Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1897)
- Date
- 1897-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1825 haben. Um durch ein Analogon plausibel zu machen, daß man Bürger eines Staates werden kann, den man noch nie betreten hat und nie betreten wird, greift der Verfasser auf das römische Bürgerrecht im altrömischen Weltreich zurück und verschweigt natürlich, daß dieses Bürgerrecht der Hauptstadt desselben Staates den damit Bedachten nur außergewöhnliche Vortheile und Ehrungen, jedoch keinerlei Nachtheil brächte. Wer soweit dem Verfasser gefolgt ist, der hält es wohl sür selbstredend, daß den Juden in Palästina selbstwenigstens das Recht der ungeschmälerten Ausübung ihrer Religion gewahrt bleibt. Doch weit gefehlt, gegen die Ueberlassung Palästinas an Juden sträubt sich der christliche Sinn unseres Beglückers. Die jüdische Religion muß sich der christlichen aeeomodiren, es muß eine „entente cor&iale zwischen beiden Religionen" entstehen. „Man hat oft genug leider die Rassenantipathie und Nationalitätsgegensätze auch auf das religiöse Gebiet übertragen und so die Kluft zwischen beiden Religionen und ReligwnSangehörigen immer mehr vertieft und verbreitert. Wenn die ursprüngliche Verwandtschaft beider Religionen erkannt und anerkannt und damit ein freundlicheres Verhältniß auf religiösem Gebiete hergestellt würde, so ist gewiß, daß dann auch die Nassendifferenz und nationale Antipathie gemildert und in ihren Reibungen paralysiert würde. Ja wohl, Judentbum und Christenthum sind Mutter und Tochter: aber wenn die Mutter auS langem Schlaf und schwerer Ohnmacht erwacht und durch die von der Tochter producierte Kultur sich selbst verjüngen will, um mit der Tochter und ihren Kindern in gleiche Reihe zu treten, so wird natürlicherweise dieser Verjüngungsprozeß zu einer gewissen Verähnlichung und Ähnlichkeit mit der Tochter führen: das bringt das ursprüngliche Verwandtschaftsverhältniß beider mit sich. Der Freisinnigkeit des Zionismus trauen wir es zu, das richtige VerMtnrß zwischen beiden Religionen herauszufinden und praktisch durchzusühren. Wir wünschen also eine Korrektur der Anschauungen der Juden betreffs des ChristenthumS und ein demgemäßes praktisches Verhalten, an Sympathie von Seiten der Christen wird es dann gewiß nicht fehlen und alle wirklichen Christen, die nicht bloß Namenchristen sind, werden ihnen dann den Besitz Palästinas gönnen, ungeschmälert und ganz, weil bei gegenseitigem FreundschaftSverhältniß die christlichen Interessen keine Schädigung erleiden würden." Wie das gemacht werden soll, „auf diese Haupt- und Cardinalfrage" will der Herr Professor jetzt nicht näher eingehen. Noch deutlicher kann er füglich seine Missionsbestrebungen beim ersten Anlauf nicht zeigen. Doch wir wissen schon genug und können jedem Denkenden, der sich von den großen Gefahren des Zionismus noch nicht überzeugt hält, die Lektüre dieser von den Zionisten freudig begrüßten, Judenhaß athmenden Broschüre angelegentlichst empfehlen. Zettuns-n-Hvichren rwd Deutschland. Mainz, 6. Dez. (Woher stammt der Name Dreyfus?) Seit einigen Wochen blickt die ganze Welt nach Paris und verfolgt mit lebhaftem Interesse die Affaire Dreifus, welche zu einer derartigen cause c61ebre sich aus bildet, daß ihr aus der neueren Zeit kaum eine andere zur Seite gestellt werden kann. Die Wandlungen dieser Angelegenheit kennen die Leser des „Israelit" aus den Tagesblättern, die spaltenlange Artikel über dieselbe bringen. Da der Name Dreyfus solche Berühmtheit erlangt hat, so dürste es am Platze sein, über denselben hier Einiges mitzutheilen. Der Name Dreyfus, hebräisch gewöhnlich wim© geschrieben, leitet seinen Ursprung nicht, wie vielfach angenommen wird, auf Troyes in Frankreich (den Geburtsort Naschi's) zurück, sondern auf Trier (Augusta Trevirorum, Treviris, Tröves), ist also ein deutscher Name. Der erste Träger dieses Namens ist R. Joseph bwib, der 1343 Rabbiner in Marseille war, sein Vater der ebenfalls Rabbiner war, wird ’tjsb'k fjm» 'i R. Jochanan der Deutsche genannt. Es ist demnach zweifellos, daß die Familie aus Deutschland stammt und sich von hier über Frankreich, Italien und Rußland ausgebreitet hat (vergleiche Brüll, Jahrbücher I, 97 ff.). Ein Sohn des genannten R. Joseph ist der um die Mitte des 14. Jahrhunderts als Oberrabbiner von Frankreich berühmt gewordene R. Matatia, der ein Lehr Haus in Paris gründete und unter die Großen seiner Zeit gerechnet wurde. Viele Rabbiner und sonstige Gelehrte gingen aus dieser Familie hervor, in welcher die Namen Joseph, Jochanan und Matatia sich vielfach wiederholen. Jochanan, ein Sohn des Matatia, war Nachfolger seines Vaters als Rabbiner von Paris, verließ bei der Ausweisung der Juden aus Frankreich (1394) dieses Land und wandte sich nach Italien, wo er unter den Großen des Zeitalters genannt wird. Von andern Angehörigen dieser Familie seien noch Samuel b. Josef Treves, Rabbiner in Schlettstadt, und Abraham b. Salomo Treves, Verfaffer von anisK nana, genannt. Von den Treves wird auch berichtet, daß sie, einer alten Familientradition zufolge, in der Nacht von w außerhalb der rraw zu essen pflegten. Als hervorragende Träger dieses Namens in Deutschlai,d sind zu erwähnen: Naftali Herz Treves, Vorbeter in Frankfurt a. M. und Verfaffer eines kabbalistischen Gebetbuchskommentars; sein Sohn Elieser, der 22 Jahre Rabbiner in Frankfurt a. M. war; Chajim b. Jochanan Treves, Rabbiner der Provinzen Köln und Jülich, starb 1598 in Ahr-