Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1897)
- Date
- 1897-12-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWDWWHWWWWWMWWDWWWWUffSM-K^«^ 1833 Christ öffentlich ausgesprochen, ohne daß darauf eine journalistische Judendebatte erfolgte. Nehmen wir aber an, der Kaiser hat thatsächlich das gesagt, was die Blätter berichteten; so beging derselbe gewiß nach keiner Seite hin den geringsten Verstoß, wenn er als ein Herrscher christlichen Bekenntniffer von und über seinen Glauben so oft und so viel spricht, als er eben Lust hat. Wenn aber diese Aeußerungen als gegen das Judenthum gerichtet, aufgefaßt werden, so beweist dies weiter nichts, als übergroße Empfindlichkeit auf jüdischer und judenfreundlicher Seite und die Ausbeulung eines jeden Antaffes auf antisemitischer Seite, um gegen die Juden lorzuziehen. ** Kassel. (Prüfung.) Vor einigen Tagen fand im israelitischen Lehrerseminar die zweite Lehrerprüfung statt. Für die schriftliche Prüfung waren folgende Themen gestellt: Pädagogischer Aussatz: Belohnung und Bestrafung in der Volksschule. Religion: Moses Tod. Hebräisch: Psalm 8, exegetisch behandeln. Naturgeschichte: Die Steinkohle, schulgemäß behandeln. Die mündliche Prüfung war eine rein methodische. Von den Lehrproben seien erwähnt : Einführung in die Bruchrechnung. Davids Großmuth gegen Saul. Von den vier Examinanden, welche in die Prüfung eintraten — der fünfte Herr, der sich gemeldet hatte, ist inzwischen zum Versicherungsfach übergegangen — bestanden zwei. ** Bautzen, 29. Nov. Dieser Tage fand eine Sitzung des Stadlverordneten-Kollegium statt. Bei der Berathung des Haushallplanes für die Bürgerschulen kam e« zur Besprechung, daß in einem Schulgebäude — israelitischer Religionsunterricht ertheilt würde. Ueber dieses Verbrechen entspann sich eine längere Debatte. Herr Wilhelm erwähnte, daß es auf das religiöse Empfinden vieler verstimmend wirke, daß in dem Schulgebäude am Lauengraben allwöchentlich von einem auömärtigen Rabbiner jüdischer Religionsunterricht erteilt metbe. Wan könne keineswegs gleichgiltig mit ansehen, wenn in denselben Räumen, in denen die Lehrer unfern Kindern den Stifter der christlichen Religion als höchstes Ideal vorzeichnen, eine Stunde später derselben den Stifter der christlichen Religion als falscher Messias aus des Rabbiners Munde dargeftellt werde. So lange wir keine Simultanschulen, sondern christliche Schulen in Bautzen haben, sollte, wie es auch noch bis vor wenigen Jahren der Fall war, jüdischer Religionsunterricht in einem christlichen Schulgebäude nicht ertheilt werden dürfen. Herr Stadtrath Heerklotz erklärte, daß die Kinder, welche jüdischen Unterricht genöffen, Kinder unserer Bürgerschulen seien; der bezügliche Unterricht würde im Kombinationszimmer der Schule ertheilt und glaube er kaum, daß sich das Kollegium dagegen aussprechen würde. Herr Franz weist darauf hin, daß die jüdische Gemeinde keine Schulanlagen (nur Schulgeld) zahle, es müßte also mindenstens Miethzins für die außerordentliche Benutzung der Schulräume gefordert und in den Etat eingestellt werden. Herr Richter II. stellte hierauf den Antrag: „Das Kollegium wolle beschließen, den Stadtrath zu ersuchen, dahingehende Anordnungen zu treffen, daß jüdischer Religionsunterricht in einem evangelisch-lutherischen Schulgebäude Bautzens nicht mehr ertheilt werden darf." Bei der sodann folgenden Abstimmung wurde der Antrag des Herrn Richter II. einstimmig angenommen. Soweit der Bericht der „Bautzner Nachrichten", eines amtlichen Blattes, vom 19. November. Einen Lorbeerkranz werden die Bautzener Stadtväter kaum erhalten. Daß innerhalb derfelbkn vier Wände nicht evangelischer und israelitischer Religionsunterricht ertheilt werden darf, zeugt von einer ungewöhnlichen Engherzigkeit. Oesterr.-Ungar. Monarchie. ** Tarnow. Vor einigen Tagen feierte der im Jahre 1872 gegründete Verein „Bikur Cholim" das Jubiläum seines 25jährigen Bestandes. Der Verein zählt heute an 500 zahlende Mitglieder und die Reihe der Jahre seines Bestehens bildet zugleich ein Vierteljahrhunderi des ersprießlichsten, thatkräftigsten gemeinsamen Wirkens zur Linderung des Elends und der Leiden unserer armen Glaubensbrüder. Was Wunder, daß sich Alle znsammenthaten, um dies Fest der-verkörperten Idee der Humanität würdig zu feiern. Im festlich geschmückten eigenen Hause des Vereines erschienen die Spitzen aller Behörden, unter denen der Vezirkshauptmann, Bürgermeister und Andere, und versammelte sich eine große Anzahl der Mitglieder. Nachdem eine Andacht abgehalten und Chöre abgesungen wurden, schilderte der Präsident des Vereins in eindrucksvollen Worten die Geschichte und das Wirken dieser wohlthätigen Gesellschaft. Redner hob hervor, daß der Verein schon ein Jahr nach seiner Gründung, als im Jahre 1873 bie Cholera in unserer Stadt wüthete und viele Opfer forderte, sich erfolgreich bethätigte. Damals warerr die Mitglieder des „Bikur Cholim" die Ersten, wo Hilfe und Beistand zu leisten waren, dabei keinen Unterschied der Consession noch der Nationalität berücksichtigend. Nachdem der Präsident mit einem Hoch aus Se. Majestät den Kaiser seine intereffanten Ausführungen geschlossen hatte, wurden noch einige Reden darunter eine in hebräischer Sprache gehalten und zwei noch lebende Gründer des Vereines, die Herren Bernhard Maschler und Salomon Kleiner zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Die überaus würdig und ernst gehaltene Jubiläumsfeier machte auf alle Anwesenden den besten Eindruck und Alle sprachen sich mit Befriedigung über den Verlaus