Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 94 (29.11.1897)
- Date
- 1897-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1781 Louis Sarnik Mk. 100, Frau Krawitz Mk. 50, Sägankahan, Bajohren Mk. 150, und Moses Golden Mk. 300; Summa Mk. 3374,80. Millerweile ist diese leidige Angelegenheit insoweit zur Ruhe gekommen, als die Ausgewiesenen nicht mehr mit schweren Executionsstrafen — Geld sind Gefängniß belegt werden; allein zurückgenommen und die Ausweisungen nicht. Nur der Witwe Lande, Tochter eines hiesigen Bürgers, die aber durch ihre Verheirathung an einen längstverstorbenen, nicht naturalisierten Mann ihr Aufenthaltsrecht verwirkt hatte, ist nachträglich regierungsseitig der Aufenthalt gestattet werden. Die im Verzeichnisse Genannten sind die hier verbliebenen Frauen, deren Männer sich bereits im Auslände befinden. — Auch von den in der Kaffe verbliebenen 5150 M. 89 Pfg. werden noch einige Unterstützungen entnommen werden müsien. Der Rest jedoch muß für den Fall zurückbehalten werden, daß Einzelne der Ausgewiesenen mit Reisekosten versehen werden können, falls sie schließlich doch den Ort zu verlassen gezwungen sein sollten. Nach Abschluß des gesummten Unterstützungs- Werkes wird das Comitb einen nochmaligen Rechenschaftsbericht veröffentlichen. Bad Homvurg. Mit Beginn des neuen Jahres ist unser verehrter Cantor, der auch als Hotelier gut bekannte Herr Abr. Braunschweig in den Ruhestand getreten. Der Genannte hat 42 Jahre lang den besten Anforderungen genügend, seines Amtes gewaltet, und sich auch das erworben, was unsere Weisen als eines der werthvollsten Güter hier auf Erven bezeichnen: — einen guten Namen. — Am ersten Neujahrstage wurde Herrn B. seitens des Cultusvorstandes in einer geschmackvoll ausgestatteten Adresse die Ehrenmitgliedschast unserer Gemeinde zuertheilt, und neuerdings ist ihm von Sr. Majestät dem Kaiser der Kronenorden 4. Klaffe verliehen worden. Möchte dem alten Herrn, der trotz seiner 72 Jahre noch recht stattlich einherschreitet, ein freudevoller Lebensabend beschieden sein! — Die verwaiste Cantorstelle, einstweilen interimistisch versehen, wird vom 1. Januar ab wieder definitive Besetzung finden. Mogiltto Posen, 23. Nov. Der Bikur-Cholim- Verein hier, feierte an Simchas - Thora die 25. Jahreswende seines Bestehens. Derselbe ist der Mildthätigkeir und Hilfeleistung an Kranken und Sterbenden gewidmet. Nach vorausgegangener Synagogenseier, die sich feierlich und würdevoll gestaltete, versammelten sich Abends die Gemeindemttglieder zu einem stillen und gemüthlichen Beisammensein. Unser Herr Rabbiner Singer brachte, unter Hinweis, wie sehr die jüdische Religion ihre Bekenner zur Liebe und Treue an Vaterstadt, Vaterland und Landesvater verpflichtet, den ersten Trinkspruch aus Se. Majestät, unfern geliebten Kaiser und König, aus, in den alle Anwesenden dreimal voller Begeisterung einstimmten. Der Vorsteher des Vereins, Herr Arnheim, that sein Bestmögliches zur erhebenden Ausgestaltung der Feier. Möge der Verein, der Liebe und Milde gewidwidmet, weitergedeihen und fortbestehen für alle Zeiten. ** Leipzig, 22. Nov. „Mit einer Jungfernrede muffe man Nachsicht haben" — diese Worte fdjidte Herr Frauberger, Direktor des Kunstgewerbe- Museums in Düsseldorf, einem von ihm -ehaltsnen Vortrage „Ueber das Aufsammeln und die Verwendung jüdischer Alterthümer" im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" voraus. Um »ine „Jungfernrede" handelte es sich in zweifacher Beziehung: zum ersten Mal sprach Herr Direktor Frauberger in einem Verein für jüdische Geschichte und Literatur, und zum ersten Mal wurde wohl auch in einem solchen Verein ein derartiges Thema — jüdische bildende Kunst besprochen. Der Nachsicht aber bedurfte es nicht dem Vortrage des Herrn Direktor Frauenberger gegenüber. Im Gegentheil, wir dürfen uns glücklich schätzen, unsere diesjährigen Vortrags- Abende mit einem so feffelnden und interessanten Vortrag, der so viel des Neuen und WiffenSwerthen brachte, eröffnet zu haben. „Jüdische bildende Kunst" — wenige unter uns haben wohl je darüber nachgedacht, ob es eine solche giebt. Herr Frauberger hat in seinem Beruf, durch Zufall auf die Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hingewiesen, auf seinen vielfachen Reisen ein unerwartet reichhaltiges Material jüdischer Kunstdenkmäler der Vergangenheit vorgefunden und photographiren lassen. Eine große Anzahl solcher Photographien hatte der Vortragende mitgebracht, und an der Hand derselben führte er uns in das noch ziemlich unerschloffene Gebiet jüdischer bildender Kunst ein. Er schied dasselbe in zwei große Gruppen: die dem Heiligen gewidmete Kunst (in der Synagoge) und die Kunst im täglichen, profanen Leben der Juden. Beide Gruppen scheiden sich wieder in zwei Unterabtheilungen: die Kunst nach Außen (Gebäude) und die innere Ausschmückung von Synagoge u. Haus. Für Alles zeigte uns der Rednerzahlreiche Beispiele: alte Synagogen aus Deutschland, Frankreich, Italien, der Türkei und dem hl. Lande, bis zu den Holz-Synagogen Rußlands, herrliche Exemplare des Araun hakodesck, Umhüllungen für Thorarollen, Seser Thora's, selbst der „Jad", des WeiserS beim Vorlesen aus der Thora, rc. Aus altjüdischen Häusern sahen wir viele Photographien, Gegenstände,., die sich nur auf das rein jüdische Leben beziehen,' künstlerisch ausgesührte Sabbat- und Chanuka-Leuchler, Besomim-Büchsen, Seder-Schüffeln und manches Andere. Auch Trau-Ringe und Heiraths - Verträge