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Der Israelit · 1897-11-29 · Heft 94 (29.11.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 94 (29.11.1897)
Date
1897-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1786 Herr der dem Hause des Herrn Lazar entflohene Franzose war, da hatte das Fragen kein Ende. Die Herren mußten an der gemeinsamen Tafel Platz nehmen und bildeten den Mittelpunkt der Unterhaltung. Alphonse Cahen erzählte die Abenteuer seiner Flucht und wie er seinen alten Vater gefunden, die Schicksale, die sie alsdann betroffen, bis sie in der Schweiz endlich neutralen Boden erreicht hatten. Er schloß: „Wunderbar hat Gott unser Schicksal geleitet; aus allen Gefahren hat er uns gnädig errettet und alles zum Guten gelenkt. Haben wir auch unser altes Vaterland verloren, denn wir sind deutsch geeworden, meine Herrschaften, so finden wir doch ei den neuen Brüdern im deutschen Reiche viel Wohlwollen und Liebe." Alice hatte während dieser Zeit Frau Aberle aufgesucht. Ihr war so wohl zu Muthe; sie war so glücklich, daß sie sich mit ihrem Verlobten ausgesprochen hatte, daß sie ein Herz haben mußte, dem sie ihre Freude mittheilen konnte. Nun wäre Selma Fink wohl die erste gewesen, die sie an ihrer Freude hätte theilnehmen lassen können, aber sie war keine Jüdin, kannte selbstverständlich die jüdischen Gesetze nicht und konnte daher Alice doch nicht so recht verstehen. Deshalb hatte sie ihr Glück nicht Selma, sondern der jungen Frau Aberle mitgetheilt, bei ihr das Herz ausgeschüttet. Und Alice hatte Recht, der jungen Frau Vertrauen zu schenken. Diese war anfangs ganz bestürzt darüber, daß Alice es vermocht, vierzehn Tage mit ihrem Verlobten zu schmollen. „Mit Schmollen und Thränen kann die Frau wohl die momentane Erfüllung eines Wunsches erreichen," sagte sie, „eine Aenderung in der Sinnes¬ und Lebensweise des Mannes erreicht sie dadurch nie. Die Ehe ist eine Schule, in der sich die Gatten gegenseitig erziehen. Wie nun jedes Erziehungswerk auf Liebe gegründet, von der Liebe geleitet werden muß, so kann das Erziehungswerk der Ehe dieses Erziehungsmittel, die Liebe, keinesfalls entbehren. Wohl sagt nran, eine kluge Frau kann alles von ihrem Manne haben; wenn die Frau wirklich klug ist, verlangt sie nicht alles, sondern ist mit wenigem zufrieden. Um so größere Freude hat sie dann all dem, was der Gatte freiwillig, aus Liebe zur Frau seines Herzens darbringt. Es wäre unnatürlich und sicher nicht von langer Dauer, wollte Ihr Bräutigam mit einem Male mit der Vergangenheit brechen, liebgewordene Gewohnheiten aufgeben und Dinge, die er jetzt noch als alte Vorurtheite ansieht, zu thun und halten Ihnen versprechen. Lassen Die ihn erst die Schönheit und Gemüthlichkeit, die Innigkeit und Reinheit echt jüdischen Familienlebens kennen, in seinem eigenen Hause kennen lernen, haben Sie Geduld, und ich bin überzeugt, bald giebt er freiwillig und aus Liebe, was er Ihnen jetzt sicher verweigert. Von innen heraus muß sich die wahre Frömmigkeit entwickeln, vom Hause, von der Farnilie aus der Strahl der Religion die Herzen erwärmen. Seien Sie klug und pflegen die Liebe, die Ihr Bräutigam Ihnen entgegenbringt, daß sie wachse und gedeihe." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 3. Dezember, 8. Kislew. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr — Min. 4. Dezember, 9. Kislew, rDNP ,N2n. Sabbat-Ausgang in ffftainj und Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. — Berlin 4 Uhr 39 Min. — München 5 Uhr 8 Min. — Hannover 4 Uhr 54 Min. — Stuttgan 5 Uhr 15 Min. — Prag 4 Uhr 50 Min. — Straßburg 5 Uhr 20 Min. Der erscheint wöchentlich sw ei mal, XLontng* and Donnerstags, jedesmal in mindestens ymi flMtm. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich oder Vierteljährlich Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Arr Buchhandel verkehrt durch E. /. Ktriuucker, «»ßglntz ls. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im ReelametheÜ 75 Pfennig. — Direkte Franco-ufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 st. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expeditton franco einzufenden. •t*t M« *» via ftttottts» eingesandte« Manuseripte« findet nicht statt, man dittet deshald, stch dsn a»e« Einsendungen »ine skopie rnrückzndehaite«. Inhalt (chauptblatt) Leitender Artikel: sJm Exil. Von Herrmann Klein, Rabb-Candidat in Frankfurt a M. — Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Memel. Bad Homburg. Mogilno. Leipzig. Oefterr -Ungar. Monarchie: Wien. Karlsbad. Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthelf. (Fortsetzung) Anhalt der Beilage r Leitender Artikel: Sekten im Judenthum. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Wreschen. Frankreich: Paris.— Personalien. — Vermischtes.» Extra-Beilage r Spendenverzeichnisse. — Juda Maccabäud. Ein dramatisches Gedicht von Henry WadSrvorth Longfellow. Verantwortliche Redactton: Oscar Lehman» in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Gchottstraße Rr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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