Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 91 (18.11.1897)
- Date
- 1897-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448790--44915-2494033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1728 aus Paris berufen werden, »m den Vortrag zu übernehmen. O esterr.-Ungar. Monarchie. ** Budapest, 11. Nov. Wir lesen im „Budapesti Hirlop" : „Es ist wohl noch in Aller Erinnerung.^wiedie „Miskolczer orthodoxe Kultusgemeinde" anläßlich der Rabbinerwahl in zwei Parteien gespalten wurde. Die Gemeinderepräsentanz wählte nämlich den Rabbiner Dr. Spira, der seit einigen Jahren in Losoncz thätig ist, zum ungarischen Prediger. Dies fand bei den konservativen Mitgliedern keinen Beifall. Im Wege der orthodoxen Centralkanzlei setzten sie durch, daß die Amtseinführung des Predigers behördlicherseits verboten wurde. Rabbiner Leopold Lipschitz, der Leiter der orthodoxen Centralkanzlei, wurde auf Grund dieser behördlichen Verfügung von der hauptstädtischen Presie beschuldigt, daß es ihm nur darum zu thun sei, die Einführung der ungarischen Sprache in der Synagoge zu vereiteln. Rabbiner Lipschitz äußerte sich nun folgendermaßen: „Es ist kaum glaublich, daß ich ernstlich als Feind der ungarischen Sprache hingeftellt werde. Wer meine amtliche Thätigkeit mit Aufmerksamkeit verfolgt, weiß es, daß ich im Kreise meiner Glaubensgenossen, auf die sich mein Wirkungskreis erstreckt, der eifrigste Förderer der ungarischen Sprache bin. In dieser Beziehung brauche ich nicht erst auf Beweise hinzuweisen, ich will Sie nur daran erinnern, wie ich gegen den Schuloerein den Kampf aufnahm und entschlossen führte. Die heimischen Blätter gedachten seiner Zeit dieser meiner Thätigkeit mit großer Anerkennung. Die Miskolczer Konservativen sträuben sich auch nicht dagegen, daß ein ungarischer Prediger angestellt werde. Es handelt sich nur darum, daß der Vorstand und die Repräsentanz, deren neologe Gesinnung bekannt ist, einen neologen Prediger wählen will, und daß dabei die Kultusgemeinde orthodox bleiben soll. Kurz, sie wollen auf Umwegen die Gemeindeversosiung fälschen. Sie wollen die Kultusgemeinde vor der Öefsentlichkeit nicht als neolog deklariren, weil sie fürchten, daß ein bedeutender Theil der Gemeindemitglieder eine neue Gemeinde gründet. Daß ich und die Miskolczer Orthodoxen nichts dagegen haben, daß ein ungarischer Prediger angestellt werde, ist schon aus dem Umstande zu folgern, daß wir der Kultusgemeinde mehrere orthodoxe Rabbiner empfohlen haben, die alle als ungarische Prediger bekannt sind. Solange die Miskolczer Kultusgemeinde als orthodoxe organisirt ist, halte ich es für unmöglich, daß ein neologer Previger angestellt werde. In diesem Stadium der Angelegenheit konnte die Regierung und der Kultusminister nicht gestatten, daß die Gemeindeverfaflung auf Umwegen gefälscht werde." England. 'i London. Der zurücktret ende Lord Mayor, Sir Fandet Philipps, wurde bei dem altehrwnrdigen Festzuge, der jedes Jahr am 9. November zu Ehren des alten und des neuen Lord Mayor ftattftndet, von der dichtgedrängten Menge mit lautem Zuruf auf der ganzen Strecke begrüßt, die der Zug zurückzulegen hatte. Bei dieser Gelegenheit erhielt Philipps auch einen Dankbrief des Vorsitzenden des indischen Hungersnothfonds in Calcutta, des Oberstrichters von Indien, Sir Francis Macleam, für seine aufopfernde Thätigkeit im Interesse dieses Fonds. Ein Komitee hat sich hier gebildet, um Philipps ein Zeichen des Dankes für seine erfolgreiche Amtsführung zu überreichen und zwar soll dies in dem Porträt der Lord Mcworeß bestehen, die wegen ihrer Güte und Mildthätigkeit nicht weniger allgemeine Sympathie erworben hat, als ihr Gatte durch seine Intelligenz und Energie. Ein Beweis dafür ist die Ueberreichung eines Geschenkes durch die Vertreter des Ostendes von London, wobei der Sprecher hervorhob, daß die Lady Mayoreß mit der gleichen Freundlichkeit die Armen des Ostendes empfangen habe, wie die Königin von Englands wahrlich ein sehr ehrendes Zeugniß für die Humanität der würdigen Dame. Amerika.? Chicago. Die United Hebrew Charities geben ihren Jahresbericht, der wieder eine neue Steigerung des Betriebes in diesem großen Institut aufweist, leider auch wieder ein Defizit, das auf ca. 18,000 M. gestiegen ist. Unterstützt wurden 14,428 Bittsteller, von denen inehr als 80 pCt. russische Inden waren. Inden beiden Kliniken wurden 44,122 Fälle behandelt, von den Patienten waren Juden. Vermischtes Berlin, 14. Nov Wir werden um Aufnahme folgender „Richtigstellung" ersucht: Gestern Abend sprach Dr. Vogelstein aus Stettin in einer Versammlung über das Thema „Gegen den Zionismus". Wir legen Verwahrung dagegen ein, daß die von Herrn Vogekstein als Lehren und Programm des Zionismus oorgetrageneu Theorieeu „der Zionismus" sein sollen. Unsere Partei hat ihr Programm auf dem Congreß in Basel sestgelegt und nur, was sich mit diesem deckt, können wir als Zionismus anerkennen. Da gestern Abend eine Discussion über den Zionismus trotz unserer wiederholten Bitte nicht gestattet wurde, sind wir zu diesem Protest genöthigt. Im Aufträge der Berliner Zionisten: R. Hartmann, F. Sachs. Bayern Man lieft im Würzburger „General-Anzeiger": S ch l e ß l i tz, 10. Nov. Im nahen Zeckendorf feierte am Sonntag das Heimann'sche Ehepaar iw Kreise der Kinder, Enkel und Ekelinnen die seltene Feier der goldenen Hochzeit. Rabbiner Dr. E. nahm die Trauung vor. Wir nehmen an, daß das nichtsüdische Blatt von seinem, nichtjüdifchen Eorrespondenten falsch berichtet wurde, im anderen Falt hat vielleicht Herr Rabbiner Dr. E. die Güte, uns mitzutheilen, wie man eine goldene Trauung vornimmt.