Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 97 (9.12.1897)
- Date
- 1897-12-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1842 die folgende veröffentlichen wollen: „In der Beilage zu Nr. 9< Ihres weitverbreiteten und selbst von den Chassidim gerne gelesenen Blattes wird der von Rabbiner Werner in München unter lebhaften Beifall aufgenommene Vortrag über die Sekten im Judenthume, ohne jede Randbemerkung der Redaktion gebracht, was geeignet ist, gerechte Entrüstung im Lager des gesetzestreuen Judenthums hervorzurufen. Herr Rabb. Werner, der die Warnung unserer Weisen eanma nrwr own außeracht läßt, stellt als Warnungstafel den Chassidismus hin, spottet über ihre frommen Gebräuche, und behauptet, daß Chassidismus zur Verwüstung und Verletzung des Heiligsten führen muß! Ich bin weit davon entfernt, mich als Chassid zu geriren, lebe und wirke zwar in einer strengen orthodoxen Gemeinde, wo aber der Chassidismus ein ganz fremder Begriff ist — habe jedoch, als ich zu den Füßen des weltberühmten Gaon Mahram Schik in MaroS-Huft saß, mir den klaren, reinen, unverfälschten Begriff über Chassidismus verschafft, und vermag daher ohne jede Voreingenommenheit die Behauptung aufzustellen, daß Chassidismus der Inbegriff wahrer Gottergebenheit, edler Menschenfreundlichkeit, und an Selbstverleugnung grenzende Bescheidenheit ist, daß Chassidismus zu Sittenreinheit und zu den schönsten, jüdischen Tugenden führt. Der Chassidismus ist daher ein Damm gegen Gottlosigkeit und Sittenverderbtheit, durch welchen der ewige Fortbestand unserer heiligen nim und nmy gesichert wird. Jsak Bresnitz, Bez.-Rabb." ** Prag. Am 23. November ist der ehemalige Verlagsbuchhändler Herr Jakob W. Pascheles, in seiner Wohnung plötzlich im 59. Lebensjahre verschieden. Die von großer Belesenheit unterstützten frühzeitig entwickelten geistigen Anlagen des Verblichenen, seine weitreichende Bildung und sein talmudifches Wiffen, das er unter Anleitung seines Lehrers, des unvergeßlichen Gelehrten R. Jonas Barbier (Rose), durch eifriges Studium erwarb, kamen ihm in seinem buchhändlerischen Berufe außerordentlich zustatten. Diesem gab er sich mit Freudigkeit und rastloser Tbätigkeit hin, insbesondere war es das Feld der Judaica, das er mit richtigem Verftändniß gepflegt hat. Außerhalb seiner Berufssphäre, in die er auch schriftstellerische Thätig- M1 mit einbezog, widmete er sich ausschließlich seiner Familie mit zärtlicher Gattenliebe und väterlicher Fürsorge, ohne jedoch seine Humanitären Bestrebungen zu beeinträchtigen, wie er denn auch der Israel. Beerdigungsbrüderschaft, der Zigeunersynagoge und dem Kreuzer-Verein für Krankenpflege als Vorstandsmitglied angehörte. Vor kaum zwei Jahren zog er sich von seinem Buchhandlungsschäfte ins Stillleben zurück. Daß dieses so bald und so plötzlich sich abschließen werde, vermochte Niemand zu ahnen. — Am 26. November fand das Leichenbegängniß unter überaus zahlreicher Betheiligung statt. Hinter dem sechsspännigen Gala-Leichenwagen, den der Vorstand der isr. Beerdigungs-Brüderschaft seinem verstorbenen Mitgliede zu Ehren unentgeltlich beigestellt hatte, schritten die Leidtragenden, ihnen folgte der Oberrabbiner Herr Dr. N. Ehrenfeld, der Rabbiner der Zigeunersynagoge Herr Dr. A. Deutsch, beide im Ornat und Herr Dr. I. Hirsch, Rabbiner in Karolinenth if, sodann der Präses der Prager iSr. Cultusgemeinde Herr Dr. Arnold Rosenbacher, dessen Stellvertreter Herr Dr. Bendiener, der Gesammtvorstand der Prager isr. Beeroigungsbrüderr schaft, Bo steher der isr. BeervigungSbrüderfchaft in Karolrnenthal und Smichov, Vorsteher des Prager Tempels und der Synagogen, des Kreuzer-Vereines für Krankenpflege, sowie andere humaniärer Vereine und unzählige Trauergässe, unter diesen Advokaten, Aerzte, Bankbeamte und Kaufleutc. Auch wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen treuen Freund und Mitarbeiter, der unserem Blatte manches wertyvolle Feuilleton aus dem altjüd. Leben Prags lieferte. Red. d. Israelit. ** Prag, 6. Dez. (Die antisemitischen und tschechischen Putsche in Böhmen.) Gestern früh, unmittelbar nach Mitternacht, wurden die Truppen von den Straßen zurückgezogen. Während des ganzen gestrigen Tages durchzogen Militärpatrouillen die Stadt. Allmählich wird der Verkehr wieder ausgenommen. Das Standgericht ist gebildet worden. Der Scharfrichter, dessen Gehilfen und ein Seelsorger befinden im Gerichtsgebäude zur Verfügung des Standgerichts. Die erwarteten Truppenverstär« kungen sind eingetroffen und es befinden sich fitzt 26 Bataillone Infanterie und 12 Schwadronen in Prag. In Kömggrätz haben ebenfalls grobe Ausschreitungen stattgefunden. Wie die „Narodni Lifty" von dort melden, wurden in einem Gasthause und in mehreren Geschäftshäusern israelitischer Besitzer die Fenster vom Straßenpöbel zertrümmert; erst als die Straßen vom Militär abgesperrt wurden, verzogen sich die antisemitischen und tschechischen Ruhestörer. Auch aus Laun und Kralup werden Ausschreitungen gemeldet, im letzteren Ort wurden zwei jüdischen Einwohnern die Fenster eingeschlagen. Die Gendarmerie zerstreute die Menge. Der Ministerpräsident Freiherr v. Gautsch empfing gestern eine Abordnung der in Prag lebenden Deutschen, bestehend aus dem Stellvertreter des Oberst- Landmarschalls Lipperl, sowie den Abgeordneten Schlesinger und Kienmann, und gab ihnen die beruhigendsten Versicherungen hinsichtlich der Erhaltung der Ruhe und Ordnung in Prag und des Schutzes der Personen und des Eigenthums. ** Budapest, 1. Dez. Die haarsträubende i Brutalität, welche einige Burschen der Ortschaft