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Der Israelit · 1897-11-18 · Heft 91 (18.11.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 91 (18.11.1897)
Date
1897-11-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXTIDU Jahrgang. Erste Beilage M M 91 des .Jsrnrtit“. Zeitungsnachrichten rrnd Vorrefponden-en Deutschland. L. Berlin, 15. Nov. Einer der größten Wohlthätigkeitsverbände innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde, der „H uman it ät s verein Gewul tauw", beging gestern sein fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest. Der Verein wirkt sehr segensreich. Zehn Männer gründeten ihn, heute zählt er etwa 800 Mitglieder. Er unterstützt in Krankheitsfällen, giebt Darlehen seinen Mitgliedern, hat eine Wittwenunterstützungskasse und eine besondere Frauenabtheilung, welcher 600 Frauen zur Ausübung besonderer Liebeswerke angehören. Die Feier nahm einen erhebenden Verlauf. Der verdienstvolle Vorsitzende, Herr Gustav Michaelis, begrüßte die etwa 2000 Personen zählende Versammlung und erstattete Bericht. Die eigentliche Festrede hielt Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l aus R a t i - Bor, welcher Ehrenmitglied des Vereins ist. Die anwesenden Berichterstatter der Berliner Blätter constatieren einmüthig den tiefen und hinreißenden Eindruck, welche die flammenden Worte des Festredners hervorriefen und den jubelnden Beifall, den sie fanden. Der Redner knüpfte an das Bibelwort an: „Ich werde dich zu einem großen Volke machen und du sollst ein Segen werden?" Die Rede feierte den Tag nicht als ein Fest des Vereins, sondern als ein Fest der Menschenliebe und schloß mit ernsten Worten der Mahnung, an der sittlichen Tendenz des Vereins festzuhalten, welche in den religiösen Wahrheiten unseres Glaubens wurzeln. Ganz besonders erhebend gestalteten sich die zahlreichen Ansprachen, welche die Vertreter der vielen Vereine und Behörden an die Versammlung richteten. Namens der Stadt gratulierte herzlich der mit der goldenen Amtskette geschmückte Stadtverordnete Hammerstein, im Namen der Synagogengemeinde sprach in innigen Worten das Mitglied des Repräsentanten-Eollegiums, Herr Bernhard Sachs. Im Namen der Monteftore- Loge sprach Dr. Moses, für die Mozartloge in Brandenburg Herr Normerk, für den Kinderhort und das Heimathshaus Herr Abraham, für den „Humanitätsverein aus dem Jahre 1867" Rechtsanwalt L-auerseld, für den Verein „Humanitas" Herr Kunz, für den Verein Gemrüus Chaffodim Herr S. Kunz. Ferner gratulierte der israel. Miethehilfsverein, die Reichsloge und andere Vereinigungen. Das Vorstandsmitglied, Bankier Kroner, ehrte die Senioren des Vereins, namens der Frauenabtheilung sprach Frau Marianne Dewitz; Herr Ries dankte dem Verein und allen Rednern. Wir schließen mit dem Wunsche, daß der Verein auch weiter zur Ehre des Judenthums segensreich wirken möge. Aus Westfalen, 16. Nov. Die Synagogengemeinden unserer Provinz, deren größter Theil sich vor ca. 6 Jahren zu einem Verbände zusammen geschloffen hat, haben am 31. v. M. zu Münster im Hotel Moormann ihre Jahresversammlung abgehalten. Es lag ein Antrag der Gemeinden Witten und Neuenkrrchen, Reg.-Bez. Minden, vor, betreffs Gründung eines Asyls für arme jüdische Sieche und Altersschwache. Die Referenten, die Herren Lehrer Ostwald-Witten und Vorsänger-Neuenkirchen, Rgb. Minden, traten für die Gründung einer solchen Anstalt mit allen Kräften ein und ihre Vorschläge fanden den reichsten Beifall der zahlreich erschienenen Delegirten, so daß an dem Zustandekommen des Projectes kaum mehr zu zweifeln ist. Als besonders anerkennenswerth war die Mrttherlung zu verzeichnen, daß die Herren Benedix Kemper-Rietberg 5000 Mk. und Simon Löwenstein-Rietberg 3000 Mk. als erste Gabe für den Grundstock zeichneten. Nicht unerwähnt soll übrigens bleiben, daß der christlichen Charitas armen jüdischen Mitbürgern gegenüber von verschiedenen Rednern volle Anerkennung zu Theil wurde. Bingen, 2. Nov. Von einem sehr schweren Unglücksfalle wurden in der vergangenen Sonntag Nacht die hiesigen Familien Sigmund Simon nnd Albert Gott sch o betroffen. In Abwesenheit seiner momentan auf Reisen befindlichen Söhne, wohnte der 79jährige Herr Simon bei seiner Tochter, Frau Gottscho, woselbst er mit seinem Enkelchen, einem schönen 5jährigen Kinde, in einem Zimmer schlief. Als Sonntag Morgens zur gewohnten Zeit weder Großvater noch Enkel etwas hören ließen, begab man sich in deren Zimmer und fand beide, das Kind vor dem Bette auf dem Boden liegend, entseelt vor. In Folge ausströmender Kohlengase aus eine« im Zimmer befindlichen sogenannten amerikanischen Ofen, waren beide erstickt. Sogleich angestellte Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Theilnahme an dem herben Verluste ist eine allgemeine und Herzliche und war dementsprechend auch die Theilnahme an der heute ftattgefundenen map eine äußerst zahlreiche, sowohl von Juden als Nichtjuden. Auch unsere hiesige Religionsgesellschaft hat durch den Tod des Herrn Simon nicht allein ein ehrenwerthes Mitglied, sondern auch ihren langjährigen geachteten Präses zu betrauern. Seine Hingabe fiit unsere Säche^' sein Wirken und Streben für das Gedeihen unserer Gemeinde, bewahren ihm ein ehrenvolles Angedenken bei

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