Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1897)
- Date
- 1897-12-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1824 ermöglicht seine verborgensten judenfeindlichen Gesinnungen ans Tageslicht zu bringen und zugleich hoffen zu dürfen, dabei nicht unbelohnt auf Seelenfang auszugehen. Da» Buch besteht aus sechs Kapiteln, von denen die mittleren die glorreichen Reden des Zionistenkongreffes von der Unüberbrückbarst der Kluft zwischen den Juden und ihren Gastvölkern, von der Thorheil der Emancipation und dem Egoismus der Proteftrabbinen recht schön antisemitisch vertieft wiedergeben. Was ein Nordau in einer Judenversammlung unbeanstandet Vorbringen durfte, kann man ja einem Professor der christlichen Theologie nicht verübeln. Neu schien uns inmitten dieses verschleierten Antisemitismus der Vorwurf für die den Zionismus bekämpfenden Rabbiner, daß sie in den Bahnen jener alten Rabbinen wandelten, welche 40 Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels gegen den Stifter des Christenthums feindlich aufgetreten feien. Das erste und letzte Kapitel lehrt uns, wie der Verfasser sich die Verwirklichung der zionistischen Bestrebung denkt und wie er sie seinen Zwecken dienstbar zu machen sucht. Mil dürren Worten wollen wir hier wiedergeben, was dort in schöner, gewinnender Rede gesagt ist. Es gibt ein Mittel den Juden am Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Gleichberechtigung zu nehmen, ohne daß man vor den Augen der gesitteten Welt allzusehr als Barbar erscheint. Man gibt den Juden gnädig unter einer Reihe von Bedingungen Palästina, das sie mit Gefühlen ewiger Dankbarkeit gegen die Völker und Regierungen entgegennehmen. In politischer Beziehung wird das Judenland eine Art Pufferstaat, wie die Schweiz, jedoch nicht mit der Unabhängigkeit derselben, sondern ein Staat, der nie vergeffen darf, daß er sein Dasein nur der Gnade verdankt und der in das Nichts zurücksinkt, sobald er sich nicht des Wohlwollens seiner vielen Europäischen Pathen würdig zeigt. Der Professor, der doch nicht alle Tollheiten der Zionisten mitmachen kann, ist vernünftig genug einzusehen, daß im Laufe der Zeit doch nicht viel mehr als eine Million Juden, die sich größtentheils aus Rußland rekrutirt, nach Palästina wandern wird. Und was wird aus der großen Menge der Zurückbleibenden? Bei Beantwortung dieser Frage, deren gefundene Lösung ihm hauptsächlich die Feder in die Hand gedrückt zu haben scheint, offenbart sich die edle Gesinnung des Verfassers gegen uns. Hören wir ihn selbst. „Die einzige Lösung ifi baß man den Juden ihr altes Heimatland giebt. So lange sie kein eigenes Heimatland haben, ist der Staat, in dem sie geboren sind, moralisch und völkerrechtlich verpflichtet, sie zu vollbürtigen Bürgern anzunehm-n und als solche zu behandeln. Der Staat hat nieder das Recht noch irgend einen anderen Grund, die Juden nur als Bürger zweiter Klasse mit beschränkten Rechten zu behandeln. Sie tragen alle Bürgerpflichten, da sollen sie auch alle Bürgerrechte und Ehrenrechte haben, die sie sich erwerben können. Die heimliche Zurücksetzung der Juden, wie sie jetzt üblich ist, ist weder moralisch noch juristisch gerechtfertigt, obwohl, vom deutschnationalen Standpunkt aus betrachtet. vollkommen begreiflich und ein Akt nationaler Nothwehr, und Noth kennt kein Gebot. Das sind Mißstände, die beiden Theilen, den Juden und den Deutschen, Anlaß und Grund zu beständigen Klagen, Anschuldigungen und heimlichen und osienem Groll geben, aber diese Mißstände sind nicht zn beseitigen unter den gegenwärtigen Verhältnissen, da die Juden kerne andre Heimath als ihr jeweiliges Geburtsland haben. Das wird aber anders, wenn sie in Palästina einen wohlgeordneten, eigenen und selbsistänbigen Staat bilden. Dann wird man in Deutschland die Judenfrage gründlich und schiedlich, friedlich ordnen können, ohne irgend jemand Unrecht zu thuu, oder ungerecht zu bedrücken. Dann kann man auf einen Tag die Juden vor die Option stellen mit ber Frage: Wollt ihr Juden sein, Bürger Palästinas? Dann werdet ihr nur die Rechte und Pflichten von Ausländischen , Niedergelassenen bei uns haben und eure Konsuln werden darüber wachen, daß ihr in keinem dieser Rechte gekränkt werdet. Oder wollt ihr ganze volle Deutsche sein? Dann werbet ihr cs ganz und voll werden müssen; dann müßt ihr die Beschneidung, das unauslöschliche Merkmal des jüdischen Stammes und der jüdischen Nationalität aufgcben: desgleichen die Speiseverbote, welche euch mit Deutschen zu essen und zu trinken verbieten; desgleichen werdet ihr euch mit den deutschen Toben in gleicher Reihe und nicht an gesonderten Stätten begraben lassen müssen; dann müßt ihr auch den Sabbat aufgeben, der euch hindert, mit den Deutschen zu arbeiten und zu ruhen. Dann sollt ihr aller deutschen Ehren und Ehrenstellen, falls ihr euch würdig zeigt, theilhaftig sein, und dann werdet ihr allmählich euer jüdisches Naturell und Temperament, eure jüdische Körper-Konstitution und Physiognomie verlieren uvd in der deutschen Rasse aufgehen, und dann seid ihr Deutsche, gegen die wir keine Antipathie mehr hegen. Daß wird eine gründliche, zwanglose Lösung der Judensrage sein, denn es wird in jedes Juden freiem Willen gelegen sein, sür das Judenthum und die jüdische Nationalität, oder sür das Deutschthum und die deutsche Nationalität zu optieren. Und die Juden werden optieren, treu und redlich optreren. Nur die inkonsequenten beutschthümclnden und doch jüdisch organisirten Rabbiner werden aufschreien und sagen, das involviere Religionszwang; sie wollten beschnittene Deutsche sein und wenigstens noch den Sabbat behalten, denn das zum mindesten verlange ihre jüdische Konfession (Religion haben sie eigentlich schon nicht mehr, nur Konzession). Aber man wnd ihnen mit vollem Recht erwidern, daß beschnittene Deutsche eben keine ganze und volle Deutschen seien und es sich gefallen lassen müßten, auch in ihren socialen und politischen Rechten beschnitten zu werden, da ihnen ja die Wahl freistche, volle und ganze Juden zu sein — und sie werden sich für ihre angeborene jüdische Nationalität, wenn auch etwas ungern, entscheiden." Also der kurze Sinn dieses edelmüthrgen Vorschlags, der in dem Büchlein immer wiederkehrt und verschiedentlich beleuchtet wird, ist folgender: Man werfe den Juden den Brocken Palästina hin und erhält dafür das Recht, sie entweder zum Aufgeben ihrer Religion zu zwingen oder sie unter das Fremdenrecht zu stellen. Aus Vollbürgern macht man sie zu geduldeten Fremdlingen, die man, sobald sie sich irgendwie mißliebig machen, verjagen kann und die selbstverständlich keinerlei staatsbürgerliche Rechte