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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1806 Heibertt erscheinen, sondern in einfachen, schlichten, Weiften Leinengewändern, denn welcher Vernünftige wird es wagen vor dem König aller Könige zu prunken mit seiner Größe, groß zi?thun mit seiner Nichtigkeit, sich zu rühmen mit seinem Besitz, gleichviel ob derselbe in materiellen oder geistigen Gütern besteht. (Ialkut 21.) ZeHrrrrgsnachrichterr und Csrrespondenzen. Deutschland. ** Berlin, 30. Nov. Es ist * bekannt,^ daß viele unserer fremden Sitten und Gebräuchen huldigenden Glaubensgenossen für Weihnachtsbäume eine besondere Vorliebe haben und das Weihnachtsfest strenger als ihre eigenen Feste feiern. Was aber bis jetzt nur Wenigen bekannt sein dürste, das ist die Thalsache, daß ein Theil der Berliner Judenheit auch dem Todtensonntag seinen Tribut zahlt, daß besonders viele Damen diesen von der protestantischen Kirche zum Tag der Erinnerung an die Verstorbenen geheiligten Sonntag benutzen,-um die Gräber der „theueren Heimgegangenen" mit duftenden Blumen zu schmücken. Wer gestern die Schönhauser Allee passirte und unter den vielen Tausenden, welche, mit Kränzen beladen nach den in jener Gegend liegenden Friedhöfen zogen, die vielen Juden und Jüdinnen beobachtete, die ebenfalls Kränze tragend den jüdischen Friedhof aufsuchten, fragte sich unwillkürlich: Hat denn die Nachahmungssucht schon alle Pietät und Selbstachtung ertödtet, daß sie selbst an den Gräbern, die sie sonst an ihr Judenthum erinnern, vor der Ausübung eines fremden Brauches nicht zurückschrecken und nicht merken, wie lächerlich sie sich durch biefe Nachäffung in den Augen jedes edlen, denkenden Nichljuden machen? Hat man je schon die Wahrnehmung gemacht, daß Protestanten das katholische Fest Allerseelen oder daß Katholiken den protestantischen Todtensonntag mitfeiern? Nur unsere Glaubensgenossen feiern alle Feste, wie sie fallen; noch wenige Jahre — und die Heranwachsende Jugend wird den Todtensonntag zu den Festen des Judenthums zählen. ** Berlin, 30. Nov. Von Karl Emil Franzos erzählt die „Deutsche Wacht", das antisemittische Organ des Abg. Zimmermann: „Eins soll jedenfalls Emil Franzos unvergessen sein und verdient gerade in unserer bewegten Gegenwart hervorgehoben zu werden: Im Jahre 1868 hielt er als junger Student und Deputirter einer österreichischen Burschenschaft aus dem Burschentage zu Berlin eine Rede, die in der Versicherung gipfelte, daß die deutsche Jugend Oesterreichs „nicht nur unverbittert durch die Ereignisse von 1868, sondern auch mit aufrichtiger Begeisterung der Entwicklung Deutschlands zum Nationalstaate folge und nichts sehnlicher hoffe, als ein starkes und einiges Deutsches Reich, an welchem dann auch der deutsch-österreichische Stamm in den Kämpfen mit oen Slaven die nöthige moralische Stütze sinven würde." Viel bemerkt wurde auch eine von Franzos 1870 im Namen und Aufträge seiner österreichischen Commilitonen an die deutschen Studenten gerichtete Erklärung, „daß die Deutsch-Oesterreicher nichts sehnlicher herbeiwünschten, als den Sieg der deutschen Waffen und nichts schmerzlicher bedauerten, als an den Kämpfen nicht theilnehmen zu können." Fürth, 29. Nov. Wiewohl es in hiesiger isr. Gemeinde an mannigfachen Veranstaltungen, Thorawiffen zu pflegen und zu fördern, nicht fehlt, ja sogar — was nur noch in zwei deutschen CultuSgemeinden anzutreffen ist — hierorts eine eigene jüdische Realschule besteht, welche die Aufgabe hat, den Kindern im Rahmen des allgemeinen Lehrplares auch zu einem gründlichen hebräischen Wissen zu verhelfen und sie zu aufrichtiger Gesetzestreue zu erziehen: hat sich in den letzten Wochen dennoch hier wieder ein Verein „Auhawe Thora" mit der Zweckbestimmung gebildet, für jüd. Lehrlinge, Commis u. a. Fortbildungskurse für religiöses Wissen einzurichten, und zwar in der Art, welche die jeweilige Vorbildung und somit den ftufengemäßen Fortgang der Theilnehmer berücksichtigt und ihnen eine entsprechende Ausbildung in dem wichtigsten Wissensgebiet, dem der Religion verspricht. Auch durch andere Veranstaltungen will der neugegründete Verein für Verbreitung und Verallgemeinerung jüdischen Wissens thätig sein. Wir freuen uns dieses Vorhabens, welches geeignet erscheint, die Wiederbelebung des Bewußtseins von dem hohen, augenerleuchtenden und herzgewinnenden Geiste unserer Thora in den Herzen ihrer jugendlichen Bekenner anzubahnen, herzlichft und aufrichtig, und geben der Hoffnung Raum, daß die Vereinsleitung ihren Zweck, wahrhaft religiöses, zur Thatenübung hinüberleitendes Wissen unter der handelsbefüffenen Jugend zu erhalten und zu verbreiten, auch mit richtigen Mitteln verfolgen werde, indem sie •ncb und npyo zu den Hauptbedingungen ihres Bestandes macht und einzig und allein hierin das höchste Ziel ihrer Wirksamkeit erkennt. — Wie wir hören, wird ein Neudruck der p"p nzv K-nr»ß, nach welchem sich der Gottesdienst sehr vieler Gemeinden des Südens regelt und die im Buchhandel ganz vergriffen sind, vorbereitet und soll sobald als thunlich bewerkstelligt werden. Diejenigen, die sich für diese Angelegenheit interessiren und in Bezug auf dieselbe Wünsche zu äußern haben, oder Ratschläge zu ertheilen in der Lage sind, wollen solche an die Direktion de- Israelitischen Waisenhauses in

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