Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1897)
- Date
- 1897-12-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1832 Hallen halten. Es fand stellenweise ein wüthendes Handgemenge statt, das zahlreiche Verletzungen zur Folge hatte. Prag, 2. Dez. In Werschwitz hauste der Pöbel in geradezu vandalischer Weise in dem im Nebenhause befindlichen, einem Juden gehörigen Branntweingeschäfte. Alles, was sich darin befand, wurde kurz und klein geschlagen. Die Menge warf die Branntweinfässer von den Regalen herab, ließ deren Inhalt auslausen und warf die leeren Fässer aus die Straße, wo sie die auken harrenden Genossen theils zertrümmerten, theils davonschleppen. Nach etwa einer Stunde mar der Pöbelhaufe, der ungefähr 300 Mann stark war, mit diesem Zerstörungswerke fertig geworden. Während dieser ganzen Zeit — der Vorfall spielte sich zwischen 7 und 8 Uhr Abends ab — erschien die Polizei nicht. Prag, 2. Dez. Abends. In Schmichow haben Auflehnungen gegen das Stanvrecht stattgesunden. Während der Kundmachung des Standrechtes brachen einzelne Individuen in höhnische Rufe aus, worauf sofort einige Personen verhaftet worden, welche standrechtlich behandelt werden. Ferner haben etwa zwei Stunden nach der Proclamirung des Standrechtes Excedenten die Synagoge zu demoliren versucht, und als eine Militär-Patrouille von drei Mann gegen sie Stellung nahm, Steine auf die Mannschaft geworfen, welche Feuer gab, ohne jedoch Jemanden zu verwunden, woraus die Excedenten entflohen. Prag, 2. Dez. Der Präsident der Cultusgemeinde in den Weinbergen, Advocat Dr. Hamburger, dessen Wohnung verwüstet wurde, ist mit seiner Familie nach Wien abgereist. „Prag, 2. Dez. Ein Augenzeuge berichtet über das gestrige Wülhen des Pöbels beim Plündern der Läden: Fast sämmlliche jüdischen und viele andere Geschäfte wurden erbrochen und ausgeraubl. Weiber und halbwüchsige Mädchen nahmen die Beute in Empfang und schleppten sie in die nahen Ortschaften, aus welchen sie truppenweise herangezogen waren. Beinahe sechs Stunden tobte der Pöbel, bis von der Polizei oder dem Militär seinem vandalischen Zerstörungswerke ein Ende bereitet wurde." Prag, 3. Dez. Nach Berieten aus Kralup wurden daselbst in den Wohnungen zweier jüdischer Einwohner die Fenster eingeschlagen. Die Gendarmerie schritt ein und vertrieb die Excendenten, In Nachod wurden die Fenster der Synagoge eingeschlagen. Prag, 3. Dez. Die czechischen Blätter derichten aus Beraun, einer Station der Böhmischen Wrftbahn, daß daselbst sich gestern um 7 Uhr Abends große Volkshaufen zusammenrotteten und anfingen, die Läden jüdischer Geschäftsleute zu verwüsten. Es wurden denselben die Fenster eingeworfen. Königgrätz, 3. Dez. Auch hier haben gestern große Ausschreitungen statt gefunden. Ein Trupp von Leuten aus der Umgebung zog gegen 8 Uhr Abends in die Stadt. Sie schlugen zunächst die Fenster des neuen „Grand Hotel Frankel" ein und warfen auf ihrem weiteren Zuge durch die Stadt auch die Fensterscheiben in den Häusern und Geschäften zahlreicher jüdischer Bürger und Geschäftsleute ein. Der Bürgermeister suchte die Menge zu beschwichtigen, was aber erst gegen 10 Uhr Abends gelang. Eine Compagnie des 21. Infanterie-Regiments stand bei der Hauptwache in Bereitschaft und besorgte auch den Patrouillendienst. Melnik, 2. Dez. Gestern Abends wurden in mehreren von Juden bewohnten Häusern die Fenster eingeworfen, desgleichen fast sämmtliche Fenster der israelitischen Schule. Verletzungen sind nicht vorgekommen. Melnik, 3. Dez. Gestern Abends kam es zu neuerlichen Excessen. Von Israeliten bewohnte Häuser wurden mit Steinen beworfen und die Fenster zertrümmert, der Laden des oeutschen Tabakverlegers Ulrich wurde angegriffen, die Plünderung desselben jedoch durch oas Eingreifen des Bezirkshauptmannes und der Gendarmerie verhindert. Ein Excedent wurve hiebei verhaftet. Tabor, 4. Dez. Gestern Abends fanden hier Exceffe gegen Juden statt. Es wurden viele Fensterscheiben der von Juden bewohnten Häuser sowie der Synagoge zertrümmert. Fünf Personen wurden verhaftet. Die Gendarmerie wurde verstärkt und Militärrequirirt. Zeitungsnachrichten und Tsrrespondenzen Deutschland. ** Berlin, 30. Nov. Die Qualifikation der jüdischm Soldaten ist in der abgelaufenen Woche anläßlich der Vereidigung der Rekruten in Berlin Gegenstand lebhafter Diskussion gewesen, die sich dabei freilich nur auf die Reportermeloung über eine Kaiferrede, welche gar nicht in authentischem Wortlaut vorliegt, stützte. Wir dürfen die Aeußerungen der politischen Blätter aller Richtungen als bekannt vorausfetzen. Unserer Meinung nach war die Rede eine Mahnung an die Soldaten, ihrer Religion treu zu bleiben, da nur ein wahrhaft gläubiger Mensch ein guter Soldat fein könne. Sie richteten sich an die christlichen Soldaten, da die jüdischen, etwa neunzig an der Zahl, inzwischen bereits in der Synagoge vereidigt und zur Treue für Kaiser und Reich ermahnt worden waren. Kaiser Wilhelm II. hat seit seinem RegierungSantrit noch niemals das Wort