Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 92 (22.11.1897)
- Date
- 1897-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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■7*&F~7gmgfr*??Zr*>r-7 1745 ein Schreiben, das er ihm gleichsam als Geleitschein durchs Leben anempsiehlt. Und was enthält dieser Brief zum größten Theil? Zumeist Lehren über Demuth. „Höre mein Sohn," so schreibt der große Vater, „auf die Lehre Deines Vaters und verschmähe nicht die Weisungen Deiner Mutter. Gewöhne Dich stets in sanften Worten zu sprechen. Ueberaus sehr empfehle ich Dir die Tugend der Demuth, denn sie ist die höchste aller andern Tugenden. Bedenke stets woher Du kommst und wohin Du einst gehen wirst; wisse, daß Du nur ein Wurm bist in Deinem Leben, umsomehr nach dem Tode; wisse, daß der Hochmuth ein Verbrechen ist gegen die göttliche Majestät. Weshalb solltest Du denn stolz sein? Wegen Reichthum? Ist es doch der Herr, der reich oder arm macht. Wegen Ruhm? Ist es doch Gott, dem allein aller Ruhm ist. Wegen Weisheit? Ist es doch Gott, der dem Weisesten die Vernunft zu entziehen vermag, vor Ihm ist alles gleichgestellt. Er erhebt die Niedrigen und beuget die Stolzen. Darum demüthige Dich selbst und der Allmächtige wird Dich erheben; richte Deinen Blick stets zur Erde hinab, Dein Herz aber nach oben zu Deinem Schöpfer; achte jeden Menschen mehr als Dich, ist Dein Nebenmensch reicher und weiser als Du, so achte ihn gewiß, bist Du aber glücklicher und gelehrter als er, so bedenke, daß Du im Vergleiche zu ihm der Schuldigere bist, da er durch seine unglücklichen Verhältnisse und durch feine Unwissenheit leichter entschuldigt werden kann für seine Vergehen. Bedenke stets in Deinem Thun und Lasten, daß Du vor Deinem Gotte stehst, der allgegenwärtig ist, besten Herrlichkeit das Weltall erfüllt, deshalb sei Dein Wesen wie das eines Knechtes vor seinem Herrn, schüchtern, schamhaft, sanft, stille; Dein Charakter sei rein und lauter, ohne Fehl. Diesen Brief lies jede Woche einmal und wirst Du Dich nach seinen Lehren aufführen, so bist Du des ewigen Heils gewiß." (Maulephet Saphrrim.) So zierte die Demuth zu allen Zeiten die Großen in Israel und die Bescheidenheit galt stets als der schönste Schmuck der Frommen und Edlen im Judenthum. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Köln Dr. Cornill, Professor der evangelischen Theologie an der Universität Königsberg, hielt hier einen Vortrag über die „Psalmen in der Weltliteratur." Zur Weltliteratur'.zählen solche Schöpfungen, deren Werth und Bedeutung sie zum Gemeingut aller Menschen machen. Da die Psalmen als hervorragendste Gebilde des menschlichen Geistes , als. Ergebniste reichster Weltanschauung und Erzeugniste der Erkenntniß aller denkbaren Vorkommniste des menschlichen Lebens und des Begriffes des Göttlichen zu gellen haben, dürfen sie den großartigsten Schöpfungen der Weltliteratur unbedingt zugezählt werden. Als solche wurden sie erkannt und gewürdigt von den größten epochemachenden Bahnbrechern der Literatur. Herder, Göthe und Alexander von Humboldt erkannten den hohen unvergänglichen Werth der Psalmen für die Weltliteratur, priesen ihren Gedankenreichthum und die Schönheit der Sprache, verbunden mit einer wohl unerreichten Kraft der Ausdruckweise. Auf den Inhalt der einzelnen Psalmen eingehend bewies Redner an zahlreichen Beispielen, in welch seltener, vollendeter Weise die Psalmen allen Gemüthsstimmungen gerecht werden, wie sie für alles den pastendsten Ausdruck finden, was seit Jahrtausenden das Menschenherz bewegte. Die Psalmen spiegeln wieder das Gemüthr- und Volksleben des jüdischen Volkes, seine GotteSerkenntniß und sein tiefes Erfasten des Wesens Gottes. In den Psalmen offenbart sich die höchste Lebensweisheit, verbunden mit einer abgeklärten, idealen Weltanschauung. In den Psalmen erblicken wir die Wiedergabe der sittlichen und religiösen Weltanschauung des israelitischen Volkes, sie sind zum Gemeingut geworden der ganzen civilisirten Welt und werden ihren hervorragenden Platz in der Weltliteratur behaupten für alle Zeit. Wir verehren in den Psalmen den Ausfluß göttlichen Geistes, welcher der Gesammtmenfchheit in der vollendesten Form als ein ewiges Erbtheil dargereicht wurde. Aus Bayern. Wir werden um Ausnahme der nachfolgenden Zeilen dringend ersucht: In Nr. 85 des „Israelit" wurde eine „Erklärung" der „Schriftführer der freien Konferenz der bayer. Rabbiner" veröffentlicht, welche den Zweck und die Absicht hatte, einem von der Redactton geäußerten Wunsche, „es möge von zuständiger Seite Licht in diese unbegreifliche Angelegenheit gebracht werden", aus welchem Grunde in einigen Gemeinden Bayerns die Befreiung der Schüler vom Besuche des Schulunterrichts auch an den Nachmittagen des verflostenen Neujahrsfestes nicht erwirkt wurde, entgegenzukommen. Schreiber dieser Zeilen ist aber der unmaßgeblichen Ansicht, daß die erwähnte „Erklärung" selbst noch der Erklärung bedarf. Zunächst muß es auffallen, daß die Erklärung von den Schriftführern und nicht vom geschästsführenden Ausschuß der Konferenz ausgegangen ist. Wir glauben nicht, daß die Schriftführer zu Erklärungen über den Inhalt der stattgehabten Berathungen befugt sind, ohne dazu vom geschäftsführenden Ausschuß autorisirt zu sein; daß aber eine Genehmigung der Erklärung von zuständiger Seite vorausgegangen, darf wohl bezweifelt werden. Sodann wird in der Erklärungunter Bezugnahme aus Nr. 62 und 83 des „Israelit" nur auf