Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 92 (22.11.1897)
- Date
- 1897-11-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1747 bezüglichen Stoff aus den Tagesblättern zu schöpfen. Durch das Jnterefle für den Fall Dreyfns werden selbst die Nachrichten aus Algier vergessen, die sonst de- Jntereffanten genug böten. Unsere Glaubensgenoffen in dieser französischen Kolonie sind über die von dem Generalgouverneur Lepine verfügten Maßregeln außerordentlich erfreut, noch mehr über seine Ansprachen, in denen er das Prinzip der Gleichberechtigung allerdings sehr energisch betonte. Sie erhoffen von diesem Einschreiten eine durchgreifende Besserung der schwierigen Situation dort, und wir wollen ihnen wünschen, daß sie Nicht enttäuscht werden. An: 7. November fand indessen abermals eine große, ant semitische Demonstration auf dem Kirchhofe von Mustapha von Algier statt, allerdings sind durch die energischen Maßregeln der Polizei, Ausschreitungen verhütet worden. — Daß unsere Glaubensgenossen in Algier durch allzu große Schwäche gegenüber den antisemitischen Exzessen selbst viel Schuld an der Wiederholung derselben haben, beweist unter anderm folgende Thatsache: Sie lassen sich es ruhig gefallen, daß die Antisemiten ganz nach deutschem Muster Adreßbücher der Juden herausgeben, während es nach französischem Gesetz strafbar ist, derartige Verzeichnisse zu veröffentlichen und jede darin aufgenommene Person das Recht hat, auf Schadenersatz zu klagen. Da sind die Freimaurer andere Leute. Kürzlich veröffentlichte in Lyon ein klerikaler Buchhändler ein Verzeichniß der dortigen Freimaurer. Flugs klagte ein Freimaurer gegen den Buchhändler und erzielt ein Erkenntniß, wonach dem Buchhändler verboten wird, die Schrift weiter zu verbreiten und außerdem ihm aufgegeben ist dem Kläger eine Buße von bOO Frcs., sowie sämmmtliche Kosten zu bezahlen. Wenn unsere Glaubensgenossen in Algier ebenso energisch vvrgehen würden, so würden die antisemitischen Skribenten und Verlegcr jedenfalls schnell vorsichtiger werden. — Pros. Hadamard, Prof, der Astronomie an der Universität von Bordeaux, ist als Lehrer der Mathematik nach Paris an die Facultä des Sciences berufen worden. — Schweiz. ** Bern, 12. Nov. Einen argen Fall von Thierquälerei erzählt die „Neue Züricher Zeitung". Danach wurden in Thun (Kanton Bern) von der Artillerie an einem lebenden Pferde Schießversuche mit Shrapnells gemacht. Objekt sei ein sehr altes Pferd gewesen, dawohl sehr lange im Dienste der Eidgenossenschaft gestanden. In einer Umzaumung von der Größe eines Zimmers konnte es sich frei bewegen. Auf dieses edle Thier fei nun von der Artillerie zu wiederholten Malen mit Shrapnells, d. h. Hohlgeschossen gefeuert worden. Die platzenden Metallstücke hätten dem armen Thier Stücke vom Leib gerissen. Dennoch sei e4 nicht zusammengebrochen, sondern angsterfüllt in seiner Umzaumung umhergerannt. Im Verlauf von etwa einer halben Stunde seien fünf oder sechs Schüsse abgegeben worden, das Thier habe sich dabei noch aufrecht erhalten können; doch wie habe es ausgefehen? „Vom ganzen Leibe, namentlich vom Hinterkörper hingen die blutigen Fetzen hinunter und auch der Kopf war natürlich schwer verletzt Jetzt fand es endlich der Leitende am Platz, durch einen Revolverschuß dem grausamen Spiel ein Ende zu machen" Der Einsender vergleicht mit diesem Vorkommniß den sogenanten Schächtartikel der Bundesverfassung, der das Schlachten von Thieren ohne vorherige Betäubung allgemein untersagt. Wenn diese Darstellung sich bestätigt, dürften die Schuldigen der Strafe nicht entgehen. Nach den bernifchen Gesetzesvorschriften von 1844 über die Thierqnälerei, die in diesem Falle anzuwenden wären, wird mit Gefängniß bis auf zwanzig Tage und Geldbuße bestraft, wer durch rohe Mißhandlung oder boshaftes Quälen von Thieren Aergerniß gibt. Bis jetzt wurden in Thun für Schießversuche nur Theile von Thierleichen gewählt. Zur Erprobung der Schießgewehre wurden früher urter Mitwirkung des berühmten Chirurgen Kocher auch Versuche mit Menschenleichen unternommen. Hierbei ward aber ein rvissenschaftljchkS Interesse verfolgt, und den unter Vermeidung aller Auffälligkeit verwendeten Leichen that es nicht weh. Literarisches. »DTBttn prrrn nrtü '2>^L> pbn mim “icc .mrutp p",m -rns imm Zu beziehen durch Rabbiner Deutsch in Bonyhad (Ungarn.) Schon der Name des weit über die Grenzen seines Wirkungskreises rühmlichst bekannten Verfassers, bürgt für die allseilige Gediegenheit des vorliegenden von den Gaonim in Smyrna und Bazar approbirten Werkes. Der Verfasser behandelt in dieser höchst gelungenen dritten Fortsetzung seiner vor Jahren unter gleichem Titel erschienenen Werke die schwierigsten Parthien in v'p mit einer wahrhaft bewunderungswürdigen Meisterschaft, welcher viele rabbinische Größen ihren Beifall und Anerkennung schon längst gezollt. Systematische Ordnung und Üebersichtlichkeit sind die äußeren, logische Schärfe und tiefe Gelehrsamkeit dis inneren Merkmale des in Rede stehenden Werkes. Glänzendes Zeugniß für die Vielseitigkeit und den tiefen Scharfsinn des Verfassers legen auch dem Werke beigegebene nawn ab. Besonders aber