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Der Israelit · 1897-12-06 · Heft 96 (6.12.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 96 (6.12.1897)
Date
1897-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVUI. Jahrgang. KeUage M M 96 -es «Israelit". Leitender Artikel. Die «stlskiiiMsüi'ürihislhr» Kitsche tu KSHm». Wien, 2. Dez. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Prag: Der czechische Pöbel plünderte viele deutsche, namentlich jüdische Geschäfte unter dem Rufe-. Auf gegen Deutsche und Juden. Um 8 Uhr Abends führte das Militär die Schließung der öffentlichen Lokalitäten durch. Bei dem Sturm auf die deutsche Volksschule in Zizkow wurde die Sicherheitswache, welche mit dem Säbel einschritt, mit Nevolverschüssen empfangen. Nun schoß auch die Wache mit Revolver in die Menge hinein. Ein Mann wurde schwer verwundet. In der Jungenauergaffe zu Prag wurden Nachts um 11 Uhr zwei Läden erbrochen und geplündert. Die Militärpatrouille vertrieb die Plünderer. In Weinberge wurde eine Bude mit Petroleum bestrichen und angezündet. In Lieben bei Prag wurden 21 Excedenten festgenommen. Andere Exeedenten plünderten den Branntweinschank, über 20 Lager. Das amerikanische Consulat Prag hißte die Flagge. Die Excesse sollen durch den geheimen Verein zur Bekämpfung des Deutschthums und des Judenthums organisirt sein. Prag, 2. Dez. Gegen 2 Uhr Morgens meldete der Feuer-Automat den Ausbruch eines Brandes bei dem Heuhändler Fischer in der Stadt Weinberge. Fischer ist ein Jude. Die Excedenten hatten das Heu angezündet. Truppen rückten im Sturmschritte dahin ab. Die Feuerwehr konnte das Feuer erst nach längerer Zeit löschen. Diese Brandlegung war die letzte große Ausschreitung während der verffossenen Nacht. Prag, 2. Dez. Heute Morgens um 9 Uhr trafen bei der Polizei schon wieder Anzeigen ein, daß in der Stadt Weinberge neuerdings geplündert werde. Die Polizei verständigte das Militär, welches nun abermals im Sturmschritte dorthin zog. Auch die Hauptstraßen wurden wieder von den Truppen besetzt. Noch bevor das Militär die Stadt Weinberge erreichen konnte, hatten die Excedenten — es geschah dies zwischen 9 und halb 10 Uhr Vormittags — die Läden eines Canditenhändlers und eines Schnittwaarenhändlers vollständig ausgeplündert. Die Rotte theilte sich in die geraubten Gegenstände und eilte dann davon. Beide Geschäftsleute sind Juden. Prag, 2. Dez. Heute Mittag wendete sich der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in der Vorstadt Weinberge in Prag telegraphisch an den Erbauer der dortigen Synagoge, den Baurath Stiaßny in Wien, mit der Bitte, sich sofort an den Minister- Präsidenten Baron Gantsch zu wenden und um Schutz für dieses erst im Vorjahre sertiggestellte Bauwerk zu ersuchen, welches der Pöbel anzuzünden drohte. In Abwesenheit des Minister-Präsidenten erhielt Baurath Stiaßny im Minister-Präsidium die Zusicherung, daß auf telephonischem Wege der Schutz für das bedrohte Gotteshaus angeordnet werden wird. Diese Drohung des Prager czechischen Mobs ist um so auffallender, als die Juden in der Gemeinde Weinberge in allen politischen Fragen mit den Czechen gingen und bei allen Wahlen für die jungezechischen Candidaten eintraten. Prag, 3. Dez. Im Vorort Smichow fanden ebenfalls Plünderungen deutscher und jüdischer Geschäfte statt, ferner ein Angriff aus Kluge'» Canditenfabrik und auf die Synagoge, welch' letztere stark beschädigt wurde. Als die Excedenten gegen die Richter'sche Spinnfabrik zogen, trat ihnen da» herbeigeeilte Militär entgegen und zerstreute sie. Prag, 2. Dez. Besonders bemerkenSwerth ist folgender Bericht der „Politik" über die Plünderung der Läden jüdischer Geschäftsleute: Gegen 3 Uhr versammelte sich bei dem Rudolphinum und auf dem Kreuzherrnplatz eine große, an 2000 Mann zählende Volksmenge. Dieselbe drang durch die Plattnergaffe in die Enge Gaffe und fing an, die Läden der isrealitischen Geschäftsleute Moriz Taussig und Wotitzky zu stürmen, welche an der Stelle einer seinerzeit berüchtigten Branntweinschänke placirt sind, dann ferner Taussig's Apotheke nächst der russischen Kirche, den Bäckerladen des Wilhelm Löwit und das Haus Nr. 7 gegenüber dem ehemaligen Gafthause zu den „Drei Karpfen". Der Laden Löwit's wurde irrigerweise in der Weise geplündert, weil man daselbst die Wohnung des Couleurstudenten Ein. Löwy vermuthete, welcher den Mediciner Marik am Montag verwundet hat. Nun ging es durch die Josephsgaffe. Hier wurde in den Läden der Geschäftsleute Lud. Löbisch, Wilhelmine Taussig, S. Berg, Jg. Freuler, Julie Taussig, Marcus Kominik eine arge Verwüstung angerichtet und nahezu in sämmtlichen Gaffen der Judenstadt die hebräischen und deutschen Tafeln herabgeriffen. In drei Synagogen der Josephstadt hauste der Pöbel fürchterlich. Nach dem Berichte der Narodni Politika boten die drei Gotteshäuser binnen Kurzem den Anblick „demolirungsreiser Baraken". In den engsten Gaffen der Josephstadt kam es zu einem förmlichen Straßenkampfe, als die an ihrem Leben bedrohten Juden militärischen Succur» er-

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