Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 93 (25.11.1897)
- Date
- 1897-11-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448792--44949-2494069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1760 welcher sich mit wohlbegründeter Verachtung von dem Pöbel, dem vornehmen wie geringen, abwendet." „Die Wichtigthuer gleichen dem so lange Zeit hindurch angebeteten Haupte des olympischen Jupiters, in dem man endlich nichts als Ratten und Spinnenweben fand." (Voltaire.) Stolz und Ehrgeiz findet sich bei wirklich großangelegten Naturen nie. Solcher Mittel bedürfen nur kleinliche, nichtssagende Leute, um glauben zu machen, als wären sie etwas. „Der Ehrgeiz ergreift kleine Seelen leichter als große, gerade wie das Feuer leichter das Strohdach der Hütte, als die Paläste erfaßt." (Cbamsort.) Nach dieser Austastung ist der Stolz geeignet, gerade die entgegengesetzte Wirkung hervorzurufen, welche er beabsichtigt, denn da derselbe das sicherste Zeichen der niedrigen und beschränkten Gesinnung ist, so bewirkt er anstatt Ehre Erniedrigung, anstatt Hochachtung, Geringschätzung. Deutlich spricht die heilige Schrift diese Ansicht aus: Der Stolz des Menschen ist geeignet ihn zu erniedrigen, der Demüthige aber erhält seine Ehre (Spr. 29, 23.) Wer ein hochmüthiges Selbsibewußtsein und ein stolzes Selbstvertrauen zur Schau trägt, ist sicher ein Narr. (Das. 28, 2b). Die jüd. Sittenlehre verachtet jede Hoffahrt, verwirft jeden Stolz und warnteindringlich vorHochmuth; nach ihrer Anschauung sind diese Untugenden eine freche Herausforderung gegen die Majestät desjenigen, der allein groß und hoch, erhaben und mächtig ist, gegen die Majestät Gottes. Ein stolzes Herz ist dem Herrn ein Greuel (Spr. 16, 5.) Erniedrigt werden die Augen der Stolzen, gebeugt wird der Hochmuth der Männer, der Herr aber wird allein erhaben sein an jenem Tage. Denn der Tag des Herrn Zebaoth wird gehen über alles Hoffährtige und Hohe, und über alles Erhabene, daß es ernierigt werde; auch über alle hohe Zedern des Libanon und über alle Eichen Baschans; über alle hohen Berge und über alle erhabenen Hügel; über jeden hohen Thurm und über jede Feftungsmauer; über alle Schiffe Tarschisch' und über alle köstliche Geschmeide; und gebeugt wird der Stolz des Menschen, und gedemüthigt der Männer Hochmuth und der Herr bleibt allein hoch und erhaben an jenem Tage. Und mit den Götzen wird es ganz vorüber sein. Und jeder wird von sich werfen seine goldenen Götzen und seine silbernen Götter, die er bis nun angebetet hatte. Auf daß er möge in die Steinritzen und in die Felsenklüfte kriechen vor der Furcht des Herrn und vor -ftmee' hevrkichen Majestät, wenn er. sich ausmachen cwivd, Äe Erde zu schrecken. So laßt «un ab von idem Menschrm/der nur Odem in der Nase hat, dennwas ist er denn geachtet. (Jesaias 2, 11—22). Der Mensch wird gebeugt, der Mann erniedrigt. die Augen der Stolzen gedemüthigt, der Herr aber wird erhöht durch Recht und Gott wird geheiligt durch Gerechtigkeit (das. 5, 15—16). In keines Menschenherz findet der Hochmuth so leicht Emgang, als in das eines Herrschers. Derselbe verfügt in reichstem Maße über die verschwenderischsten Genüsse des Lebens, er vermag alle seine Neigungen und Wünsche, wie kein anderer Sterblicher auf Erden zu befriedigen, gewohnt wie ein höheres Wesen verehrt zu werden, vor dessen Willen Alles sich demüthigen und beugen muß, gewohnt überschwengliche Schmeichelworte zu hören und Huldigungen entgegenzunehmen, kann er am leichtesten von Dünkel und Stolz erfüllt werden, da er nur an das zu glauben braucht', was ihm seine Umgebung und seine Unterthanen von seiner Person sagen. Bis zur Selbstvergötterung aber kann der Stolz ausarten bei den Mächtigen der Erde, welche Völker besiegten, Länder eroberten, Könige zu Gefangenen machten und sie beugten und demüthigten. Hiervon geben ein lehrreiches Beispiel die Pharaonen Egyptens, die Tyrannen Griechenlands, die Imperatoren Roms, die meisten Völkerbezwinger des Alterthums, die sich in maßloser Ueberhebung der allmächtigen Gottheit gleichstellten und auch göttliche Verehrung von den Menschen forderten. Das Bild eines solchen Herrschers entwirft uns der Prophet in überaus lebendiger Weise mit folgenden Worten: „Und Du wirst dieses Sprichwort erheben wider den König von Babel: Zerbrochen hat der Herr den Stab der Frevler, die Ruthe der Herrscher, der die Völker züchtigte mit Grimm, ohne Unterlaß sie schlug, und Nationen in Zorn verfolgte. Nun ruhet und rastet die ganze Erde, alles bricht in Jubel aus. Auch freuen sich die Tamaen, die Cedern Libanons über Dich und sagen: Seitdem Du da liegst, kommt niemand uns zu fällen. Die Hölle unten zittert vor Dir, so Tu ihr entgegenkommst, sie erweckt ihr die Todten, die Großen der Erde stehen aus von ihren Thronen, die Könige der Völker. Alle rufen Dir zu: Bist Du nun auch geschwächt worden gleich uns? Deine Majestät ist in die Hölle gesunken mit dem Toben deiner Harfe, Motten sind dein Unterbett und deine Decke ist Gewürm. Und du hattest doch immer gesprochen: Ich will in den Himmel hinaufsteigen, über die Sterne Gottes meinen Thron erheben, über die hohen Wolken fahren und mich dem Allerhöchsten gleichstellen. Allein du bist in die Hölle gesunken, in das tiefe Grab. Alle die dich jetzt sehen, staunen dich an und fragen verwundert: Ist das der Mann, der die Erde erzittern machte, der die Königreiche erschütterte, der die Welt in Wüste verwandelte, die Städte niederriß und die Gefangenen nie entließ? So endet der maßlose Hochmuth der Welteroberer alle, die geblendet von ihrem Siegesruhm sich für Götter halten