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Der Israelit · 1897-11-25 · Heft 93 (25.11.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 93 (25.11.1897)
Date
1897-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXTU1. Jahrgang. J&U.&#• Der Israelit. Ern Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum Begründet von Dr. ITeJjmftuw in Xttainf. Donner ft ag, den 25 November 5658 (1887). M Eine Mtslvk abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat W Dezember W auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnorte» deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die ErpeLilwn des „Asrnelw". Leitender Artikel. Die Demiiw Geiß der jiiii. KMesiehre. Von Rabbiner H. Galandauer in SoborteN (Böhmen). II. Gegen Stolz und Hochmnth. Der Stolz ist das äußere Zeichen von Mangel inneren Werthes. Er ist das gerade Gegentheil von wahrer Würde, welche mit demselben gar nicht verglichen werden kann. Während wirkliche Würde stets von einer vornehmen Ruhe und Gelassenheit, von Zurückhaltung und gemessener Bescheidenheit begleitet ist, bläht sich der Stolz geräuschvoll auf, drängt sich mit wichtigthuender Miene überall vor, ist immer bestrebt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken, sich Geltung zu verschaffen und seine Begabung, seine Fähigkeit oder seine sonstigen Vorzüge nach Möglichkeit hervorzukehren. Man kann sich auch den Anschein von Bescheidenheit geben und allerlei Künste und Mittelchen anwenden, um seinen Dünkel und Stolz möglichst zu verhüllen; der wahre Menschenkenner aber wird sich dadurch nicht täuschen lassen und er wird bald herauszusinden wiffen, mit wem er es zu thun hat. Man kann aber auch andererseits ein bedeutender Mensch sein, ohne die Kunst zu verstehen, würdevoll und vornehm aufzutreten, was einem solchen Menschen auch in den Augen der Menge schadet, welche, da diese nur nach dem Aeußern urtheilt, ihn für gering und unbedeutend halten wird; der wirklich Verständige hingegen wird sich von dem äußeren Schein nicht irre machen lassen und wird den eigentlichen Werth eines Jeden bald erkennen. WürdevollesWesen und würdevoll scheinen sind zweierlei Dinge. Für die Bemeffung des Werthes oder Unwerthes des Menschen ist es jedoch sehr zu bedauern, daß oft der Nichtssagende bedeutend scheint, weil er es versteht so zu erscheinen und würdevoll aufzutreten, und umgekehrt der Bedeutendste oft ein unscheinbares, nichtssagendes Wesen haben kann, was seinen Werth in den Augen der Welt zu vermindern geeignet ist. Gravität und äußere Würde, die Kunst zu repräsentiren, bleibt eine Gabe der Natur, welche niemand sich so leicht anzueignen vermag. Gewöhnlich aber trügt der Schein, und der Hohlste und Bedeutungsloseste erscheint oft mit Grandezza, mit vornehmer Noblesse, und schon Rochefoucauld (Maximen) bemerkt, „daß Gravität ein geheimnißvolles Wesen des Körpers ist, erfunden, um die Mängel des Geistes zu verhüllen." Bekannt ist auch in diesem Sinne der sinnreiche Ausspruch G öth es: „Setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken, Schaff' dir Perücken an mit hundert Locken: Du bleibst doch immer — was du bist." Ein bedeutender Mensch von sittlichem Werth und edlem Charakter, wenn er auch nicht mit einer würdevollen Erscheinung ausgestattet ist, vermag sich durch sein zurückhaltendes bescheidenes Wesen, durch das Sich-Zurückziehen und Sich-Abwenden von allem Niederen und Gemeinen, von den unreinen und unlautern gesellschaftlichen Elementen, oft mehr Achtung bei der Welt zu verschaffen, als mit äußerlichen Behelfen. „Ein Aristokrat (sagt I. S ch e r r) ist jeder,

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