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Der Israelit · 1897-12-09 · Heft 97 (9.12.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 97 (9.12.1897)
Date
1897-12-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1850 wenige Scheiben in dem Tempel und der Neusynagoge eingeschlagen. Alle anderen großen und kleinen Synagogen und auch das Rathhaus blieben vollkommen unversehrt. In einem weit von der ehemaligen Judenstadt gelegenen Hause, in welchem sich eine Synagoge und die Wohnungen für die Stiftungsrabbiner und das rituelle Bad befanden, wurden ebenerdig einige Fenster eingeschlagen. In der Vorstadt Carolinenthal, Holleschowitz, Babea und in dem Dorfe LiebauistnichtdieallergeringsteUnordnung vorgefallen. In den drei letztgenannten Ortschaften gehört die Bewohnerschaft, Arbeiter, zum größten Theile der sozialdemokratischen Partei an. Der Schaden der durch Demolirung und Plün> derung entstanden, ist ein enormer. Ganz außer allem Verhältniß, riesengroß ist aber jener, der dadurch entstanden, daß der Handelsverkehr vollständig gelähmt, der Zuzug von Fremden vollständig aufgehört hat und nur arbeitsscheues Gesindel vom Lande herein kam, um an der Plünderung theilzunehmen. Es hat sich, wie ein hiesiges Journal richtig bemerkt, bei dieser Gelegenheit die traurige Thatsache herausgestellt, daß Prag und Umgebung weit über ihre Bevölkerungsziffer hinaus einen beschäftigungslosen, verkommenen Mob besitzt, der, was Kopfzahl betrifft, sich mit den Weltstädten messen kann, was den Grad moralischer Verwahrlosung betrifft, seinesgleichen in Europa sucht. Frankreich. Paris, 7. Dez. Das „Protokoll" über die erste Phaie des wiedererwcckten Dreyfus-Handels veröffentlicht heute Emile Zola im „Figaro": Der Vorhang ist nach dem ersten Akte des furchtbaren Dramas, das an Brutalität und Niederträchtigkeit der Bestie im Menschen alles bisher Dagewesene übersteigt, gefallen. Ein Kriegsgericht ist mit der Angelegenheit befaßt und wird die ersehnte Wahrheit ergrtinden. In dem Protokoll nimmt Zola die drei Hauptfaktoren, die Presse, den Antisemitismus, die Zuschauer, nach einander vor. Wir wollen hier nur mittheilen, was er über den Antisemitismus sagt: „Und nun der Antisemitismus. Er trägt die Schuld. Einen Religions-, einen Rassenkrieg in dem Lande der Brüderlichkeit, in dem Jahrhundert der Befreiung anzufachen, das könnte als ein unsinniger Anachronismus erscheinen. Die Bewegung, die in einem eitlen Schriftsteller den Ausgangspunkt fand, der um jeden Preis eine Rolle spielen wollte, wird vielleicht nie das Land erfassen, allein das angcrichtete Unheil ist bereits groß: Das Volk ist vergiftet. Dem Antisemitismus verdankt man den Panama-Skantal und den ganzen Dreyfus-Handel, der sein Werk ist. Die Bande, die jeden Morgen Gift einträufelt, thut dies im Namen des Erlösers. Und wer vermag dafür einzustehen, daß der Judenhaß ohne Einfluß auf das Kriegsgericht gewesen ist, das DreyfuS als Verräther verurtheilt hat? Mußte nicht ein Jude ein Verräther sein? Jetzt, da man die Revision des Prozesses verlangt, bricht die Wuth los. Wenn die Unschuld des Juden erwiesen würde, dann erhielte der Antisemitismus den Todesstoß, und das muß um jeden Preis vermieden werden. Das Volk, das die Antisemiten vergiftet, könnte morgen zur Befreiung des Hauptmanns Dreyfuß eine Revolution machen, wenn irgend ein Ehrenmann es für die Gerechtigkeit begeisterte." Briefkasten der Redaction. *. Ä. in 24. März 1895 8. Nissan 5645. Der Knabe liest Briefkasten der Expedition I. E. in 9t : Die zweimalige Aufnahme der Annonce kostet Mk. 7.—. L. P. in T: Schriftstücke werden an die Redaktion adressirt. Ei« irr Hesse« Adresse lautet: Jewish Colonisation Association Paris, 2 Rae d’ElyssA E. vuxbaum, Lehrer, Beverungen: Betrag dankend erhalten und gutgeschrieben. «. Ä. in Oedeuburg r fl 2.— dankend erhalten. Herrn I. R in Gt.: Betrag von Mk. 4.— dankend empfangen. Letzte Nachrichte«. Die Ercesse m Bukarest. Die rumänische Regierung pflegt eine sehr strenge und willkürliche Censur über Telegramme ins Ausland auszuüben und so ist denn nicht zu verwundern, daß man erst jetzt Näheres über die schändliche Judenhetze in Bukarest am vorigen Sonntag erfährt. Wiener Blättern wird darüber aus Bukarest vom 6. d. M. gemeldet: „Eine nach vielen Tausenden zählende Menge, die mit Holzscheiten, Eisenstangen und Knütteln bewaffnet waren, und Haufen halbnackter Kinder wurden von einer Anzahl johlender Studenten unter dem Gebrüll „Nieder mit den Juden!" zu einem förmlichen Verwüstungszuge aufgestachelt. In dem vornehmsten Geschäftsviertel bis unmittelbar nächst der Polizeidirektion wurden Hunderte größerer und kleinerer Verkaufsläden demolirt, die Waare theils geplündert, theils zerfetzt auf die Straße geschleudert; die kostbaren Spiegelscheiben wurden fast durchwegs nach Wegstemmen der Rollbalken zertrümmert, die Gitter zum israelitischen Tempel erbrochen und in demselben arge Verwüstungen angerichtet. Kein tiefer gelegenes Fenster auf der Strecke,

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