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Der Israelit · 1897-12-06 · Heft 96 (6.12.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 96 (6.12.1897)
Date
1897-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1826 weiler; Maier b. Aron Treves, Rabbiner in Buxweiler (Elsaß.) AuS neuerer Zeit seien noch die Rabbiner Mendel ben Abraham Drerffus in Sulzburg (Baden), Verfasser von nix und Rabbiner Samuel DreyfuS in Mühlhausen, Redakteur der Zeitschrift Le lien d’Israel genannt. In Italien blüht heute noch die Familie TreveS, während der Familienname Dreylus in Frankreich, Elsaß, Deutschland und der Schweiz sehr verbreitet ist. ** Berlin. Der häusliche Krieg zwischen Conservativen und Antisemiten nimmt immer weitere Dimenssonen an. Die Lonservativen gehen gegen die Antisemiten sehr scharf vor. Selbst „einen leibhaften Juden" würden diese eher wählen, sagte jüngst die „Kreiszeitung", als einen Conservativen. Aber wer hat überhaupt den Antisemitismus großgezogen, wenn nicht die konservative Partei? Wie wurden nicht auf Tivoli Antisemiten und Christlich-Soziale bejubelt? Vergebens war gewarnt worden, der Ruf „Gegen die Juden" werde schnell eine Ergänzung erfahren: „Gegen Juden und Junker.'" Man glaubte aus der Rechten, den Antisemitismus als Vorspann benutzen zu können; er sollte Mittel zum Zweck sein. Aber die konservativen haben sich in Herrn Liebermann von Sonnenberg ebenso getäuscht wie in Herrn Stöcker und Herrn Förster. Mit dem Kampf gegen die Juden ist e4 ziemlich vorbei; denn ein Jegliches hat seine Zeit. Das ist die Ironie der Geschichte. Indem die conservative Partei demagogische Strömungen begünstigte, um sie für die eigenen Mühlen auszunutzen, hat sie ihr Haus untergraben. Antisemiten, Christlich-Soziale, Deutsch-Soziale, National- Soziale, Bündler, sie alle sind von konservativem Boden ausgegangen, ihre Wurzeln führen allesammt nach der Rechten zurück. ** Berlin, 3. Dez. Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg, also derjenige antisemitische Führer, der früher den Konservativen am nächsten stand, sprach sich gestern in einer Versammlung über das Verhältniß seiner Partei zu den Konservativen aus. Er sagte u. A.: Das in letzter Zeit in Wirksamkeit getretene sogenannte sächsische Ordnungskartell sei eine verbrecherische Gründung, die in der Geschichte bisher beispiellos dastehe. Planmäßig habe man die Antisemiten, die nach statistischen Feststellungen nächst der Sozialdemokratie am meisten Anhang in der Wählerschaft haben, an die Wand gedrückt. Zum Ueberfluß habe man noch von konservativer Seite die Verleumdung auSgesprengt, es sei ein Bund zwischen Sozialisten und Reformern geschlossen worden. Für dar Vorgehen in Sachsen würden die Konservativen im ganzen Lande bei den nächsten Wahlen zu büßen haben. (Beifall.) Neuerdings hätten die Konservativen bei der Wahl in der Westpriegnitz dasselbe verbrecherische Spiel getrieben, indem sie die Antisemiten als Verbündete des Freisinns hinstellten. Die Zeit, wo eine Art Fühlung zwischen den Reformern und Konservativen herrschte, sei längst vorüber. Heute sei der Kampf in Permanenz erklärt. Die Verantwortung dafür treffe die Konservativen, die ihn begonnen. Ein Ende des Krieges sei nur unter der Voraussetzung möglich, daß die Konservativen den Frieden verlangen und die Kriegskosten bezahlen. (Stürmischer Beifall.) Mit dem „Bund der Landwirthe", dem die Partei der Reformer in fast allen Punkten ähnelt, werde die Partei nur in den Bezirken, wo die ausgeprägten Konservativen die Leitung in den Händen hätten und dort, wo Nationalliberale als Landwirthe in den Vorstand eingeschmuggelt seien, in einen Gegensatz gerathen. Das Centrum werde die Antisemiten nicht in der Entfaltung seiner Kräfte behindern, dagegen würden die Nationaüiberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten mit allen Mitteln bekämpft werden. Bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Parteien und Sozialisten würden die Antisemiten in jedem Falle für die ersteren eintreten. Holland. Amsterdam, 2. Dez. Ein Leben voller Thatkrast und Edelmut!) wurde plötzlich durch den Tod jäh unterbrochen; die Niederlande haben einen ihrer besten Patrioten verloren, Amsterdam einen pflichttreuen Bürger, die israelitische Gemeinde einen Mann, der für deren Bedücfniffe ein feines Verständniß hatte und für dieselben mit Herz und Eifer nach besten Kräften sorgte. Herr Abraham Carl Wertheim, Chef des :n der ganzen Welt rühmlichst bekannten Bankhauses Werlheim und Gompertz, Mitglied der Ersten Kammer der Generalstaaten u. f. w. ist am vergangenen Dienstag früh, als er gerade im Begriffs stand, in die Residenz zu fahren, um einer Sitzung der Ersten Kammer beizuwohnen, plötzlich im Alter von nahezu 65 Jahren gestorben. Wertheim, unter diesem Namen allein stellte man sich eine Unsumme von edlem und gütigen Wesen vor. Wertheim war einer der ersten Bürger des Staats, an dessen Emporblühen, er durch feine Energie und Jahrzehnte lange unverdrossene Arbeit, einen hervorragenden Antheil hatte. Man wüßte thalsächlich nicht, wo man beginnen und enven sollte, wenn man all das aufzählen wollte, wozu Wectheim die Initiative ergriff. Wer zählt die wohlthätigen Stiftungen, Vereine und Institute, die er gründete und gründen half, und die er während feines ganzen Lebens ideell und materiell förderte und unterstützte. Ein geistvoll praktischer Mann, wie er war, hat er oft in Sitzungen durch ein hingeworfenes Wort Licht in verworrene und verwickelte Zustände zu bringen gewußt und hierdurch so manche Unternehmung vor dem fiuan-

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