Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 95 (2.12.1897)
- Date
- 1897-12-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1807 Fürth gelangen lassen, welche dieselben der geeigneten Stelle zwühren wird. R. Woems. Ein seltenes Jubiläum feierte am 30. November Herr Dr. Lewysohn.- sein 50jähriges Doktor-Jubiläum! Am 30. November 1847 erhielt er von der Universität zu Halle die Würde eines Doktors der Philosophie für die Dissertation „De sacrificiis veteris testamenti“ (Die Opfer des alten Testaments). Ende der 50er Jahre war Dr. L. Prediger der hiesigen isr. Gemeinde, kam 1659 als Rabbiner nach Stockholm, wo er ca. 25 Jahre als solcher wirkte. Seinen Namen in der wissenschaftlichen Welt hat er sich durch die „Zoologie des Talmuds" geschaffen, welches Werk auch die Aufmerksamkeit Alexander v. Humboldts auf sich zog, der sich darüber äußerst schmeichelhaft äußerte. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof hat Dr. L. eine große Anzahl alter Grabsteine entziffert und seine mühsam erworbenen Resultate in dem Werkchen niedergelegt: (Dpnx rraPBJ) „60 Epitaphien von Grabsteinen des isr. Friedhofes zu Worms." Dr. Lewysohn lebt seit längerer Zeit als Privatmann in Stockholm und erfreut sich völliger körperlicher und geistiger Frische. Bidlis bei Worms. Dieser Tage verließ uns Herr Lehrer B r a u n o l d, um die Stelle eines Lehrers an der Präparandenschule zu Burgpreppach zu übernehmen. Herr B. hat hier mehr denn 22 Jahre als Lehrer gewirkt. Die israelitische Gemeinde nimmt jedoch derart ab, daß sie zwei Lehrer nicht mehr besolden kann. Von vielen Seiten war man dem scheidenden Lehrer aufmerksam, der diese Aufmerksamkeit auch in Folge seiner Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit durchaus verdient hat. Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Aus Anlaß des Geburtsfestes Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurden folgende Glaubensgenossen ausgezeichnet : Der ordentl. Professor an der Technischen Hochschule zu Darmstadt Dr. Sigmund Gundelfinger erhielt das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstorden Philipps des Großmüthigen,° der Weinhändler und dermalige Präsident der Handelskammer zu Bingen, Simon Zacharias Coblenz wurde zum Commerzienrath ernannt. Oesterr.- Ungar. Monarchie. ** Wien, 22. Nov. Die Israelitische Cultusgemeinde Wien erläßt folgende Kundmachung: In den verschiedenen Bezirken Wiens besteht derzeit eine übergroße Anzahl von Fleischbänken, welche sich mit dem Verkaufe von „Koscherfleisch" befassen, wobei aber den in ritueller Beziehung nothwendigen Voraussetzungen zu dem Verkaufe entweder gar nicht oder aber in ungenügender Weise entsprochen wird. Hiedurch erscheint einerseits das Publikum, welches auf „Koscherfleisch" reflektirt, irregeführt, andererseits leiden auch bei diesem Umstande jene Fleischhauer, welche die rituellen Vorschriften bei der Ausschrotung des „Koscherfleisches" in gewissenhafter und das religiöse Gewissen befriedigender Weise beobachten. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hält es nun für seine Pflicht, diese Angelegenheit in seinem Wirkungskreise einer endlichen Regelung zuzuführen, und beabsichtigt zu diesem Zwecke in verschiedenen Bezirken Wiens unter Aufhebung der bisherigen Befugnisse und in dem dem Erfordernisse entsprechenden Umfange einzelne Gemeinde-Fleischbänke zu creiren, welche als unter der besonderen Aufsicht der israelitischen Cultusgemeinde respektive des ehrwürdigen Nabbinats stehend in religiöser Beziehung vollkommen vertrauenswürdig sind und deren Namen und Adressen sohin dem Publikum in offizieller Weise (durch Anschlag in den öffentlichen Bethäusern und durch Verlautbarung in den für religiöse Interessen bestehenden Zeitungen) zur Kenntniß zu bringen sind. Ueberdies werden seitens der Cultusgemeinde den in Betracht kommenden Fleischhauern eigene Firmatafeln zur Verfügung gestellt werden, durch welche das besondere Verhältniß zur Cultusgemeinde entsprechend zum Ausdrucke gebracht werden wird. Als Prinzip für die Regelung des Vertragsverhältnisses ist festgesetzt, daß die Schächter und Aufsichtsorgane (Maschgichim) direkt von der Gemeinde angestellt und besoldet, dagegen von den Koscherfleischbank-Jnhabern unabhängig gestellt werden. Es geht daher an alle Diejenigen, welche in das oben angedeutete Verhältniß zur israelitischen Cultusgemeinde in Wien treten wollen, die Einladung, sich bis zum 15. Dezember 1897 zu melden und werden dieselben dann behufs der näher zu treffenden Vereinbarungen aufgefordert werden, sich im Seeretariate der israelitischen Cultusgemeinde einzufinden. Der Vorstand behält sich vor bezüglich jener derzeitigen Koscherfleischbank-Inhaber, welche den zu fassenden und verlautbarendeu Bestimmungen über die Negulirung des Koscherfleischhandels nicht Folge leisten werden, die entsprechenden Verfügungen zu treffen. J. Aus Mähren, 24. Nov. Immer düsterer, immer verzweifelter gestaltet sich das Judenthum in dem von Gott gesegneten Mähren. Der Zersetzungsprozeß vollzieht sich hier mit Stetigkeit und mit einer grausenerregenden Raschheit. Von Brünn aus, dem stolzen Sitze des Landesrabbinats, wälzt sich die Irreligiosität in tausenden Adern auf das flache Land, überall unheilbringend, überall den Todeskeim für das orthodoxe Judenthum mit sich tragend. Wie kommt es aber, daß gerade dort, wo der Landesrab-