Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-11-18 · Heft 91 (18.11.1897) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 91 (18.11.1897)
Date
1897-11-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448790--44917-2494035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1780 sollte sie entsagen, ihn einer anderen überlassen? Ein Frösteln durchschauerte ihren Körper, und ohne von der Mutter gesehen zu werden, verließ sie das Zimmer und stieg hinaus in den ersten Stock. In ihrem Boudoir schloß sie sich ein und ein heißer Thränenstrom linderte ihren Schmerz. Hatte sie denn ein Recht an ihn? Hatte er ihr jemals Veranlassung gegeben, auf seine Gegenliebe zu rechnen? Freilich er war ihr gegenüber immer gleich liebenswürdig und besorgt und der Verkehr zwischen ihnen war so ungeniert, als ob sie Geschwister wären. War es da ein Wunder, daß sich die Liebe in das Herz der Jungfrau stahl? Die Liebe zu dem, der einst durch seine muthige That ihr Leben gerettet und ihrer Bewunderung und Verehrung sich längst erfreute? Mußte sie nicht glauben, daß es dem Geliebten ebenso ergehe wie ihr, da sie sah, wie gerne er im Hause ihrer Mutter verkehrte? Aber auch wiederum, wie konnte sie an eine Vereinigung mit dem Geliebten denken, da er anderen Glaubens war als sie! Vielleicht wäre er, ihr zu Liebe, einen Religionswechsel eingegangen oder sie wäre Jüdin geworden! Wie konnte sie daran auch nur im Entferntesten denken! Zu einem solchen Schritt, zu einem Religionswechsel, der nicht der innersten Ueberzeugung entspringt, gehört ein gewisser Desect des Charakters, mit dem sie beide nicht behaftet waren. Aber fragt die Liebe nach den Gründen der Vernunft? Sie liebte den jungen Arzt mit der ganzen Kraft der ersten Liebe und diese Liebe gab ihr auch die Kraft, den richtigen Weg zu gehen. Die wahre Liebe will ja nur das Glück für den Geliebten, sie ist frei von jedem Egoismus und leidet lieber selbst, als daß sie sich dem Glück des Geliebten feindlich entgegen stelle. Zu dieser sittlichen Höhe kann sich aber nur die echte Liebe emporschwingen. Ohne Kampf geht es dabei freilich nicht ab, doch kann ein solcher Kampf nur sittlich gut auf das Herz dessen wirken, der ihn ausfechten muß. Selma blieb über zwei Stunden einsam in ihrem Zimmer. Als diese Zeit um war, hatte sie überwunden — so wähnte sie — hatte sie gesiegt. Sie hatte die Liebe nicht in ihrem Herzen ertödtet, — das hätte sie nicht vermocht, aber veredelt hatte sie dieselbe, geläutert und geheiligt. Selma Fink, die sonst kein Geheimniß vor ihrer Mutter hatte, war entschlossen, den Kampf, den sie mit ihrer Liebe durchzufechten hatte, vor der Mutter zu verbergen. Konnte doch die Mutter wenig Trost geben, denn solche Dinge müssen allein durchgemacht, allein überwunden werden. Was sie über Alice Lazar wußte und von anderen gehört hatte, das war nur Gutes, und wie sie selbst das junge Mädchen kannte, war es wohl geeignet, einen Mann glücklich zu machen. Wie gerne hätte sie ihn beglückt, den sie mit aller Kraft ihres Herzens liebte, wie gerne durch ein glückliches Leben die Rettung des eigenen Lebens vergolten! Nun mußte sie auf eine Vergeltung verzichten, mußte ewig in seiner Schuld bleiben! Nur nicht verzagt. Du edles Herz/ Harre aus im Kampfe, sei tapfer und muthig; die Stunde der Vergeltung wird schon kommen, die Stunde, da jede gute That ihren Lohn, jede schlechte ihre Strafe erhalten wird! (Fortsetzung folgt.) Der -Israelit" erscheint wCeheitlich zweimal, Montags and /Donnerstags, jedesmal in mindesten» pmk Boge». Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch «f. f. fitrtaaärr, Frip/tg, Zojpürh IS. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im ReclametheÜ 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark »der 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. mint Siücksendrrng dev «zhtt »Ihattion eingesarrdte« Marruscripten findet Nicht statt, man dittet deshalb, fich »pp allen «insendnngen eine Lopie znrückzubehalten. Inhalt (Hanptblatt). Leitender Artikel: Stehen unsere Glaubensgenossen in Rußland auf der Höhe der Civilisation? — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. England: London. Amerika: Chicago. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthelf. ^^Intzatt der ersten Beilage, Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Westfalen. Bingen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Karlsbad. Budapest. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: England: London. Afrcka: Algrer. Australien: Sydney. — Vermischtes. ,ff Gxtra»Beilagen r Feuilleton: Säen und Ernten. Von Dr. M. Lehmann. — Spendenverzelchmsse. Verantwortliche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Geiellschast in Mainz. Hierzu vier Bettagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.