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Der Israelit · 1897-11-25 · Heft 93 (25.11.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 93 (25.11.1897)
Date
1897-11-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1764 Palästina. ** Nazareth. In der Nähe wurde kürzlich eine ein militärisches Diplom darstellende Bronzetafel gefunden, deren Inschriften nach einer Mittheilung von Häron de Villefoffe in der „.Rev. biblique“ nicht unwichtige Angaben über den Krieg in Judäa unmittelbar nach der bekannten Empörung des Bar-Kochba enthalten. Das Diplom, das sich auf das in Judäa stehende römische Herr bezieht, stellt u. A. die bereits bekannte Thatsache fest, daß die Provinz in jener Zeit nicht mehr den Namen „Judäa", sondern „Syrra Palaestina" trug, ferner hat es den Namen eines Gouverneurs von Palästina, des biher unbekannten P. Calpurnius Atilianus, und die genaue Angabe seiner Regierungszeit überliefert. Die Bronzetafel ist dem Louvremuseum in Paris überwiesen worden. M a r o c c o. § Mogador. Die Juden Maroccos sind von jeher vom Waffendienste befreit, da unser Sultan als Scherif (Enkel des Propheten Mohamed) in seiner Armee nur Mohamedaner wünscht. Wie aus der Residenzstadt Fez berichtet wird, sollen nun auch die Juden, wenn auch nicht zum Armeedienste so doch zu den Armeelasten herbeigezogen werden, indem man ihnen eine große Waffensteuer auflegt. Sollte dieses Vorhaben unserer Regierung wirklich zur That werden, so wäre dies ein wahres Unglück für die Juden Maroccos, da sie in ihrer notorischen Armuth kaum im Stande wären, die neue Steuer zu tragen, und dann würden unsere Beamten diese neue Steuer schon dazu benützen, um neue Erpreffungen an den Juden zu begehen. Jndeß wird die Regierung kaum von ihrem Vorhaben mehr abzubringen sein, da unser Sultan, wie verlautet, entschlossen ist, seine Armee ganz nach europäischer Art zu organisiren und zu bewaffnen, und zu so etwas braucht man Geld, viel Geld. Der Jude wird daher tüchtig zahlen können, ob er reich ist oder arm, wird er sich nicht der Rachsucht der Beamten aussetzen wollen. vermischtes. Berlin Die Nevision des antisemitischen Redakteurs Knorr wurde vom Kainmergericht verworfen; Knorr war wegen Beleidigung des Landrichters Dr. Hirsch zu einer erheblichen Gefängnißstrase verurtheilt worden. Berlin. Der Vorstand der jüdischen Rewrmgemeinde hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des verstorbenen Stadtraths Borchardt zum ersten Vorsitzenden Herrn Rudolf Masse gewählt. Watthaber» (bay. Pfalz). Der in Nr. 89 erwähnte Contor und Schächter Leopold Born st ein in Zirke (Posen) z. Z. hier amtierend, hat am 3. Marz die Naturalisation erlangt und somit die deutsche Reichsangehörigkcit erworben. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gatthelf. 20) sAlle Rechte Vorbehalten.) Seit diesem Feste war Dr. Reif täglicher Gast im Fink'schen Hause. Selnia fand Gefallen an der Unterhaltung mit dem jungen Arzte und wenn Dr. Jordan auch in dem kleinen Kreise anwesend war, fand jedesmal ein Geistesturnier statt, bet welchem die Siegespaline bald dem einen, bald dem andern zuerkannt werden mußte. Dr. Reiß kam seltener zu seinen alten Freunden, aber so oft er kam, überzog eine Purpurröthe das Antlitz Selmas und dem scharfblickenden Arzte konnte der Grund dieser Erscheinung nicht länger verborgen bleiben. Er zog sich deshalb immer mehr zurück, um den Seelenfrieden seiner Freundin nicht weiter zu gefährden. Selma und Alice verkehrten jetzt recht oft mit einander und bald umschloß ein inniges Band der Freundschaft die beiden jungen Mädchen. Sie waren zwei sich ergänzende Charaktere und deshalb wurde dieser Freundschaftsbund je länger er währte, um so fester. Anfangs hatte Selma freilich manchmal versucht, da Alicens strenggläubiges Leben ihr manche Rücksichten und Hindernisse auferlegte, im Sinne ihres Freundes, des Dr. Reiß, auf deffen Braut einzuwirken, aber die feste Zurückweisung, die ein jeder solcher Versuch erfuhr, ließ sie bald erkennen, daß nicht die Macht der Gewohnheit, sondern die festeste Ueberzeugung und Glaubenstreue Alice vor jeder Uebertretung eines Religionsgesetzes bewahrte. Eine solche Ueberzeugung und Treue konnte sie nur hochachten, und daher kam es, daß sie aus einer Verbündeten des Bräutigams eine Gegnerin desselben, eine Verbündete der Braut geworden war. Jene Frage, die Alice entscheiden sollte, war seither schon öfter ventiliert worden und jedesmal hatte Alice ihre Sache so gut vertheidigt, daß Selma sich auf ihre Seile stellen mußte. Dr. Reiß fühlte sich daher recht unbehaglich, so oft die Rede auf ihren zukünftigen Haushalt zu sprechen kam, und eines Tages schlug er folgenden Compromiß vor: „Weißt Du, mein Schatz," sprach er, „wir machen es so. Im Hause regiert die Frau; außerhalb des Hauses der Mann. Du bist Herrin in Deinem Hause; richte es Dir ein, wie es Dir beliebt. Ich will kein Wort darüber verlieren. Aber I lasse auch mir meine Freiheit; zwinge ntich-nichtän

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