Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-12-09 · Heft 97 (9.12.1897) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 97 (9.12.1897)
Date
1897-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448796--45034-2494159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1841 zu liefern, daß die vom Kölner Verein ins Leben gerufenen Bezirkskonferenzen nicht nur ein Segen, sondern eine Nothwendigkeit sind, so hätte diese Konferenz in ihrem Verlaufe den Beweis geliefert. Dies wurde nicht nur von den Lehrern, sondern auch von den Gästen der Konferenz hervorgehoben. Aber leider wird von den Lehrern diese Einrichtung noch nicht gebührend gewürdigt, waren doch von etwa 20 den Bezirken zugeiheilten Lehrern sage und schreibe fünf erschienen, um zu berathen, auf welche Weise dem Aschenbrödel der deutschen Lehrerschaft, dem jüdischen Lehrer, geholfen werden' könne, aus seiner unerträglichen Nothlage herauszukommen. Als Gäste waren anwesend: der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Dr. Rosenthal, Herr Bankier Wulff—Köln (Rendant des Vereins), Herr Lehrer a. D. Löb—Köln und Herr Lehrer Cohn—Rees, während der Vorsitzende der Schulkommission der hiesigen Synagogengemeinde, Herr M. Wildberg durch ein herzliche- Schreiben sein Bedauern ausdrückte, der wichtigen Berathung unvorhergesehener Umstände halber nicht beiwohnen zu können. Anwesend waren die Lehrer Goldschmidt und Gut—Köln, Cohen —Lechenich, Salomon—Beuel, Selig—Siegburg, Zivi—Düsseldorf, die übrigen Mitglieder — abgesehen von Kollege Heyum—Frechen — hatten es nicht einmal für nöthig erachtet, sich zu entschuldigen, ein Beweis dafür, welch geringes Jntereffe die jüdischen Lehrer unserer Gegend an der Befferstellung und den Angelegenheiten ihres Standes haben. Es ist eine betrübende Aufgabe für den Schriftführer, dies öffentlich darlegen zu müssen. Möge bald eine Wendung zum Besten eintreten! — Nachdem Goldschmidt die Kollegen und Gäste herzlich begrüßt hatte, nahm er das Wort zum Vortrage über das Thema: „Welche Pflichten erwachsen den jüdischen Gemeinden zufolge des Lehrerbesoldungsgesetzes?" Da der Vortrag, der wohlverdienten Beifall fand, in den jüdischen Zeitungen zum Abdruck gelangen soll, kann ich mich hier darauf .beschränken, zu konftatiren, daß folgende Resolution einstimmige Annahme fand: Nachdem das Dienfteinkommen der Lehrer an den öffentlichen Volksschulen eine gesetzliche Regelung erfahren hat, ist es eine unabweisbare, heilige Pflicht der jüdischen Gemeinden, ihre Lehrer in allen ihren Anstellungsbezeichnungen den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen gleichzustellen. Zu diesem Zweck muß für ihn angestrebt werden: 1. Eine unkündbare Anstellung. 2. Eine Besoldung, die übereinstimmt mit der Besoldungsordnung der Lehrer an den öffentlichen Volksschulen des betr. Ortes und ebenfalls besteht a in einem Grundgehalt, b in neun Alterszulagen und 6 freier Wohnung oder entsprechender MiethSentschädigung. 3. Pensionsberechtigung. 4. Versorgung seiner Hinterbliebenen. An den Vortrag reihte sich eine lebhafte. anregende Diskussion, an welcher sich fast alle betheiligten. Während Cohen—Ree» und Zivi—Düsseldorf den Standpunkt vertraten, die Lehrervereine sollten mit ihrem Wunschzettel an die Gemeindemitglieder und besonders die Gemeindevorsteher herantreten, glaubten der Vortragende und der Schriftführer, erst müsse in den Lehrern selbst da» Bewußtsein und die Erkenntniß dafür geweckt werden , was als unabweisbare Forderung aufzuftellen und zu vertreten sei. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Lehrer noch nicht einmal, was erreichbar ist, annehmen. Der Kölner Verein fordert unausgesetzt seine Mitglieder aus, in Versorgungskaffen einzutreten und erbietet sich, dreiviertel der Kosten zu tragen, und wie wenige machen von dieser segensreichen Institution Gebrauch! Es läßt sich dies nicht anders erklären, als daß die jüd. Lehrer sich mit stummer Resignation in ihr trauriges Schicksal ergeben und auch nicht den Strohhalm ergreifen, der ihnen von Freunden gereicht wird. Eine solche Ergebung ist aber schlecht angebracht, handelt es sich doch um nichts geringeres, als um die Zukunft der Familie, der Frau und der Kinder. Mit warmem Gefühl schilderte Goldschmidt-Köln, wie der christliche Lehrer in den letzten 100 Jahren sich emporgearbeitet und heute eine achtunggebietende Stellung erobert hat. War bisher das Loos des jüdischen Lehrers im Vergleich zu seinem christlichen Amtsbruder ein trauriges, so wird es nach Inkrafttreten des Lehrerbesoldungsgesetzes mit seinen Wohlthaten geradezu beschämend. Dort Grundgehalt, Alterszulagen, Wohnungsentschädigung, unkündbare Stellung, hier Kontrakt, Kündigung, keine Spur von Atters-, Wittwen- und Waisenversorgung, ewig gleichbleibendes, ungenügendes Einkommen. Wenn eine Berathung, die sich diese Verhältniffe zum Ziele fetzt, nicht das Jntereffe der Betheiligten findet, wer soll sich dann dafür interessiren? — In den freien Besprechungen wurde hauptsächlich die Einigungsfrage behandelt, die wohl im nächsten Monate ihre endgültige Erledigung finden wird. Das Schriftführeramt für die Bezirke I und II übernimmt vom Jahre 1898 ab Cohen-Lechenich. Nach einigen warmen Worten des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthat, welcher dem Vereine und der Lehrerschaft fein wärmstes Jntereffe versicherte, schloß der Vorsitzende, Seelig-Siegburg, die anregend verlaufene Konferenz mit dem Wunsche, daß bei der nächsten Berathung die Kollegen sich möglichst vollzählig betheiligen möchten in ihrem eigenen Interesse und zum Wohle der jüdischen Schule. E. Gut-Köln. Oe st e rr.-Ungar. Monarchie. Wartburg, im Dez. (Gegen die Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Werner, München) richten sich eine Reihe uns zugegangener Zuschriften, von denen wir nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.