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Der Israelit · 1897-12-02 · Heft 95 (2.12.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 95 (2.12.1897)
Date
1897-12-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1805 cs ausdrücklich heißtEin Greuel dem Herrn ist jeder Hochmuth? (das. zu St.). Jerobeam, der König Israels, ist auch nur durch seinen maßlosen Dünkel zu Grunde gegangen (Sanhedrin 101, b); denn der Neid, die Begierde und die Ehrsucht sind Laster, die den Menschen aufreiben und ihn aus der Welt bringen (Aboth 4, 21). Wer nach dem Besitz oder nach der Würde seines Nächsten strebt, dem wird, was er wünscht, nicht nur nicht gewährt, sondern das, was er bereits hat, wird ihm dann auch genommen, so war es mit Kajin, Korach, Bileam, Doeg, Achitophel, Gechasi, Absalom, Adonijah, Usijahu und Haman, welche alle in ihrem Ehrgeize nach der Würde Anderer strebten, ihr Wunsch aber ging nicht in Erfüllung, und was sie an Ehren besaßen, verloren sie dann auch noch (Sotah 9). Drei Dinge sind es, über sie die Gottheit gleichsam meutt: Wer Muße zum Lernen hat und nicht lernen will, wer nicht Zeit zum Studium hat und dennoch studirt, und wenn ein Vorsteher sich stolz vor der Gemeinde geb erdet (Chagigah 4,d). Der Talmud stellt die Frage auf, wo wir ein Verbot gegen den Stolz in der heiligen Schrift finden, und antwortet mit der Warnung des Propheten : O, höret und merket auf, seit nicht hochmürhig (Jeremias 13), (Sotah 5). Von der Zeit des jüngsten Gerichtes, in welcher das Maaß der Sündhaftigkeit und des Lasters in der Welt den Höhepunkt erreicht haben wird und die göttliche Vorsehung die Erlösung der Menschheit als die unumgänglichste Notbwendigkeit erachtet; von dieser Zeit, sagen unsere Weisen, daß das Sündenmaaß bei allem Unrecht und aller Willkür, bei aller Sitten- und Gottlosigkeit nicht eher voll sein wird, bis nicht die Frechheit, der Dünkel, der Stolz und die Anmaßung überhand nehmen; die Wendung zum Befferen, zur Menschheitsbeglückung, zur Welterlösung wird erst dann eintreten, wenn Jünglinge auf Greise hochmüthig herabblicken, Gelehrte sich 'vor Unwissenden beugen, die Tochter sich über die Mutter überhebt und der Sohn schamlos vor dem Vater ist, überhaupt das Zeitalter das Gepräge der Schamlosigkeit und Frechheit haben wird, bis dann endlich die Schrankenlosigkeit und die allgemeine Verwirrung ein Ende nehmen und jeder Stolz gebrochen und alle Hochmüthigen vernichtet sein werden. (Sanhedrin 9ö,b) und 9b). Als Jesaias mit seinem Hellen Seherblick das schwere Verhängniß, welches sein Volk einst treffen wird, vorhersah, und die Laster verkündete, durch welche einst Israel tief verkommen wird, da endete seine traurige Prophezeiung mit den bedeutungsvollen Worten: „Es wird sich ausblähen der Knabe gegen den Greis, der Geringe gegen den Geehrten", denn er hatte das Gefühl, daß der Fluch nicht mehr übertroffen werden kann, und daher die Wendung zum Besseren darauf nicht ousbleiben wird. Was versteht man unter den Worten: Es wird sich der Knabe stolz gegen den Greis erheben? das heißt: Die Verdienstlosen werden hochmüthig sein gegen verdienstvolle Männer, und die, welche die Gottesgebote gering achten, werden stolz thun gegen die Frommen, welche die kleinsten Satzungen mit -strenger Pflichttreue halten. (Chagigah 14). Hochmuth und Stolz werden im Talmud so sehr verpönt, weil diese Untugenden auch zur Sitten- und Zuchtlosigkeit führen, weil sie Gottvergeffenheit, ja Gottesleugnung zur Folge haben, denn so heißt es: Und so Dein Herz sich erhebt, wirst Du vergessen oen Ewigen deinen Gott. (Sota 4 b.) Darum meide jeden Stolz. Nicht einmal bei deinen Hausgenossen, bei deinen Familienmitgliedern zeige das Bestreben Furcht einzuflößen, um dir dadurch mehr Geltung als nöthig ist, zu verschaffe«. (Gittin 6, b). Erwieoere den Gruß eines Jeden, selbst des Geringsten,' auch des Mindesten Lob oder Segen sei dir nicht gleichgiltig. (Megillah 15, a). Jede Arbeit sei dir lieber und werthvoller, als eine Ehrenstelle oder eine Würde anzustreben (Aboth 1), denn wer seinen Namen groß und berühmt zu machen beabsichtigt, deß Namen fällt der Vergessenheit anheim (das.) Für die Vornehmen und wegen ihrer Wiffenschast Angesehenen, ist es besonders geboten jeden Hochmuth aus dem Herzen zu bannen. Benütze nicht die Krone der Thora um Dein Haupt damit zu schmücken, wer sich ihrer zur Erhöhung seines Ruhmes bedient, wird von der Welt verschwinden (Nedarim 62 a). Thue nicht 'stolz mit deiner Gelehrsamkeit, bist Du ausersehen über religiöse Fragen zu entscheiden, so sei darob nicht hochmütig, ziehe daraus keinen Schluß auf Deine Größe, auf Deine hohe Bsoeutung. (Aboth 1 und 6). Wisse, daß der Aussätzige nur deßhalb mit seinen Leiden behfftet wurde und genöthigt war, außerhalb jeder menschlichen Gesellschaft einsam zu weilen, weil er früher sich über Andere zu sehr hervorhob, darum, wenn er dann geheilt wird, soll er das Mop in das Heiligthum bringen, als Symbol der Demulh, der er sich von nun zu befleißigen hat (Raschi zu Paraschath Mezorah), wisse endlich, daß es thöricht ist in deiner Schwäche, in deiner Hilflosigkeit, in deiner Hinfälligkeit und Bedeutungslosigkeit dich hervorzuthun vor dem allmächtigen, allwissenden, allgegenwärtigen, ehrfurchtgebietenden, großen erhabenen Weltenschöpfer. Das lehrt uns auch die Kleidung des Hohenpriesters während seines heiligen Dienstes am Jom Kippur im Allerheiligsten. Da durfte der gesalbte Gottesdiener nicht in seinen gewöhnlichen goldgezierten Amts-

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