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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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..J .. i |ij . »Mil l'l I11'PliU|'i|WV'»i|^Wpfy|ppjpp|ll 1812 aubetotbentliä)e Zunahme der Bevölkerung in Galizien. In manchen Bezirken OstgalrzienS kommen 5000 bi« 0*000 Einwohner auf eine Quadratmeile, und hat der Sraat in Galizien irgend welche industrielle Unternehmungen gegründet oder unterstützt? Und wie ist es mit der PropinationS-Gerechtsame? (Abg. Cena: Juden!) Die Juden sind die Subpächter. Früher haben sie den ungeheuren Pachtzins an die Großgrundbesitzer zahlen müssen, den sie dann aus der Bevölkerung herausziehen mußten, und heute müssen sie den Propinationsfonds bezahlen. Abg. Leopold Steiner: Warum geben sie sich zu solchen scheußlichen Sachen her? Abg. Dr. Strauch er: Die Juden darben und hungern. Der Abg. Gniewosz hat Ihnen gesagt, wie di: Juden dort leben. Der Abg. Dr. Scheicher hat von gallischen Schnorrern gesprochen, die in kurzer Zeit Millionenvermögen aufhäufen. Die Herren beurtbeilen die Juden nach den wenigen Juden von der Börse (Rufe: So ist e»!), Sie vertragen sich aber mit den Börsenjuden, aber lassen Sie die Sünden derselben nicht die großen Massen der armen jüdischen Proletarier entgelten. Nehmen Sie die Hunserttausende von jüdischen Proletariern in Galizien und in kur Bukowina in Schutz und zeigen Sie Ihren Muih in der Bekämpfung der großen Juden. Mit diesen identificiren wir uns absolut nicht. Wir sagen, daß die reichen Juden und die reichen Christen die armen Juden und die armen Christen gleichmäßig ausbeulen. (Beifall.) Abg. Daszinski (Sozial-Demokrat) führt au», der Äbg. Steiner habe den Sozial-Demokraten Einseitigkeit vorgeworfen. Auf der Fahne der Sozialdemokraten steht die Losung: Proletariet aller Länder, vereinigt euch! Ist die Losung, welche auf den Fahnen der Antisemiten steht: Dr. Karl Lueger! oder: Haut den Juden! mehr oder weniger einseitig? Der Abg. Steiner hat ferner die galizische Auswanderung nach Brasilien ausschließlich auf da» Berschuloen der Juden gesetzt. Kein jüdischer Agent wäre im Stande, den polnischen und ruthenischen Bauer von seiner Scholle wegzubringen, wenn nicht die Ausbeutung, die Ueberbürdung und Chicanirung seitens der von Schlackzizengeist beeinflußten Behörden diese unglücklichen Bauern dahin gebracht hätte, daß sie den Zuflüsterungen der Agenten, die zur Hälfte Juden sein mögen. Gehör schenken. Wenn man aber mit der Losung! „Haut den Juden!" alle sozialen Fragen lösen wll, so ist da» gewiß ein einseitiger Standpunkt. Der Abg. Straucher hat nicht den Mulh gehabt, zu sagen, wie e» eigentlich steht. Wer hat die 63 Millionen baaren G lae» vor ein paar Jahren für daö Recht ausbezahlt bekommen, unter den Bauern die furchtbare Branutweinpest verbreiten zu dürfen? Jetzt ist dieses Recht auf da» Land übergegangen, und wieder bekommen Alles diese Grafen und Herren, welche Galizien hier vertreten, die Sapiehas, Badems, die Potockis und Andere. Das sind die PropinationSpächter. (Abg. Berner: Lauter Juden!) Ganze Bezirke pachten sie aus. Die Familie Badem pachtet einige Bezirke in Galizien aus, und andere reiche Familien pachten wieder andere Bezirke. Aber die Herren werden doch nicht selbst einschänken, die schmutzige Arbeit werden sie nicht selbst verrichten, sie geben den Unterpacht den Juden, und eS ist dann den Juden, der wirklich dazu getrieben wird, das Volk mit seinem Branntwein zu vergiften, weil die einflußreichen Magnaten, die Potokis oder Badeni», ihren Leibjuden — und es gibt ja keinen polnischen Schlachzizen ohne Leibjuden (Beifall bei den Christlich-Sozialen) — den Pacht um einen weit höheren Preis weiter verpachten. Fürst Sapieha bat in seiner Schrift an die Wähler gesagt: „Der Schnaps ist ein gesundes Getränk, und der Bauer soll in feinem Genüsse nicht allzusehr geschmälert werden." (Lebhafte Rufe: Hört! Hört! bei den Sozial-Demokraten und auf der äußersten Linken.) In der Bukowina wurde ein Bauer als wahnsinnig ins Irrenhaus geführt, weil er die Mäßigkeits-Bewegung in einigen Bezirken in Fluß gebracht hatte. (Hört! Hört!) Die Einseitigkeit ist also auf der Seite des Abg. Steiner, wenn er sagt, die Juden haben das Alles gethan. Er ist nicht zu leugnen, daß jene Juden, welche sich mit diesem Branntweinvertriebe beschäftigen, wirklich ein Pestgeschwür an dem Leibe unseres Volkes bilden Ader über die 700,000 Menschen (Abg. Gregorig: Juden!), unter denen wenigstens 600,000 die ärmsten Proletarier der ganzen Welt sind, sich so mit einer anNsemilischen Leichtfertigkeit ohnegleichen hinwegzusetzen, das geht denn doch nicht. (Lebhafter Beifall bei den Sozial- Demokraten.) Zeitungsnachrichten und Eorrefponden-e«. / Deutschland. ER. Berlin, 28. Nov. Aus der heutigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wollen wir zwei Punkte von besonderer Wichtigkeit hervorheben. 1. Die Vorlage betreffend die Satzungen für das Waisenhaus in Pankow. Diese Anstalt ist durch den verewigten Justitzrath Makower mit 40 Kindern aus Brody begründet worden, und wird von jetzt ab den Titel „Zweites Waisenhaus der jüdischen Gemeinde in Berlin" führen. Im Internat befinden sich Zöglinge von 6—18 Jahren. Herr Moritz Manheimer macht auf die Gefahr aufmerksam, welche aus dem Zusammenleben von Zöglingen entstehen, von denen die älteren den größten Theil ihrer Zeit

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