Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1897)
- Date
- 1897-12-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1834 derselben aus. Anläßlich des Jubiläums votirten die hiesige Sparkasse und der Magistrat zu Gunsten des Vereines namhafte Beiträge. ** Budapest. (Mitgliederaufnahme in der „Chewra Kadischa/J Von drei zu drei Jahren ftndet bei der Pester Chewra Kadischa unter althergebrachten Ceremonien die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Die Aeltesten der Gemeinde und auch solche Mitglieder, die sich um die Religionsgemeinde, um Kunst und Wissenschaft Verdienste erworben, sitzen im festlich beleuchteten Prunksaale des „heiligen VoreinS" an einem hufeisenförmigen Tische, aus welchem die silbernen Zierrathen der Thorarollen in reicher Fülle aufgestellt sind. Auf einer in den Nationalfarben arrangirten Draperie sind zierliche „Procheß" (Vorhänge der Bundeslade) angebracht und der Präsident des heiligen Vereins sitzt am Tische obenan unter einem mit heiligen Sprüchen und eingestickten heiligen Emblemen verzierten Baldachin. Hieher werden dre im Vorzimmer harrenden Petenten von zwei Vertrauensmännern geleitet und hier werden sie zu Brüdern der Chewra geweiht und mit Handschlag begrüßt. Jedes neueintretende Mitglied zahlt eine seinen Vermögen-Verhältnissen angepaßte Jncorporationstaxe, deren mathemathische Einheit die Zahl 18 bildet, die bei armen Leuten zur Hälfte, bei wohlhabenderen aber drei- und vierfach in Gulden bemessen wird. Ueberdies stehen auf den Tischen diverse Opferbüchsen, in welche der Aufgenommene die der Nächstenliebe gewidmeten Beträge uncontrolirt spenden kann. Die Pester Chewra Kadischa besteht seit 110 Jahren und ihre der Humanität geweihte segensreiche Wirksamkeit ftndet in einem Ausgabenbudget von jährlich 200 000 Gulden prägnanten Ausdruck. Vor drei Jahren bewarben sich 1641 Personen um Ausnahme und spendeten bei dieser Gelegenheit zusammen 68 000 Gulden. Die diesjährige Mitgliederaufnahme beginnt am 8. Dezember. Budapest. Baron Bela Atzel, der berüchtigte antisemitische Magnat, der Karsai in einem Duell schwer verwundete, hat am 22. v. M. seine Gesängnißstrafe angetreten. Karsai ist Reserve-Oberlieutenant, Sohn des verstorbenen, immens reichen, jüdischen Großgrundbesitzers Samuel Karsai, der von Sr. Majestät vielfach ausgezeichnet wurde. — Andreas Mechwart, Ingenieur, Direktor der Ganz'schen Eisengießerei, hat am 22. v. M. 3000 Gulden der könig. Ungar. Akademie der Wissenschaften gespendet, weil er dieser Jahr den Wahrmann-Preis gewonnen hat. Moritz Wahrmann hat bekanntlich eine große Stiftung und eine ungeheuere Summe der ungar. Akademie gespendet; die größte Stiftung seitens unserer Glaubensgenoffen machte vor einigen Jahren das Magnatenhaus-Mitglied Siegmund Brody, der weltberühmte jüdische Wohlthäter, der bereits ungeheure Summen zu wohlthätigen Zwecken verwendete. — Michael MeSzaros, pensionirter Honvedhauptmann, der sich im Jahre 1848—49 im ungar. FreiheitSkampf vielfach auszeichnete, ist am 21. o. M. im Alter von 68 Jahren gestorben; der Verblichene war kern Jude, aber ein Judenfreund ersten Ranges, der arme jüdische Schulkinder, Wittwen und Waisen unterstützte. — Sigmund Gomperz, Großgrundbesitzer, wurde mit Begeisterung zum Vicepräsidenten des Pester israel. Altersversorgungshauses gewählt. — In Moha'cs wurde vor. Monat eine Talmud Thora- Schute gegründet. Zum Präsidenten wurde einstimmig der könig. ung. Richter Julius Tornai, ein sehr frommer Jude, zum Direktor Dr. Arnim Flesch, der hervorragende Gelehrte und Redner, Ober-Rabbiner daselbst, gewählt. — Der königl. ung. Minister des Innern hat Salomon Schwarz zum Matrikelführer in Nagy-Atad ernannt. — In Budapest in der Leopoldstadt wird ein monumentaler Tempel mit einem Kosteuauswande von mehr als zwei Millionen Gulden gebaut. Das Gotteshaus muß in ungarischem Styl gebaut werden; Baron Siegmund Schoßberger hat erklärt, 100,000 Gulden zu diesem Zwecke zu spenden. J. Sp. Pretzburg. Rabbi Salomon Kralosßky ^•atr ist in dem bohen Alter von 80 Jahren gestorben. Tiefgehende Trauer ist in unserer Mitte eingekehrt und wird weit hinaus ein schmerzliches Echo erwecken. Wenn in unserer Zeit, in der die wahrhaften in spärlicher Zahl vorhanden sind, wir einen Mann verlieren, der durch die Reinheit und Güte seines Herzen?, durch die Erleuchtung seines Geistes sich ausgezeichnet, der als „tepö: px; dagestanden; dann ist der Verlust so grob, so unersetzlich, daß es jeoen mächtig ergreifen muß. Der Dahingeschiedene war einer der hierorts lebenden alten Garde, dessen Leben und Streben in bescheidener Zurückgezogenheit der fHtsy? nrn qewib: met war. Wir wissen nicht, welche von seinen Tugenden wir hervorheben sollen, die tiefe Gelehrsamkeit oder diej demuthsvolle Frömmigkeit; seine große Menschenliebe oder die unermüdliche Kraft seines Fleißes, wir müssen uns darauf beschränken zu behaupten, daß wir in dem Verewigten Vsi einen ncsrni muis b'n: verloren haben. Als Beweis der Werthschätzung und Achtung, die sich der Heimgegangene allseitig erworben, mag wohl die große Betheiligung an dem Leichenbegängnisse gelten. Es war ein ansehnlicher, unübersehbarer und imposanter Conduct, der dem Verblichenen das letzte Ehrengeleite gab. Sechs Redner gaben der tiefen Trauer um den Verstorbenen beredten Ausdruck. rrajMri.