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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1808 Inner, der Sohn des gelehrten und frommen Rabbiners, Abraham Platschet, seinen Wirkungskreis hat, der größte Theil sich vom konservativen Juden- Ihum, ja man kann sagen, vom ganzen Judenthum losgesagt hat'?? Wir werden fragen: Hat denn der zweifellos berühmte Kanzetredner Dr. Baruch Platschet nichts gethan, um dieser vollkommenen Apathie gegen alles, was jüdisch beißt, zu steuern? Hat er sich nicht bemüht, die jüdischen Sitten und Gebräuche zu kräftigen, hat er es nicht versucht, gegen die ganz offen auftretende Entweihung der Sabbate und der Festtage mit Eifer zu sprechen? Sagen wir es offen, nichts von alledem ist geschehen. Bei seiner wahrhaft hinreißenden Beredsamkeit hätte er aus Brünn sicherlich eine halbwegs religiöse, wenn nicht orthodoxe Gemeinde machen können. Dies umsomehr, da Brünn einen stetigen Zuzug von Einwohnern erhält, die aus religiösen Gemeinden stammen. Und wie schaut es heute in Brünn mit dem Judenthume aus? Von den vielen Hunderten Geschäftsleuten hat nur ein einziger den Muth, sein Geschäft am Sabbat gesperrt zu halten, alle anderen treten den Sabbat mit Füßen. In dem prachtvollen Tempel geht es sehr luftig zu. Junge Mädchen, gleichviel ob es Christinnen oder Jüdinnen sind, taffen ihre Stimme ertönen, und diese Stimmen im Vereine mit d.n Orgelklängen, dieser wahren Grabesmusik für das Judenthum, sollen die Zuhörer in eine von ihnen unerwünschte Andacht versetzen. Zur Abwechslung werden auch hie und da deutsche Gebete verrichtet. Wahrlich, es fehlt nur noch der Weihrauch, und der Uebergaug vom jüdischen zum christlichen Gottesdienst ist bewerkstelligt. Allen Rabbinen, welche aus so schonungslose Weise das Judenthum untergraben, rufen wir zu: rr^c r? reir sb. Da in Brünn viele Bildangsattsialren sind, so verpflanzt die ftudircnde Jugend die sich angeeigneten verwerflichen Anschauugen in ihre Heimathgemeinden, so daß diese in kurzer Zeit so werden wie die Landeshauptstadt. Die von hier ausgehende irreligiöse Fluth erfaßte zunächst die in der Nähe von Brünn gelegenen Cultusgemeinden: Austerlitz, Lomnitz, Raußnitz, Eibenschitz, Wißlitz und Pohrlitz. Letztere zwei Gemeinden, namentlich Pohrlitz, haben sich bis in die jüngste Zeit recht wacker gehalten, erlagen aber schließlich dem rücksichtslosen Vorgehen der Reformer, welche es durchsetzten, daß eine Orgel eingeführt wurde, mit Willen des Rabbiners Goldschmied, der mittlerweile in Proßnitz ausgenommen wurde. In letzterem Orte wird Herr Goldschmied ein ganz unfruchtbares Gebiet vorstnden, dort wird er nicht mehr resormiren können, da daselbst schon alles, was an Judenthum erinnert, total umgestürzt wurde. Höchstens könnte Herr Goldschmied, damit seine Thätigkiit daselbst nicht ganz fruchtlos sei, das eine thun, daß er die dwb beruhigt und alle ihre Handlungen gutheißt. Proßnitz im Vereine mit dem nicht minder reformirten Olmütz, kann als ein zweiter Seuchenheerd für das gesetzestreue Judenthum gelten und die Juden daselbst, wenn sie überhaupt noch den Namen Inden verdienen, überragen mir ihren Reformen sogar die Landeshauptstadt. So bietet Mähren ein recht trübes Bild, und wenn cs sich auch nicht leugnen läßt, daß die Einwohner der erwähnten Gemeinden schon im Unglauben auferzogen sind, so kann man denn doch auch die Rabbinen nicht von Schuld freisprcchen; denn ihre Pflicht ist es, immerfort auf die Tradition hinzuweisen, beständig für das offtctcHe Judenthum einzutreten. Thun sie das nicht, so sägen sie den Ast ab, auf welchem sie selbst sitzen, weil die reformirten, recte ungläubigen Juden eines Rabbiners überhaupt entbehren werden können. Wir werden nicht ermangeln, gegen neue Riffe im mährischen Judenthum zu warnen und eingerissene Schäden einer schonungslosen Kritik zu unterziehen. § Total, 10. Nov. Der neugewählte Rabbiner der hiesigen orthodoxen Cultusgemeinde, Rabbi Akiba Straffer v2, hat diese Woche seinen feierlichen Einzug hier gehalten, derselbe wurde von der ganzen Gemeinde auf's Festlichste empfangen. Rabbi Akiba Straffer wirkte bisher als Rabbiner in Miava, wo man ihm sicherlich ein gutes Andenken bewahren wird. Australien.? Plajmton. Der hiesige Platz ist kürzlich mit städtischer Gerechtsamkeit beschenkt worden und der erste Bürgermeister wurde ein dortiger Advokat L M oß, ein Glaubensgenosse. Die Gegend scheint überhaupt den Juden sehr geneigt, auch in Fremantle ist der Bürgermeister ein Jude, Mr. C. Solomon. vermischtes. Prag. 1. Dezemb. (Telegramm) In einigen Gaffen der trüberen Judenstadt wurden in Häusern, die deutsche Firmenscbirder tragen und in denen Juden wohnen, die Fenster cingcschlagen - auch der jüdische Tempel wurde mit Steinen beworfen und die Fenster zertrümmert. Nach Werschowitz, wohin ein größerer Trupp von Demonstranten zog, wurde Militär geschickt. Um 4 Uhr Nachmittags waren neun Bataillone in Thäiigkcit. Philadelphia. Der in den jüdischen Gemeinden der Vereinigten Staaten und auch in europäischen Ländern wohlbekannte Reo. Sabata Morais, Rabbiner der portugiesischen Mikoeh Israel-Synagoge, (st am 11. November im Alter von 74 Jahren gestorben Er war streng orthodox und galt als einer der Führer der Orthodoxie. Charakterfest verfocht er seine religiöse Ueberzeugung mit aller Energie. Seit der Gründung des jüdisch theologischen Seminars in New-Aork (1886) stand er demselben als Präfroent vor. In seiner Gemeinde, die ihn lebenslänglich angestellt hatte (was in Amerika sehr selten ist) erfreute er sich der größten Beliebtheit und hat sein Tod eine schwer auszufüllende Lücke hinterlaffen. n":nwn.

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