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Der Israelit · 1897-11-29 · Heft 94 (29.11.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 94 (29.11.1897)
Date
1897-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1785 „Die Waldfrau thäte bester, sich um die Angelegenheiten der Menschen nicht zu kümmern," versetzte der Doktor mißmuthig. „El, ei, das sind ja schöne Sachen! Ich hätte doch geglaubt, der Freundin stehe ein aufrichtig gemeintes Wort frei. Was Ihr auch miteinander vorgehabt haben möget, Karl, Ihre Pflicht, die Pflicht des Mannes ist es, die Versöhnung herdeizuführen. Gs ist kein Ruhm, eine Dame bezwungen zu haben; oder erwarten Sie ernstlich, daß Alice den ersten Schritt zur Versöhnung thue? Pfui, das wäre nicht ritterlich!" „Wenn Sie alles wüßten, Selma." „Ich weiß alles, und weiß auch, daß Ihr zwei eigensinnige Köpfe seid. Wenn ich nicht ebenso gut wüßte, wie innig Ihr Euch liebt und wie weh Euch beiden nun zu Muth ist, so hätte ich die Sache ihren Gang gehen lassen. Ihr sollt Euer Glücknicht selbst zerstören durch Euren Eigensinn, und darum mein Herr —" Sie hatten Alice eingeholt. Bei den letzten Worten hatte Selma den Arm ihrer Freundin in den des Arztes gelegt und „Recht angenehme Unterhaltung" wünschend, sich umgekehrt und das Brautpaar allein gelassen. Kaum hatte Dr. Jordan bemerkt, daß Selma sich von den Brautleuten getrennt hatte, da war er auch schon an ihrer Seite. „Jst'S erlaubt. Sie zu begleiten, schöne Fee?" fragte er, ihr den Arm bietend; lächelnd nahm sie seinen Arm, und auf das vor ihnen her gehende Paar deutend, sprach sie: „Beichte, Absolution, große Versöhnung." „Es war aber auch nöthig," entgegnete er; „Reiß hätte sich sonst aufgerieben." Eine ganze Weile ging das Brautpaar nebeneinander her, bis Reiß endlich das Schweigen brach. Er bat Alice, ihm doch nicht zu zürnen, da ihn ihr Zürnen unglücklich mache. Lange mußte er bitten, bis sie ihm verzieh; doch als der Wald sich lichtete und man an eine Waldwiese kam, auf der die schönsten Blumen sproßten, da hatte auch die Versöhnung stattgesunden, und Hand in Hand suchte das Brautpaar die schönsten Waldblumen und band sie zu einem Strauße. Und befremdend blickten die Kinder Florens auf das junge Menschenpaar, in dessen Herzen eben wieder goldner Sonnenschein strahlte. Wie schön wäre doch die Welt, wenn die Menschen sie nicht häßlich machen würden! XIII.. Es war eine lustige Gesellschaft, die sich um die Mittagsstunde hoch oben in dem kleinen Gebirgsdorse zusammengefunden hatte. Man hatte einen tüchtigen Marsch zurückgelegt, und die gerötheten Wangen der Damen, die raschen Athemzüge der Alten zeigten, daß der letzte Theil des Weges auch der mühevollste war. Die Gesellschaft hätte sicherlich aus ein ordentliches Mittagessen verzichten müssen, wenn Herr Lazar nicht in Voraussicht der kommenden Dinge einen Proviantzug vorausgeschickt hätte. Man war deßhalb äußerst angenehm überrascht, als eine seingedeckte Tafel die Touristen im Garten der kleinen Schänke erwartete. Der gute Appetit, den die ganze Gesellschaft nach dem anstrengenden Marsche beim Anblick der reichbesetzten Tafel empfand, machte sich in mehr oder minder lauten Ausrufen Luft, und als Herr Lazar die Gesellschaft bat, sich sofort zur Tafel zu setzen, wurde ihm ein brausendes Hurrah dargebracht. Man zögerte nicht lange, und bald hatten die Touristen so viel zu thun, den Magen zu befriedigen, daß sie keinen Blick für die Schönheiten der Natur hatten, die sich hier oben dem Auge boten. Henoch Aberle und seiner Frau war die Ausgabe zugefallen, das^Diner zu bereiten, und sie hatten diese zu aller Zufriedenheit gelöst. Als Henoch gegen Ende der Tafel erschien, erntete er viele Complimente. Besonders war es das Brautpaar, welches ihm Schmeicheleien sagte, und Henoch zahlte mit gleicher Münze. „Wo ist denn Ihre Frau?" fragte Alice; „auch ihr sind wir Dank schuldig." „Mehr als ihm selbst;" fuhr Dr. Reiß fort; „nun, Henoch, sagen Sie aber einmal, wer ist der Herr, der seit einiger Zeit an jenem Tische sitzt und uns beobachtet"? Henoch blickte hin; er kannte den Herrn nicht. Da wandte sich auch Alice und blickte nach der Richtung. „Der Herr kommt mir so bekannt vor. Wer ist es doch nur?" Sie sann und sann. Endlich rief sie: „Run weiß ich, wer es ist. Es ist unser geflohener Franzose." Auch der Herr schien die Gesellschaft zum Theil zu kennen, denn als nun noch ein Herr zu ihm trat und sie sich unterhielten, merkte man, daß sie von den Touristen sprachen. Da erblickte der zuletzt erwähnte Herr den Dr. Reiß; er stutzte zuerst und besann sich, doch dann rief er aus: „Rein, er ist es," eilte auf den jungen Arzt zu und umarmte ihn. Karl wußte nicht, wie ihm geschah, doch als der Herr ihn in französischer Sprache fragte: „Sie kennen mich nicht mehr?" da siel es wie Schuppen von seinen Augen und er ^erkannte den Franzosen, dem er 1870 durch seine DazwifchenkuM das Leben gerettet halle. Die Freude des Wiedersehens war groß, und als sich nun herausftellte, daß auch Alice richtig gesehen hatte, daß der andere

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