Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448794--45004-2494126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

außerhalb des Hauses verbringen und stellt den Antrag, die Zöglinge mögen nach vollendeter Schulzeit das Haus verlassen. Ihn unterstützt Herr Professor Lewin. Herr Juftitzrath Meyer zerstreut durch gemachte Erfahrungen die Bedenken genannter Herren. Herr Gustav Löwenberg bittet, daß man bei Anstellung des Direktors und der Lehrer auf den religisen Lebenswandel achten und dies in den Statuten feststellen möge. Herr Juftitzrath Tiktin hält das für überflüssig. Herr Professor Baginsky betont, daß ein Direktor eines hiesigen jüdischen Waisenhauses sich recht leichtfertig über religiöse Satzungen hinwegsetze. Herr Professor Lewin schlägt eine Fassung vor, welche Allen genehm ist. Eine lebhafte Debatte entsteht bei der Vorlage über die Rabbinerwahl. Vor einem Jahre war endlich nach langen Kämpfen der Beschluß gefaßt worden, einen konservativen Rabbiner für die Synagoge in der Heidereulergasse und Kaiferstraße zu wählen. Nachdem Herr Dr. Rosenthal in Breslau, die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hatte, hielt der Gemeindevorstand das Mandat der alten Rabbinerkommission für erloschen und wünschte, daß eine neue Kommission über die Wahl zweier Rabbiner eines konservativen und eines liberalen, sowie über die Neuordnung des offiziellen Thäligkensumfanges der Prediger und Cantoren berathen möchte. Nachdem man sich gegenseitig Schmeicheleien über das, was man gethan, oder unterlassen, gesagt hat, kommt man zu dem Resultat das Mandat der bisherigen Kommission entsprechend zu erweitern. Wer nach dem heute Gehörten noch an der Nothwendigkeit des Bestehens der Adaß-Jisroel-Gemeinde zweifelt, den bedauern wir. — Oftrowo, 24. Nov. Eine hohe Ehre wurde unserm hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" zu Theil. Sr. Hochwürden Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld aus Posen hielt, am 2 t. d. M. vor überaus zahlreicher Versammlung, die mit gespannter Aufmerksamkeit dem Thema und den Ausführungen folgte, einen Vortragüber: „Die Schuldsklaverei im alten Israel!" Unter dem ranschenden Beifall, der dem Redner gezollt wurde, ernannte der VereinsVorstand, unser Genleinde-Rabbiner, Herr Dr. Pleßner, an seiner Spitze, Herrn Dr. Feilchenfeld, der durch Wort und Schrift bis jetzt sich hohe Verdienste um die jüdische Wissenschaft erwarb, zum Ehrenmitgliede des Vereins. Stürmischer Enthusiasmus Seitens der Mitglieder ertönte im <3aale, als Herr Dr. Pleßner diese Ernennung in seinem Danke für die genußreiche Stunde begeistert hervorhob. Es ist unser Wunsch aus Herzenstiefe, daß der Allgütige noch viele, viele Jahre unser Ehrenmitglied in ungebrochener Körperkrast und ungetrübter Geisteshelle erhallen möge, brris" inKcn irwS min h-unh man. Rußland. ** Petersburg. Das Kreisgericht in Charkow hatte zu entscheiden, ob ein Jude verpflichtet sei, an einem der großen Festtage seiner Religion als Zeuge zu erscheinen. Am verflossenen NeujahrStage war ein Jude als Zeuge bei diesem Gerichtshof vorgeladen, aber er erschien nicht und entschuldigte seine Abwesenheit mit dem Grunde, daß seine Religion ihm verbiete, an diesem Tag einen Eid zu leisten. Der Staatsanwalt betrachtete diese Entschuldigung für ungiltig und verlangte, daß der Mann bestraft werde. Der Richter stimmte diesem Verlangen zu und verurtheilte den Abwesenden zu einer Geldstrafe von 50 Rubeln. Da dieses Urtheil große Bedeutung hat, appellirte der Mann an einen höheren Gerichtshof. Palästina. Liberias. (Warnung.) Mancher Leser des „Israelit" hat wohl Briefe um Unterstützung des „Heiligen Vereins Linath Hazedek" in Liberias erhallen, und ist im guten Glauben, daß ein solcher Verein dahier existire, dessen Ziele ja sehr sympathisch geschildert sind. Aber dem ist nicht so: Die Geschichte mit dem Verein ist nichts als ein Schwindel, und zwar verhält sich die Sache folgendermaßen: Der bekannte Pinchaö Schullmann hier, hat sich einen Stempel mit den Worten „Heiliger Verein Linath Hazedek" anfertigen lassen und behält die für diesen nicht existirenden Verein eingehenden Spenden für sich, während die Armen von Liberias leer ausgehen. Im Interesse der Wahrheit wird deßhalb vor diesem Herrn und seinem erdichteten Verein gewarnt! Während wirklich nothwendjge Einrichtungen unserer Stadt deßhalb fehlen, weil unsere Brüder im Auslande uns kein Gehör schenken wollen, und das von Poliakoff gegründete Spital aus Mangel an Mitteln geschlossen ist, bezieht ein erdichteter Verein sehr schönes Geld, das in den Taschen eines einzigen SchwinolerS verschwindet! Vermischtes. BreSlair. Rabbiner Dr. Krakauer in Leobschütz ist vom Kuratorium der „Markus und Rosalie Fuchs'schen Familien-Stisiung" Hierselbst zum Stiftsrabbiner gewählt worden. — Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Ferdinand Cohn, der berühmte Botaniker, feierte am 13. t» Mts. unter allgemeiner Theilnahme sein goldenes Doktorjubiläum. Der Jubilar wurde zum Ehrenbürger hiesiger Stadt ernannt und erhielt den Rothen Adlerorden III. Klasse. Pisa. Unsere Universität hat Professor Sadon, einen Juden, zum Rektor gewählt. Sadon lieft gerichtliche Medizin. Im Ganzen sind in Italien 53 jüdische Profe'"oren. Madrid. Kaiser Franz Josef hat den hiesigen Vertreter des Hauses Rothschild, Herrn Gustav Bauer, zum österreichisch-ungarischen General-Eonsul hier ernannt. Herr Bauer entstammt einer geachteten israelitischen Familie in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.