißhandelt. Am empörendsten war es aber, daß in den Weinbergen jüdische Bürger geplündert wurden, welche der czechischen Partei mit Liebe und Opferwilligkeit angehören und durch ihre Stimmen bei der letzten Reichsrathswahl zu Gunsten des jungczechischen Candidaten entschieden. Zu die sen Verbrechen fehlte sogar jeder Vorwand. Diese entstammten nicht dem nationalen Fanatismus, nur dem brutalsten verdammenswerthesten Judenhasse. Dienstag, den 30. November, erkannte man, daß das 700 Mann starke Polizeikorps nicht zur Bewältigung des Aufstandes ausreichte und es trat fülitt; woch, am 1. Dezember, das Militär in Aktion. Am 2. Dezember, wo zur Plünderung noch Brandlegung und Mißhandlung von Deutschen und Juden getreten war und das Leben eines jeden Deutschredenden bedroht war, wurde das Standrecht publizirt und von allen Seiten, aus Brandeis, Königsgrätz, Brünn Wels u. a. O. große Truppenmaffen, deutsche Regimenter, nach Prag dirigirt. Mit der Verkündigung des Standrechts trat sofort die tiefste Ruhe ein. Die hiesige Kultusgemeinde hat als solche nur einen sehr geringfügigen, kaum nennenswerthen Schaden erlitten. ES war, nachdem der Gemeinde-Präsident Dr. Rosenbacher militärischen Schutz für die in der ehemaligen Judenstadt gelegenen Synagogen und des Rathhauses verlangt, sofort mit der größten Bereitwilligkeit eine starke Militärabtheiluug herdeibeordert worden, bei deren Ankunft die Empörer auseinanderstoben. Sie halten nur

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