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Der Israelit · 1897-11-22 · Heft 92 (22.11.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 92 (22.11.1897)
Date
1897-11-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1746 dahingewiesen, was an den Mittelschulen von Fürth und Nürnberg geschehen oder vielmehr nicht geschehen sein soll, merkwürdigerweise aber nicht auf das, was nach demselben Artikel des „Israelit" auch in Gemeinden „mit orthodox gesinnter Religionsbehörde langjährige Uebung ist". Sind denn die Herren der Ansicht, daß es nur in Fürth und Nürnberg, wo erfahrungsgemäß ein großer Theil der Schüler von einer selbst erfolgten Dispensation keinen Gebrauch macht, verboten ist, die Schüler an den Nachmittagen des Neujahsfestes die Schule besuchen zu lassen, während dasselbe in Gemeinden „mit orthodox gesinnnter Religionsbehörde" gestattet sei? Wenn die Herren Schriftführer erklären, daß aus der letzten Rabbinerkonferenz in München von der zur Debatte stehenden Frage keine Rede gewesen, so entspricht das sicherlich den Thatsachen. Nun war aber eine Anzahl von bayer. Rabbinern mit ihrem geschäftsführenden Ausschuß am 19. Sept. d. I. in Nürnberg versammelt, um ihre Pensivns- und Reliktenkasse in's Leben zu rufen. Ob nicht bei der Gelegenheit unter den Anwesenden eine Besprechung und ein Meinungsaustausch über die Zweckmäßigkeit von Schritten behufs Erwirkung der Schulfreiheit für Israeliten auch an den Nachmittagen des Neujahrsfestes ftattgefunden, danach hätten die Herren Schriftführer sich erkundigen können, ehe sie eine Erklärung erließen, die einer weiteren Erklärung dringend bedürftig ist. Sie hätten dann auch vielleicht erfahren können, wer denn bei jener Gelegenheit in Bezug auf die zur Debatte stehende Frage den orthodoxen Standpunkt und wer den entgegengesetzten Standpunkt vertreten.*) Ein Unparteiischer. Oest err.-Ungar. Monarchie. ** Wie«. In der Sitzung des Polen-Clubs vom 6. Mts. brachte Abg. Dr. Byk die Beschwerden jüd. Rechtspraktikanten in Galizien wegen Präterirung bei der Ernennung zu Gerichtsauscultanten zur Sprache. An der Hand der vsn ihm im Abgeordnstenhaufe und im Polen-Club überreichten Petitionen beleuchtete er da» Borgehen der beiden galizischen Ober-LandesgerichtS-Prästdenten durch eine Reihe von drastischen Fällen. Ein gleiches, den Staatsgrundgesetzen hohnsprechendes Vorgehen sei auch bei den anderen staat¬ *) Anmerkung der Redaktion. Der ganze Streit ist eigentlich gegenstandlos. nachdem es feststeht, daß nach der Entschließung des königl. dayr. Ministeriums vom 19. Jan. 1887 es den Eltern oder deren Vertretern frersteht. für sämmtliche Sabbate und Feiertage DiSpenö vom Schulbesuch am Vormittag und Nachmittag zu verlangen. Das kann kein Rectorat verweigern und eine nachfolende Aufregung kann keine vorhergegangene Lässigkeit seitens er Eltern wieder gut machen. lichen Behörden in Galizien wahrzunehmen. Dr. Byk brachte zur Kenntniß des Clubs, daß die jüdischen Abgeordneten aus Galizien noch im Juni durch Schritte bei der Regierung die Initiative zur Abhilfe ergriffen haben, welche leider, trotz gegentheiliger Zusagen, wenig günstige Resultate aufweisen und kündigte an, daß diese Schritte nun mit Energie erneuert werden sollen, wobei man aus die loyale und werkthätige Unterstützung der Clubs und seiner parlamentarischen Commission zähle. Weitere Anträge sich vorbehaltend, ersuchte Dr. Byk, die Petitionen mögen dem Justizreferenten des Budget-Ausschusses (Abg. Pientak) zur Berichterstattung zugewiesen werden. Im Verlaufe seiner Ausführungen verwies Redner auf die in letzter Zeit so stark zunehmende antisemitische Bewegung in Galizien und erinnerte den Club, sowie alle alle anderen öffentlichen Factoren an ihre Pflicht, derselben entgegenzutreten. § Wien, 12. Nov. Am Dienstag verschwand hier plötzlich der 4jährige Sohn einer Wäscherin, Namens Franz Schestak. Der Knabe wurde indeß noch am selben Tage wieder gefunden und zwar in Gesellschaft eines gewiffen Grün selb, der ihn mit sich geschleppt hatte. Grünfeld, Grünfeld, dachte sich der bekannte antisemitische Abgeordnete Ernst Schneider, der Name riecht mir zu stark nach Blut und erinnert zu sehr an den Ritualmord. Zwar fallen die jüdischen Ostern Heuer erst im April, aber die schlauen Juden denken sich, je früher, je bester und versorgen sich daher jetzt schon mit dem nöchrgen Christenblut. Flugs brachte er im Abgeordnetenhause eine Interpellation ein, in der er von der Regierung nähere Aufklärungen über den Fall Grünfeld-Schestak forderte, denn „ganz Wien befinde fich jetzt in ganz gewaltiger Aufregung", da man befürchte, daß sich nun in der Kaiserstadt ein betlehemischer Kindermord abspielen werde. Zur Beruhigung des Herrn Schneider und der mit ihm besorgten Wiener lheilt die Polizei-Direktion heute mit, daß der benannte Herr Grünfeld ein waschechter Arier und noch dazu ein guter Katholik ist. Der Arme ist jedoch ein starker Alkoholiker und in seinem Schnapsrausche hat er den Knaben Schestak mit sich geführt; der so getäuschte Herr Schneider gedenkt nun einen Preis für die Entdeckung eines wirklichen Ritualmordes auszuschreiben. Frankreich.? Paris. Die Affaire Dreyfus hat hier alle Themata des öffentlichen Lebens in den Hintergrund gedrängt. Sie sind indessen durch die politischen Zeitungen über den Verlaus dieser Angelegenheit zur Genüge unterrichtet, so daß ich darauf verzichte aus dieselbe zurückzukommen, zumal selbst die jüdischfranzösischen Blätter sich damit begnügen, ihren dies-

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